Cecilie Manz

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Text: Claudia Simone Hoff, 28.04.2014

Wahrscheinlich kennen Sie mindestens ein Produkt von Cecilie Manz. Auch wenn Sie vielleicht nicht wissen, dass es Cecilie Manz gestaltet hat. Denn Cecilie Manz ist eine Designerin, die lieber ihre Produkte sprechen lässt als ihre Person. Das mag für den einen typisch skandinavisch, für den anderen gar typisch weiblich sein. Cecilie Manz jedenfalls hat allen Grund stolz zu sein, denn die 42-jährige Dänin ist gut im Geschäft und arbeitet für Hersteller wie Muuto, Fritz Hansen, Bang & Olufsen, Holmegaard und Iittala. Wir trafen die Designerin in Mailand und sprachen mit ihr über Intuition, inspirierende Verwandte und ihr Faible für Glas und Keramik.

Ein unscheinbares Gebäude inmitten einer idyllischen Fußgängerzone im chinesischen Viertel von Mailand. Iittala hat während des Salone del Mobile eingeladen zur Präsentation seiner Neuheiten. Unter Art Director Harri Koskinen hat der finnische Hersteller eine Home Collection lanciert. Zu der hat nun auch Cecilie Manz ein Produkt beigesteuert: Aitio, ein Aufbewahrungssystem für Küche, Bad oder Büro. Die Designerin sitzt entspannt auf einem Stuhl und lässt sich vor einer Wand fotografieren. Darauf zu einem schönen Ensemble arrangiert: weiße, graue und gelbe Stahlcontainer.

Cecilie, mit Aitio haben Sie ein praktisches und zugleich dekoratives Aufbewahrungssystem gestaltet, dessen Produktentwicklung bereits vor drei Jahren begonnen hat.
[lacht] Ja, manche Dinge brauchen ihre Zeit. Auch wenn ein Produkt einfach aussieht und man sich hinterher vielleicht fragt, warum es so lange gedauert hat. Aber ich bin sehr froh, dass Iiittala auf mich zugekommen ist. Ich glaube jeder Designer träumt davon für eine bestimmte Firma zu arbeiten. Und für mich war es eben Iiittala.

Warum?
Iittala war immer ein wichtiger Teil des skandinavischen Design-Erbes – insbesondere natürlich wegen der Entwürfe von Kaj Franck und Alvar Aalto, von denen wohl fast jeder Skandinavier ein Stück zuhause hat. Ich habe beispielsweise viele Schalen von Kaj Franck von meiner Oma geerbt – in Farben, die es heute gar nicht mehr gibt: Braun und Grün.

Wie muss man sich den Designprozess vorstellen?
Iiittala war sehr offen, was die Aufgabe betraf. Das hat mir gut gefallen. Es war lediglich festgelegt, dass das Produkt Bestandteil der neuen Home Collection sein sollte – also keine Tableware. Das Produkt sollte überall im Haus einsetzbar sein. Ich hätte also genauso gut einen Beistelltisch oder einen Hocker entwerfen können. In der Entwicklungsphase haben wir zeitgleich auch an einem anderen Projekt gearbeitet, bei dem ich mich gefragt habe, was ich täglich brauche und wonach ich regelmäßig greife. So bin ich darauf gekommen, ein Aufbewahrungssystem für die Wand zu entwickeln. Das war der Ausgangspunkt meines Entwurfs, der sehr flexibel ist. Man muss Aitio nicht an die Wand montieren, man kann die Container auch auf einen Tisch oder eine Arbeitsplatte stellen.

An der Wand hinter Ihnen hängt ein Regal aus derselben Kollektion.
Ja, das gehört ebenfalls zum System – es ist dasselbe Prinzip wie bei den Containern. Nur ist das Regal größer und kombiniert zwei verschiedene Materialien: Stahl und Birkenholz.

Apropos Material: Welche Rolle spielt es beim Entwurf?
Eine wichtige. Der Container ist ja aus Stahl gefertigt und pulverbeschichtet – also ein sehr widerstandsfähiges Material, das leicht zu reinigen ist. Deshalb kann man Aitio auch in der Küche oder im Bad verwenden.

Weiß, Gelb und Hellgrau. Warum gerade diese Farben?
Zeitlosigkeit war mir wichtig bei der Farbauswahl. Man soll die Dinge auch in zehn Jahren noch mögen. Zwischen dem Weiß und dem Grau brauchte es ein wenig Farbe. Deshalb habe ich mich für ein Gelb entschieden, das zwischen Ocker und einem leuchtenden Gelb changiert. Für mich ist dieses Gelb fast eine Nicht-Farbe.

Es gibt viele Designer, die sich auf ein spezielles Gestaltungsfeld festgelegt haben. Sie hingegen entwerfen Tableware und Möbel ebenso wie Leuchten, Schmuck und Audiosysteme. Haben diese Entwürfe etwas gemeinsam – vielleicht eine eigene Designsprache? Oder kommt es eher darauf an, für welchen Hersteller Sie arbeiten?   
All diese Entwürfe haben mich gemeinsam [lacht]. Nein, ich habe kein spezielles System, nach dem ich entwerfe. Zuallererst muss das Gefühl stimmen, das ich einem Hersteller entgegenbringe. Wenn mich jemand für ein Projekt anfragt, dann verlasse ich mich ganz auf meine Intuition. Nicht nur ist mir wichtig, mit welcher Firma und mit welchen Menschen ich zusammenarbeite. Ich stelle mir auch die Frage, was ich selbst zur Lösung eines bestimmten Problems beitragen kann. So war es auch beim Audiosystem Beolit12, das ich für Bang & Olufsen gestaltet habe. Es unterscheidet sich mit seinem Vintage Look sehr von den Produkten anderer Hersteller.

Probieren Sie Ihre Entwürfe eigentlich zu Hause aus, bevor sie in Produktion gehen?
Ja, immer. Ich nehme die Prototypen mit nach Hause und teste sie auf Alltagstauglichkeit. Die Aufbewahrungscontainer von Iittala beispielsweise stehen in meiner Küche auf der Arbeitsfläche. Ich nutze sie als Ablage für Öl- und Essigflaschen und Zwiebeln.

Was treibt Sie um?
Ich habe gerade eine Serie von Beistelltischen für Muuto hier in Mailand auf der Möbelmesse vorgestellt. Meine Idee war etwas Leichtes und Luftiges zu entwerfen: einen Tisch, den man umhertragen kann. Einen Tisch, der nicht viel Platz einnimmt – weder im Kopf, noch zu Hause. Außerdem arbeite ich gerade für einen dänischen Hersteller an einen Tableware-Projekt. Mehr darf ich darüber leider noch nicht verraten [lacht].

Gibt es eigentlich so etwas wie „weibliches Design“? Mir kommen die Entwürfe weiblicher Gestalter manchmal spielerischer und leichter vor.
Zwar denke ich darüber gar nicht so sehr nach, doch das könnte durchaus sein. Vielleicht achten weibliche Designer mehr auf Alltagslösungen. Aber ich würde das nicht verallgemeinern. Es gibt auf beiden Seiten hoffnungslose Fälle [lacht].

Ihr Lieblingsstück in der Küche?
Meine Eltern sind Töpfer. Deshalb spielt Keramik eine wichtige Rolle in meinem Leben, obwohl ich nicht selbst töpfere. Außerdem liebe ich Glas. Mich interessiert, wie etwas hergestellt wird – das Handwerk, die Formen, die Materialien.

Sie sammeln also gern?
Ja, leider viel zu viel [lacht]. Ich habe einfach ein ausgeprägtes Interesse an den Dingen, egal aus welchem Material sie bestehen. In meiner Küche zu Hause in Kopenhagen gibt es beispielsweise ganz viele Kochlöffel aus Holz. Ich liebe es Küchenutensilien zu sammeln – aus Japan, Mexiko oder Skandinavien, einfach von überall her.

Cecilie, danke schön für das Gespräch.

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