Ludovica und Roberto Palomba

3

Text: Katrin Schamun

Die Architekten und Designer Roberto und Ludovica Palomba sind nicht nur privat ein Paar, sondern seit 1994 auch beruflich Partner. Gemeinsam gründeten sie nach ihrem Universitätsstudium in Rom die Palomba Serafini Associati mit Sitz auf einem in der Nähe von Verona gelegenen Gutshof. Der Schwerpunkt ihrer Arbeit liegt in Architektur, Design, künstlerischer Leitung und Kommunikation sowie in der Marketingberatung. Ihre bisher größten Erfolge erzielten sie im Bad- und Sanitärbereich, beispielsweise verhalfen sie dem bis dahin unbedeutenden Keramikhersteller Ceramica Flaminia zum Aufstieg als eine bekannte Designmarke. Zurzeit arbeiten sie als Art Directors für: Crassevig, Iris, Kos, Schiffini und Zucchetti. Wir sprachen mit ihnen über die verschwimmenden Grenze von Architektur und Design, über das Element Wasser und die Zukunft des Bades.
Sie beide haben Architektur studiert und Ihre Karriere mit Architekturprojekten und der Restaurierung von Gärten begonnen. Wann haben Sie sich auf Design spezialisiert? Und was waren die Gründe dafür?
Ganz einfach, weil Design für uns eine Lebensentscheidung ist, nicht eine Arbeit: Dies bedeutet für uns, dass wir unsere Sicht der Welt, der Gesellschaft in der wir leben, der Menschen und ihrer Bedürfnisse ausdrücken können. In unseren Entwürfen kann man Emotionen, Suche, Teamwork, Erinnerungen, Arbeitsteilung lesen... und genau das ist der Schlüssel zum Erfolg. All dies und die Professionalität, die dahinter steht, erkennt der Nutzer in unseren Produkten und liest in ihnen Geschichten aus dem Leben.
Die Grenze zwischen Architektur und Design verschwindet immer mehr. Welche Unterschiede sehen Sie zwischen diesen beiden Disziplinen? Ist es von Vorteil Designer und gleichzeitig Architekt zu sein? Welchen Einfluss hat die Architektur in Ihren Designprozess und umgekehrt?
In allen unseren Entwürfen – sowohl der Architektur als auch des Designs – sind die Emotionen und die planerische Einstellung die gleichen. Es ändern sich nur die Zeiten der Realisierung. Wir meinen, dass jeder Planungsschritt mit derselben Intensität unternommen werden muss. Wenn wir eine Architekturleistung planen, denken wir sofort an die «Inhalte», nicht nur an das Licht, an die Materialien und an das Finish. Wir denken an das, was im Inneren der Räume ablaufen wird. Oder wenn wir ein Design-Stück entwerfen, dann denken wir sofort daran, wie es sich in einen Raum einfügt, in welchem Verhältnis es zum Ambiente steht, in dem es sich befinden wird. Es ist eine Geisteshaltung: Der Architekt und der Designer in uns, sind tatsächlich zu einer Einheit verschmolzen.
Sie arbeiten als Art Directors für verschiedene Hersteller wie KOS oder Schiffini. Beide Firmen befassen sich mit dem Thema Wasser. Besteht bei Ihnen ein besonderes Interesse an diesem Element?
Unsere Produkte kann man wirklich als Mikro-Architektur für das Wasser bezeichnen. Die Rolle, die dieses Element im Moment der Idee und der Planung spielt, ist fundamental: Die unendlich vielfachen Beziehungen die das Wasser mit der Materie herstellt im Hinblick auf Licht und Form, sein flüssiger und funkelnder Charakter sind unsere hauptsächlichen Motive der Inspiration.
In den letzten Jahren erhielt das Thema Bad im Designbereich immer mehr Aufmerksamkeit. Wie sieht Ihre Vision für das zukünftige Badezimmer aus?
Ja wirklich, in den letzten Jahren ist das Bad endlich zum Hauptdarsteller des Hauses aufgestiegen. Vermutlich liegt es daran, dass der beschleunigte tägliche Lebensrhythmus und der Wunsch einen Kontrast zum frenetischen Alltagsleben zu schaffen uns mehr und mehr einen Ort suchen lässt, wo wir zur Ruhe finden und an unser Wohlergehen denken können. Deshalb nimmt das Bad – bis vor wenigen Jahren als eine kleine Zelle und „vorgefertigtes Versatzstück“ behandelt – heute eine immer grössere Dimensionen in Hinblick auf Platz und Bedeutung an. Auch die Qualität der Produkte für dieses Ambiente hat sich geändert: Sie ist jetzt designorientiert, hypertechnologisch, skulpturartig. Wir meinen, dass diese Entwicklung in der nächsten Zukunft unaufhaltsam ist und unweigerlich zu neuen Lebens- und Wohnformen führen wird.
Ihre Projekte sind immer sehr unterschiedlich in Bezug auf Oberfläche, Material oder die Art der Produkte. Aber gibt es etwas, dass man als „typisch Palomba“ bezeichnen würde?
Bestimmt eine dauerhafte Eleganz, die nicht an die momentanen Trends und Moden gebunden ist, sich aber an eine kultivierte, internationale, zeitgenössische Kundschaft richtet.
Die meisten Designer präsentieren sich selbst als „one man shows“ – auch wenn ein großes Team hinter ihrer Arbeit steht. Sie beide arbeiten als Paar zusammen. Erleichtert es die Zusammenarbeit? Ist der eine von Ihnen mehr für einen bestimmten Bereich spezialisiert oder machen Sie beide das Gleiche?
In erster Linie sind wir ein Team bestehend aus zwei und „mehreren“ Personen. Das „mehr“ sind die, welche wir als unsere „ragazzi“ (Jungen und Mädchen) bezeichnen, junge Planer, die seit einigen Jahren mit uns das Atelier und das tägliche Leben teilen. Unser kreativer Prozess wird durch ihre Vision sehr bereichert. Der Enthusiasmus, den sie zum Beispiel in der Anfangsphase der Entwicklung eines neuen Projektes an den Tag legen, ist sehr stimulierend. Und dann gibt es uns – Ludovica und mich – ein Mann und eine Frau die sich entschieden haben, alles zu teilen von der Arbeit bis zum Privatleben. Zusammen arbeiten wir an Projekten die wir von Anfang an verfolgen und natürlich sind wir bis zum Ende dafür verantwortlich. Innerhalb des Ateliers bestimmen wir einen Architekt als Projektleiter der unser Verantwortlicher wird. Jedes Projekt hat also eine Bezugsperson, aber keiner der Mitarbeiter ist auf einen bestimmten Sektor spezialisiert. Diese Freiheit verpflichtet alle viel zu studieren und dazu, dass einer dem anderen hilft. Es fördert den Zusammenhalt.
Gibt es ein bestimmtes Projekt in Ihren Köpfen, dass Sie eines Tages gern realisieren möchten?
Sie werden es bald sehen ... auf der ISH in Frankfurt.
Welchen Rat würden Sie gern der nächsten Architekten- und Designergeneration geben?
Heute Design zu machen heißt nicht nur gewinnende, bunte und dekorierte Teile zu entwerfen. Das Design hat eine ernstere und tiefere Mission: Es trägt deine Botschaft in die Häuser der Leute, es hilft, den Alltag deiner Konsumenten zu verbessern. Überhaupt verlangt es viel Verantwortung. Es scheint, dass viele junge Designer das vergessen haben. Wie wir am Anfang des Interviews sagten, kann diese Tätigkeit nichts anderes sein als eine Lebensentscheidung, einzigartig und phantastisch. Gerade wegen der weiten Kommunikationsmöglichkeit welches sie dir gewährt, schenkt sie dir täglich starke Emotionen und eine grosse Belohnung.
Vielen Dank für das Gespräch.

Täglich neue Themen und Produkte aus Office, Living, Licht, Bad und Küche.

Lovegrove