Phoenix Design

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Text: Katrin Schamun


Ihr Büro nannten Sie nach dem Vogel Phoenix, der verbrennt und aus der eigenen Asche im neuen Glanz wieder aufersteht. Dahinter verbirgt sich eine Devise: Nie stehenbleiben, sondern sich stets weiterentwickeln und erneuern  – und sie zeigte Wirkung. Seit 1987 gibt es Phoenix Design und von Anfang an bestätigten wirtschaftlicher Erfolg sowie zahlreiche Designpreise und Auszeichnungen, dass sie den richtigen Weg gehen. Andreas Haug und Tom Schönherr sind die Gründer des Designbüros, dessen Tätigkeitsfeld sich von Innenraum-, Produktdesign bis zum Interface Design erstreckt. Zu ihren Kunden gehören Firmen wie Hansgrohe, Laufen, Loewe, Sharp, Siemens, Miele und BenQ. Wir sprachen mit Tom Schönherr über die Qualitäten deutschen Designs, Autorendesigner und über das Geheimnis des Erfolges.

Herr Schönherr, Phoenix Design gehört zu den bekanntesten Designbüros Deutschlands. Als Designer haben Sie alles erreicht. Sie haben einen hervorragenden Ruf, entwerfen Produkte für renommierte Firmen und wurden mit Designpreisen überhäuft. Was für Wünsche haben Sie noch?


Weitere Designpreise natürlich! (lacht) Wir haben bisher viel erreicht. 1987 gründeten wir Phoenix Design und schon am Anfang als kleines Designbüro wurden wir mit Preisen ausgezeichnet. Mehrfach waren wir im nationalen Ranking der Design-Awards auf dem ersten Platz, 700  haben wir seit 1987 gewonnen. Nach dem aktuellen iF Ranking Creative sind wir auch international auf Platz eins. Für uns war das immer überraschend, da wir uns in erster Linie nicht wirklich auf Designpreise fokussieren, sondern die Gestaltung eines guten Produktes im Vordergrund steht. Wir freuen uns natürlich über Designpreise. Es bestätigt, dass unsere Designsprache auch den kritischen Augen von Designjurys Stand hält.

Was ist Ihr Geheimnis?


Das Geheimnis ist ein Zusammenspiel von Ethik und Ästhetik, Ökonomie und Ökologie, Präzision und Ergonomie sowie der Fokus auf die Interessen von Herstellern und Nutzern. Wir streben immer nach Produkten, die spontan begeistern und auf Dauer überzeugen. Wenn das gelingt, ist das Produkt in aller Regel erfolgreich.

Entwerfen Sie in Ihrem Büro auch noch selbst oder betreuen Sie ein Team?

Ein wesentlicher Punkt warum wir so erfolgreich sind, ist unsere Passion für gute Gestaltung. Andreas Haug und ich sind mit voller Leidenschaft Designer. Wenn ein Unternehmen wächst, kommen vor allem auch Manager-Aufgaben hinzu. Und passt man nicht auf, bleibt keine Zeit übrig zum Entwerfen. Dem haben wir entgegengewirkt und uns organisatorisch so eingerichtet, dass wir noch immer dicht in den Designprozess integriert sind. Inzwischen haben wir eine Größe von 70 Mitarbeitern an drei Standorten (Stuttgart, München, Shanghai) erreicht, die an unterschiedlichen Projekten arbeiten. Unsere jungen und engagierten Designer bringen oft sehr gute Ansätze ein, die so auf dem Markt noch nicht zu finden sind. Die Mischung aus unserer langjährigen Erfahrung und den frischen Ideen dieser Designer lassen erfolgreiche Produkte entstehen.

Was denken Sie über Autorendesign?

Autoren- und klassisches Design werden immer als Gegensatz gesehen, aber ich denke man braucht beides. Autoren besitzen den Vorteil, sich nicht um Gesellschaftstrends oder Stückzahlen kümmern zu müssen, sondern sie verwirklichen ihre eigenen Vorstellungen. Manchmal führen ihre Ideen zu einem Produkt, das erfolgreich auf dem Markt besteht, manchmal aber auch nicht. Das Besondere an ihnen ist, dass sie sich von Restriktionen lösen und teilweise sehr visionäre Dinge entwickeln, die sich häufig erst zu einem späteren Zeitpunkt durchsetzen. Sie sind die Speerspitze.

An wen denken Sie dabei?

Ron Arad ist ein sehr visionärer Designer. Er produziert Möbel aus unkonventionellen Werkstoffen und entwickelt ganz neue Formen. Oder Ross Lovegrove, der mit völlig neuen Herstellungsverfahren und Materialien experimentiert. Die Produkte sind hochinteressant aber auch sehr teuer und deshalb sind sie häufig nicht für die industrielle Fertigung geeignet, sondern gehören in die Forschung. Aber sie beeinflussen in großem Maße das Design und das ist die gute Seite des Autorendesigns. Es gibt aber auch Designer, die ihren persönlichen Kanon auf alles orientieren, egal um was und für wen es sich handelt.

Ein Beispiel?

Deutschlands bekanntester Designer gehört dazu: Luigi Colani. Er hat teilweise visionäre Ansätze, spricht aber nur eine einzige Formensprache und interessiert sich überhaupt nicht für wen er etwas entwirft, noch geht er auf die Bedürfnisse der Verbraucher ein. Ihm ist es egal, ob seine Produkte funktionieren oder nicht, Hauptsache sie sehen nach Colani aus. Das ist das genaue Gegenteil von unserer Philosophie, denn wir verstehen uns in erster Linie als Design-Dienstleister und entwickeln zusammen mit den Herstellern Produkte für den Nutzer, das ist unsere Mission.

Was zeichnet deutsches Design aus?


Ich halte es für das weltweit akzeptierteste und respektierteste Design. Aus folgendem Grund: hier in Deutschland gibt es eine Designgeschichte, das heißt, es gab eine intellektuelle Auseinandersetzung mit Gestaltungsfragen die im Bauhaus und Werkbund stattgefunden haben. Diese Designphilosophien strahlen immer noch bis in die heutige Zeit hinein. Deutsches Design zeichnet ein Gleichgewicht von Rationalem und Ästhetischen aus und diese Qualität macht es so erfolgreich. Vor allem im Ausland bemerke ich das immer wieder, wenn ich auf Designkonferenzen in USA oder Japan, im Diskurs mit Kollegen aus anderen Ländern Resümèe ziehen kann.

Sie sind viel auf Reisen?


Ich fahre viel nach Asien, aber auch in den USA sowie in England und Italien bin ich sehr oft. Wir haben weltweit Kunden, deshalb ist es zum einen wichtig, diese Märkte zu kennen und zum anderen ist es hoch interessant die unterschiedlichen Kulturen immer wieder zu erleben.

Wie wird Design erfolgreich?


Wir haben einen Leitspruch: Logik, Moral und Magie das sind die drei Elemente, die ein erfolgreiches Design ausmachen. Sie müssen in jedem Produkt enthalten sein. Logik ist dabei der rationale und funktionale Ansatz und sagt aus, dass die Produkte materialgerecht gestaltet sowie einfach und intuitiv zu bedienen sind. Der moralische Aspekt birgt die Verantwortung eines Designers gegenüber Gesellschaft und Umwelt. Ein Beispiel: ein Brausenkopf wird Millionen Mal verkauft. In einem Haushalt wird das meiste Wasser durch Duschen verbraucht und plötzlich hat dieses kleine Produkt eine riesige Relevanz. Innovation im Design heißt auch,  wenn es gelingt, weniger Wasser zu verbrauchen bei gleichem Duschvergnügen, dann hat dies in der Summe eine große ökologische Bedeutung. Und das dritte ist die Magie. Diese wird oft unterschätzt, weil man annimmt, Kaufentscheidungen laufen rational ab. Aber das tun sie nicht. Es gibt Untersuchungen, die belegen, dass 70 Prozent der Kaufentscheidungen emotional getroffen werden. Man sieht ein Produkt und aus irgendeinem Grund gefällt es, man tritt näher, betrachtet es und wenn die funktionalen Eigenschaften auch stimmen, dann wird es gekauft. Aber der erste Reflex lässt sich immer auf die Bauchebene zurückzuführen und nicht auf die rationale. Wenn Männer sich ein so emotionales Produkt wie einen Porsche kaufen, dann argumentieren sie ihre Kaufentscheidung rational.

Sie fahren auch einen Porsche?

Ja, einen in roter Farbe, den fahre ich schon seit zehn Jahren. Aber mein rationales Argument dazu: Es ist ein guter Wagen. (lacht)

Was macht Ihrer Meinung nach gutes Baddesign aus?


Ein Bad braucht langlebige Elemente, die funktional und ästhetisch ansprechend sind. Im Bad steht das Emotionale im Vordergrund das Erlebnis mit Wasser beim Baden oder Duschen und die ganz persönlichen Rituale die jeden Tag ablaufen. Deshalb sind Badprodukte sehr wichtig, wir berühren und benutzen sie täglich und dieser Gebrauch bringt ein gutes oder ein schlechtes Erleben. Eine Dusche, die nicht gut funktioniert und beim Benutzen in alle Richtungen spritzt ist ein schlechtes Erlebnis und kann den Beginn eines Tages ruinieren.

Dem Bad wurde in den letzten Jahren zunehmend mehr Aufmerksamkeit gewidmet.

Früher wurde für das Bad die Formulierung Nasszelle verwendet. Das ist ein Begriff mit zwei Wörtern, die negatives assoziieren lassen und gleichzeitig verdeutlichen, wie gering die Aufmerksamkeit ist, die diesem Raum entgegengebracht wurden. Zelle steht für klein eng, ungemütlich und Nasszelle lässt einen an Schlachten denken, deren Spuren anschließend mit dem Schlauch beseitigt werden. Aber das Bad ist grundsätzlich ein Lebens- und Wohnraum. Ich würde nicht sagen, dass jetzt alles warm und gemütlich wird, aber es integriert sich zunehmend in den gesamten Wohnbereich. Mag jemand eine farbenfrohe Innenarchitektur, so wird er sein Bad auch in diesem Stil gestalten.

Ein ganz entscheidender Schritt für die Badeinrichtung ist die Separierung der Toilette.

Damit wird der privateste Akt im Bad ausgeschlossen und genau dies ist die Voraussetzung, dass sich der Raum zum Wohnen hin öffnen kann. Möblierung beeinflusst ebenfalls die Atmosphäre. Warum sollte im Bad kein Stuhl stehen? Frauen müssen ihre Kosmetik nicht im Stehen verrichten. Doch für Möbel braucht man auch Platz im Bad und da taucht ein grundsätzliches Problem auf, denn die meisten Wohngrundrisse geben einfach keinen Platz für ein größeres Bad her.

Zum Schluss noch eine Frage zum Namen Ihres Büros. Warum nennen Sie sich Phoenix Design?

Einerseits wollten wir keinen personengebundenen Namen, sondern vielmehr den Team-Gedanken zum Ausdruck zu bringen. Andererseits sollte es eine international verständliche Bezeichnung sein. Und der Vogel aus der griechischen Mythologie, der verbrennt um im neuen Glanz wieder aufzuerstehen, steht sinnbildlich für Phoenix Design: Wir wollen nicht stehen bleiben, sondern uns immer wieder erneuern, wie Phoenix aus der Asche.

Vielen Dank für das Gespräch.


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Campana