Hands-On: Rahmenbedingungen unter Strom

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Foto: Annette Kuhls

Mit dem neuen System UNIQUIN von dormakaba lassen sich geschlossene Raumstrukturen mit Durchblick, Schallschutz, guter Akustik, Zugangsschutz und Elektrifizierung gestalten. Dass die Anwendungsbereiche vom normalen Büro über Hotels bis hin zum medizinischen Institut mit besonderen Anforderungen reichen können, bestätigen die Architekten von HDR in Düsseldorf und Carpus+Partner aus Aachen.

Um das Spektrum von dormakaba zu überschauen, lohnt ein Schritt zurück. Zerlegt man den Namen, liest man seine zwei Bestandteile: DORMA und KABA. 1862 begann Gründer Franz Bauer sein Unternehmen als Schlosser und Kassenfabrikant in Zürich. Später wurde im Haus der Wendeschlüssel erfunden, der samt Schloss Kassabauer heißen sollte und der der Firma in Kurzform den Namen KABA verlieh. Zur Jahrtausendwende deckte KABA die Bereiche Türen, Schlösser, Identifikationssysteme, Zutrittskontrolle und Türautomation ab. DORMA hingegen entwickelte sich, 1908 im nordrhein-westfälischen Ennepetal gegründet, vom Hersteller für Türbänder und Beschläge zum Produzenten von Türsystemen, Schließern, Automatiktüren, Glasbeschlägen und Raumtrennsystemen. Mit der Fusion im Jahr 2015 fand zusammen, was zusammengehört – es entstand ein ganzheitliches Angebot an Lösungen rund um die Tür. Zugleich wurden die mechanische und die mechatronische Welt stärker mit der digitalen verknüpft.

Olaf Küppers, leitender Innenarchitekt bei HDR in Düsseldorf

Düsseldorf
Eine der jüngsten Produktentwicklungen von dormakaba stellt Jens Kronenberg, Leiter des Architektenservice, vor. Mit dem Glastrennwandsystem UNIQUIN besuchen wir das Büro HDR im Düsseldorfer Stadtteil Golzheim. Zu ihren Projekten zählen überwiegend Krankenhausbauten, erzählt der leitende Innenarchitekt Olaf Küppers. Für den heutigen Austausch sind beide Seiten dankbar. Jens Kronenberg erklärt das Produkt: „Unser Anliegen war es, den funktionalen Bereich, also Technik, Zutritt und Akustik, mit Ästhetik zu kombinieren. Eine wichtige Fragestellung war dabei, wie wir die Elektrifizierung integrieren.“ Das Rahmenprofil sei so gestaltet, dass nicht nur die Fixierung, sondern auch die Verkabelung darin Platz finde – und das bei vergleichsweise kompaktem Format und minimalem Montageaufwand. Steckdosen und Anschlüsse werden verborgen am Rahmenrand installiert. „Weniger Profil, nehmen wir immer wieder als Wunsch wahr“, sagt Kronenberg. Zudem sei eine möglichst reduzierte und einheitliche Ansichtsbreite wichtig gewesen.

Ob es auch eine Ausführung mit Rauchschutz geben wird, fragt der Innenarchitekt. Zum Produktionsstart nicht. „Wir nehmen es aber als Entwicklungsanforderung auf“, bestätigt Jens Kronenberg. Die Rauch- und Brandschutzfrage sei mit jedem Projekt neu zu behandeln, erklärt Küppers. „Transparenz ist uns extrem wichtig und ein entscheidender Baustein für eine offene und einladende Architektursprache, gerade im Healthcare-Bereich. Sie muss aber zwingend mit den jeweiligen Anforderungen übereinstimmen und sollte dann natürlich im Idealfall auch noch gut und überzeugend aussehen.“ Das System UNIQUIN gefällt dem Planer, sowohl seine Schlankheit als auch, dass man wählen kann, so etwa bei den Türen mit Schiebe- und Drehtüren oder bei der Fläche: mal als einzelnes kleines Panel zwischen zwei massiven Wänden, mal als große Glaswand. Je nach Glasstärke wird dabei ein Schallschutz von bis zu 40 dB erreicht. Daneben lassen sich zwischen den Glaswänden zusätzlich Akustikelemente integrieren – diese sind wahlweise individuell bedruckbar. Sogar Holz und andere Materialien mit einer Dicke von bis zu 19 Millimetern nehmen die Profile neben Glas auf. In einem ihrer nächsten Krankenhausprojekte können Küppers und seine Kolleginnen sich die Wände vorstellen: „Im Rezeptionsbereich stellt sich ja häufig die Frage, wie man einerseits Offenheit wie im Hotel erzeugt, andererseits aber die Möglichkeit hat, den Tresenbereich zu schließen.“ Auch hierfür wäre UNIQUIN geeignet.

Blick auf die Details: Carpus-Architektin Anna Koenigsfeld und Architekt Albert Borucki

Aachen
Gute 90 Kilometer entfernt besuchen wir Carpus+Partner Architekten in Aachen, die sich in Nachbarschaft zur Uniklinik ein eigenes Haus als Standort gebaut haben. In ihrem ganzheitlichen Ansatz, die Bauherren stets von Anfang bis Ende zu begleiten, passen das Architekturbüro und dormakaba zusammen. In den Projekten von Carpus+Partner – häufig Forschung, Hochschulen und Pharmaindustrie – spielt das Thema Zugang und Sicherheit eine große Rolle, wird dabei aber immer komplexer, berichtet Architekt Albert Borucki. Gleichzeitig sind bei ihren Gebäuden offene Strukturen beziehungsweise Glaswände gewünscht.

„Wir sind natürlich nicht die Einzigen, die ein Glastrennwandsystem im Angebot haben“, sagt Jens Kronenberg, „aber ich glaube, wir haben es gut gemacht.“ Neben der Elektrifizierung und dezenten Beschlägen seien die Schließmittel der Türen bündig mit den Rahmen. Albert Borucki lobt die einfache Installation der Verkabelung. „Und welche Formate sind mit dem System möglich?“, erkundigt er sich. In der Höhe sind drei Meter das Maximum, in der Breite ist man nahezu unbegrenzt, wobei es die einzelnen Horizontalprofile in einer Länge von bis zu sechs Metern gibt. „Besonders wichtig sind uns drei Meter Höhe“, bestätigt Carpus-Architektin Anna Koenigsfeld. Denn ihrer Erfahrung nach lägen kaum noch Büros darunter. Das Schöne an transparenten Glastüren und -wänden sei, so Koenigsfeld, „dass man im Gegensatz etwa zu Holztüren gleich sieht, ob man gerade willkommen ist“. Generell ist den Architekten aber eine hohe Flexibilität und Kombinierbarkeit mit anderen Systemen wichtig. „Für uns ist es spannend, wenn die Wand einen ganz neuen Charakter bekommt, zum Vorhang wird und wegfahrbar ist“, meint die Architektin.

Albert Borucki gefällt die Haptik der Profile. Ob denn noch andere Farbtöne als „dieses eine Anthrazitgrau“ produziert werden, möchten beide Architekten wissen. Schließlich gebe es nicht nur einen Grauton – auch wenn dieser hier schon sehr schön sei. Zum Produktionsstart konzentriert sich dormakaba zunächst auf einen Ton, doch bei entsprechender Abnahme sei sicher eine individuelle Farbe machbar, antwortet Kronenberg. Beginnen soll die Serienproduktion von UNIQUIN im Oktober 2017. Übrigens: dormakaba hat eine VR-Welt. So lassen sich Planungen schon vorab virtuell betrachten, begehen und beurteilen.

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