Pflanzen im räumlichen Kontext

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Text: Redaktion

Partner: Brunner

Mit einem modularen, bepflanzbaren Raumteiler hat Brunner 2020 ein außergewöhnliches Produkt ins Portfolio aufgenommen. Entstanden ist PARA VERT in Kooperation mit dem Designstudio Ippolito Fleitz Group. Im Interview spricht Tilla Goldberg, Director Product Design und Mitglied der Geschäftsleitung, über die Arbeitsweise des Büros und die Entstehung der vertikalen Pflanzwand.

Die Produktdesignerin Tilla Goldberg, die unter anderem bei Richard Sapper in Stuttgart studierte, verantwortet seit 2009 das Produktdesign der Ippolito Fleitz Group. Im Jahr 2002 von Peter Ippolito und Gunter Fleitz gegründet, entwerfen die Identity Architects Lösungen in den Bereichen Architektur, Produktdesign und Kommunikation. Die Zusammenarbeit von Architekten, Innenarchitekten, Produkt- und Kommunikationsdesignern geht Hand in Hand, die Grenzen der Zuständigkeiten sind oft fließend.

Frau Goldberg, Sie sind Produktdesignerin. Was unterscheidet Ihre Arbeit bei IFG von der eines klassischen Produktdesigners? Bei IFG entwickeln wir Produktdesign in einem größeren Kontext. Das ist super spannend. Produktdesign an sich ist oft losgelöst vom Raum. Wir hingegen entwerfen so gut wie immer in einem (räumlichen) Kontext. Wir wissen, wie der Raum aussieht, für den wir etwas entwerfen. Wir wissen, was er aussagen soll, wer die Benutzer sind. Wir wissen, wie er benutzt wird und was außen herum steht. Das ist eine tolle Perspektive auf Gestaltung und auf das Produktdesign, weil es nicht so abgekapselt ist von der Welt.

Der Kontext hat dabei direkten Einfluss auf die Gestaltung eines Produktes? Bei PARA VERT, aber auch bei anderen Möbeln, die wir entworfen haben und die nun Serienmöbel sind, spielt dieser Kontext immer eine tragende Rolle. Wir haben die Szenarien, von denen wir denken, dass das Produkt darin eine Rolle spielen kann, beim Entwurf immer schon im Kopf. Weil es den Raum etwa präzisiert, verbessert oder das Leben der Menschen an dieser Stelle fröhlicher oder intensiver machen kann.
Bei anderen Produkten merkt man oft, dass sie zwar in sich selber gut funktionieren, aber im Kontext oft schwierig sind, da jedes Produkt für sich eine große Aufmerksamkeit braucht oder vielleicht sogar ein Kunstwerk sein möchte und sich nicht in ein größeres Ganzes einfügt.

Was hat Sie zur Gestaltung von PARA VERT inspiriert? Wir gestalten viele Arbeitswelten. Dabei haben wir festgestellt, dass der Wunsch nach Grün im Office sehr zugenommen hat. Uns ist aufgefallen, dass wir zunehmend Sonderlösungen für Pflanzen im Raum entwickeln und es nicht so viele Produkte gibt, die Pflanzen in die Vertikale bringen – abgesehen von komplett begrünten Wänden, die aber recht aufwändig in der Pflege sind. Etwas Luftiges, das einfach so im Raum steht, wie ein Layer funktioniert und auch etwas flexibler ist – so etwas gab es nicht wirklich. Wir haben in diesen Fällen immer wieder Sonderkonstruktionen für unsere Kunden entwickelt. Das hat uns sehr beschäftigt und zu einem eigenen Recherche-Projekt geführt, in dem wir uns intensiv mit dem Thema „Grün im Raum“ auseinandergesetzt haben.
Als Brunner uns 2018 mit der Gestaltung des Orgatec-Messestandes beauftragte, gab es die Idee, den Messestand unter das Thema „Gewächshaus der Ideen“ oder „Green House“ zu stellen. Zu diesem Zeitpunkt hatten wir PARA VERT bereits im Zusammenhang mit unseren Recherchen angedacht, und die Geschichte nahm ihren Lauf.

In diesem Jahr ist der Raumteiler als Serienprodukt in den Markt eingeführt worden. Ab wann haben Sie bemerkt, dass in PARA VERT mehr Potenzial steckt? An einem ganz bestimmten Punkt braucht eine gute Produktidee auch jemanden, der ihre Möglichkeiten erkennt. In diesem Fall war das Rolf Brunner. Er hat sich auf der Orgatec 2018 sowohl für das Design als auch für den Nutzen begeistert – und wir haben sowohl ganz nah am Produkt als auch an den Wirkungsdimensionen mit Brunner gemeinsam weitergearbeitet.

Welche Herausforderungen mussten bei der Produktentwicklung gemeistert werden? Um aus dem One-Off für die Inszenierung des Messestandes ein serienreifes Produkt mit allen Sicherheitszertifikaten, Konstruktionsdetails und möglichst minimalistischer Modularität zu machen, haben auf beiden Seiten viele Köpfe geraucht; bei Brunner in der Produktentwicklung, bei uns im Design, im Modellbau und natürlich bei den Spezialisten in den Produktionswerkstätten. Aber wenn dann alle zusammenkommen und ihre guten Ideen und nächtlichen Geistesblitze an einen Tisch bringen - das sind meine Lieblingsmomente. Da entstehen die besten, oft überraschenden Lösungen. Genauso war es auch in diesem Fall.

Beschreiben Sie bitte seine Funktionalitäten. Während der Entwicklungszeit sind dem gesamten Team immer wieder schöne Begriffe für den PARA VERT eingefallen: Raumteiler, Klimaaktivist, grüner Therapeut, Teamplayer. Und alle sind zutreffend. Denn letztlich wachsen aus den äußeren und inneren Werten drei überzeugende Wirkungskreise: Da ist natürlich zum einen die Möglichkeit, den Raum sehr flexibel, einfach und auf natürliche Weise zu zonieren oder zu teilen. Des Weiteren entfaltet es spürbare Wirkung auf verbesserte Luftqualität und Raumklima, wenn man sich mit dem PARA VERT die Natur in den Raum holt. Und nicht zuletzt kommt eine emotionale Wirkung zum Tragen: Die Mitarbeiterzufriedenheit und -motivation in Räumen mit Pflanzen steigt messbar.

Wie war bisher die Resonanz auf PARA VERT? Es ist ein eher ungewöhnliches Produkt für Brunner. Es passt aber gleichzeitig sehr gut in die aktuelle Diskussion um das Neue Arbeiten. Der Raumteiler trifft einen Nerv und bedient die Sehnsuchtsbilder vieler Menschen nach Wellbeing, nach mehr Grün im Raum, nach einem gesünderen Leben. Wir bekommen sehr viel positives Feedback auf PARA VERT, auch die Reaktionen auf Instagram sind beachtlich. Das ist genau der Grund, warum wir das auch machen (lacht). Wir wollen Menschen begeistern, und ihnen neue Ideen in die Köpfe pflanzen.

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