Gabriele Siedle

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Text: Stephan Burkoff
Foto: Anikka Bauer

Bei normalen Konsumenten löst der Name Siedle keine besonderen Assoziationen aus. Obwohl die Gegensprechanlage mit den drei roten S' in der Mehrzahl deutscher Wohnbauten neben der Wohnungstür hängt. Was gleichzeitig der Grund ist, wieso Architekten und Planer sehr wohl die Produkte dieser besonderen Firma kennen. Aber wissen sie auch, wer dahinter steckt?

In 265 Jahren von einem Gießereibetrieb zum Hersteller fortschrittlicher Gebäudekommunikation gewachsen, gehört Siedle heute mit einem Marktanteil von etwa 50 Prozent zu den erfolgreichsten Herstellern in seiner Branche. An seiner Spitze steht seit 2005 Gabriele Siedle. Sie ist Quereinsteigerin und die erste Frau in der Unternehmensführung. Weichenstellende Entscheidungen zur Unternehmensentwicklung hat sie voran getrieben. Das kulturelle Engagement, Siedle Steel oder auch die Digitalität – Gabriele Siedle versteht es, zum richtigen Zeitpunkt wichtige Impulse zu setzen. Gleichzeitig steht sie aber auch für Kontinuität und Verlässlichkeit: 550 Mitarbeiter in Furtwangen – weit ab von der nächsten Autobahn – können sich auf ihr Wort verlassen. Wir haben Gabriele Siedle zum Frühstück im Berliner Hotel 25 Hours Bikini getroffen, um mir ihr über alles andere als Gebäudekommunikation zu reden.

Stahl oder Marmor?
Stahl.

Schnitzel oder Hummer?
Hummer.

Eule oder Lerche?
Lerche.

Print oder online?
Beides.

Frau Siedle, Glückwunsch! Marktführer in Deutschland. Ihr Telegramm an Mathäus Siedle, den Gründer Ihres Unternehmens?
Hallo Mathäus, ich denke, wir haben es gut gemacht. Schau mal runter!

Welches Buch liegt auf dem Nachttisch?
Im Moment kein Buch, sondern Brandeins: „Kauf Du Arsch“.

Eine Regel, die man beherzigen sollte, wenn man als quereinsteigende Frau die Führung eines Traditionsunternehmens übernimmt?
Hör' zunächst mal ganz gut hin.

Sind Frauen die mutigeren Führungskräfte?
Grundsätzlich ja. Von meinem Mann abgesehen (lacht).

Worauf achten Sie, wenn Sie zum ersten Mal ein Gebäude betreten?
... tja, schon auf die Türsprechanlage...

Wie wird sich die Definition des Begriffs „Gebäudekommunikation" zukünftig ändern?
Er wird sich differenzieren in Grund- und Hochtechnologie-Funktionen.

Welche Bedeutung hat Sicherheit für Sie?
Sicherheit hat eine große Bedeutung. Es kommt sicherlich darauf an, wie man sie interpretiert. Es kann Abschottung sein, aber auch einfach ein gutes Gefühl geben.

Abgrenzung?
Negativ. Abgrenzung ist sicherlich ein Thema, dem wir uns gesellschaftspolitisch stellen müssen.

Auf welche technologische Errungenschaft unserer Zeit können Sie verzichten?
Das E-Book.

Worauf nicht?
Das Telefon.

Wo liegt die Zukunft von Siedle?
Eindeutig in der digitalen Welt, in der Manufaktur und im Design: In dem, was uns stark macht.

Im Theater. Das Stück gefällt Ihnen nicht. Aufstehen oder sitzen bleiben?
Ich stehe auf ... in der Pause. (lacht)

Was ist für Sie das wichtigste Kommunikationsmittel?
Die Sprache.

Welche Vorteile hat das Leben im beschaulichen Furtwangen?
Man kann sich gar nicht abgrenzen, man nimmt Teil am gesellschaftlichen Leben und man wird als Mensch wahrngenommen.

Der beste Ratschlag Ihrer Mutter?
Fühl Dich in andere Menschen rein!

Welche Frage beschäftigt Sie?
Wie wirds wohl weiter gehen? Wird das Netz alles beherrschen oder wird es eine Rückbesinnung geben? Wird man es schaffen, nur den Komfort des Internets zu nutzen und wieder mehr menschliche Nähe zu erleben? Wird man es schaffen, all die Daten aus dem Internet sinnvoll zu archivieren, um der Nachwelt etwas zu hinterlassen? Das sind Fragen, die ich mir stelle.

Frau Siedle, vielen Dank für das Gespräch!

Alle Beiträge aus unserem großen Themenspecial Light + Building 2014 finden Sie hier.

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