Klemens Grund: Möbel und Raum

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Text: Claudia Simone Hoff
Foto: © Klemens Grund

Klemens Grund ist ein Design-Handwerker. Nach der Meisterprüfung zum Tischler und dem Designstudium arbeitete er in einer Schreinerei und vertiefte seine Kenntnisse im Entwerfen und Gestalten von Räumen im Architekturbüro von Peter Zumthor. Seit 2013 betreibt Grund sein eigenes Gestaltungsbüro in Weil am Rhein. Wenn also einer dazu prädestiniert ist, seine Entwürfe in einer Ausstellung wie Radical Craft zu zeigen – eine Schau, die derzeit in Berlin zu sehen ist und rund um das Thema Kunst, Design und Handwerk kreist –, dann ist er es. Im Direktorenhaus platziert Grund einen Balkontisch, den Klappstuhl D7K für Tecta und Monk, einen Stuhl mit Stauraum. Mit uns sprach der 36-Jährige über disziplinübergreifendes Arbeiten, die wachsende Bedeutung des Handwerks und was Flugbenzin und Diesel damit zu tun haben.

Ist das Handwerk im Aufwind? Bestimmt hat das gut gestaltete handwerkliche Produkt im Kontext von Design eine gewisse Konjunktur. Dahinter steckt, so vermute ich, das Repräsentationsbedürfnis urbaner Gutverdiener, das sich in einer von gesichtsloser Industrieware überschwemmten Gesellschaft abheben will. Handwerk ist aber für die breite Masse nicht mehr bezahlbar. Ich kenne nur wenige Menschen, die sich einen Anzug maßschneidern, Schuhe handfertigen, eine Küche schreinern oder ein sorgfältig geplantes Haus bauen lassen. Außerdem gehen wunderbare Handwerkszweige vor die Hunde oder finden keinen qualifizierten Nachwuchs, man denke an das Bäckerhandwerk. Ich würde also nur von einer Prise Aufwind sprechen. Wirklich helfen würde, das Handwerk als sinn- und kulturstiftende Kraft zu würdigen, als Chance für junge Menschen, Zusammenhänge zu begreifen. Der handwerkliche Bildungsweg darf keine Sackgasse mehr sein, die mit der Meisterprüfung endet. Vermutlich wird es dafür eine Subventionsstruktur brauchen, wie sie bereits die Landwirtschaft erfahren hat. Im Moment sponsern wir aber noch Flugbenzin und Diesel.

Was lernt der Designer vom Tischlermeister? Je nachdem, wo ein Designer ausgebildet wird, kann er viel oder wenig über den Rohstoff Holz und seine Verarbeitung lernen. Ich gelange immer mehr zu der Überzeugung, dass die Zeit, in der man sich mit einer Sache beziehungsweise einem Rohstoff beschäftigt, tiefer und grundsätzlicher fußt als es sich einem „Meeting“ vermitteln lässt. Die Stärke des Handwerks ist nicht nur die Verarbeitung des Materials, sondern beginnt mit der Aufbereitung des Rohstoffs. Je Gewerk ist das ein Kosmos an Wissen.

Gibt es Trends im Handwerk? In der Produktion hat natürlich die Digitalisierung Einzug gehalten, bis hin zur Übertreibung. Einen Trend im Sinn von Moden gibt es bestimmt auch, ich könnte beispielsweise Materialien aufzählen, die in den nächsten Jahren gefragt sein werden. Der Trend, der mir am besten gefällt und schon seit Jahrtausenden anhält, ist die Logik. Ein guter Handwerker ist auch ein guter Stratege.

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