Rolf Sachs

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Text: Katharina Horstmann, 30.11.2010

 
Er ist Kunsthandwerker, Designer und Künstler zugleich und gehört zu den Pionieren des Limited Edition Design: Rolf Sachs. Geboren 1955 als Sohn des Industrieerben, Fotografen und Lebemann Gunter Sachs in Lausanne, studiert er Betriebswirtschaft in London und San Francisco und arbeitet später als Investmentbanker in München. 1983 entwirft er erstmals Möbel für seine Wohnung, da er auf dem Markt nichts findet, was ihm gefällt. Darauf folgen Aufträge von Freunden und seine erste Ausstellung im Jahr 1987. Heute lebt Rolf Sachs mit seiner Familie vor allem in London und gestaltet Objekte und Möbel, für die er auf humorvolle Weise bekannte Formen aufgreift, um Überraschung oder gar Erstaunen auszulösen. Wir trafen Rolf Sachs in Basel und sprachen mit ihm über konzeptionelle Arbeitsweisen, objektbezogene Bühnenbilder und Totenschädel, die nichts mit Damien Hirst zu tun haben.
 
 
Herr Sachs, Sie haben Betriebswirtschaft studiert und als Investmentbanker gearbeitet, sich in den vergangenen Jahren jedoch mehr und mehr dem Design zugewandt. Wie kam das?
 
Ich habe zwar Betriebswirtschaft studiert, war aber schon immer sehr kreativ. Schon in der Schule habe ich viel gemalt und fotografiert, habe Filme gedreht und Bühnenbilder entworfen. Wenn man das in sich hat, ist es omnipräsent. Aus dem Grund ist das gar nicht so ungewöhnlich, wie es sich anhört.
 
Sie arbeiten nun schon seit fast zwanzig Jahren an der Schnittstelle zwischen Design und Kunst. Können Sie bitte in einem Satz erklären, worum es in Ihrer Arbeit geht?
 
Im Grunde genommen arbeitet mein Studio wie das eines Künstlers, aber im Gegensatz zu Künstlern entwerfe ich funktionale Objekte.
 
In den letzten Jahren ist das Interesse an Limited Edition Design enorm gestiegen, ein Bereich, in dem Sie zu den Vorreitern gehören. Was denken Sie über diese Entwicklung?
 
Ich führe hier gerne das Beispiel von zwei Kreisen an: Auf der einen Seite steht der des Designs als ein Element der reinen Funktionalität. Auf der anderen Seite gibt es einen Kreis der Kunst. Diese Kreise überschneiden sich zu einem großen Teil, und das ist die Welt, in der ich ansässig bin. Ab und zu bewege ich mich dann in eine künstlerischere und ab und zu in eine funktionalere Richtung.
 
In welcher Welt fühlen Sie sich denn eher zuhause?
 
Wahrscheinlich eher in der künstlerischen. Es gibt viel gutes Design, und es wird weiterhin gutes, neues Design geben, doch es spricht fast immer eine dekorative Sprache. Meiner Meinung nach ist es an der Zeit, dass Objekte mehr emotionale Werte haben sollten, künstlerische Elemente, die auch überraschen, über die gelacht werden kann, die Angst einjagen und die faszinieren.
 
Wie haben sich Ihre Entwürfe im Laufe der Jahre entwickelt?
 
Ich bin vom Dekorativen über den reinen Minimalismus zu konzeptionellen Objekten gelangt. Meiner Meinung nach ist die Welt etwas überdesignt. Deswegen nutze ich häufig bekannte Formen, die keinen Designanspruch haben, sondern wirkliche Funktionsgegenstände waren, und verändere sie insofern, als dass ich ihnen eine Seele gebe und sie zum Leben erwecke.
 
Wie das?
 
Ein Gefühl kann man auf verschiedene Arten erzeugen. Das kann durch das Material oder durch Hinzufügungen sein; das kann im surrealen oder auch im humoristischen Bereich sein. Das kann einfach ein Erstaunen bei den Menschen beim Betrachten bewirken.
 
Wie der Tisch Alone In A Crowd, für den Sie in einem Größenverhältnis 1:76 Miniaturfiguren unter eine gläserne Tischplatte stellten, die Alltagssituationen aufgreifen, was jedoch erst bei genauem Hinsehen auffällt?
 
Ja, der Tisch zeigt, wie klein und vergänglich wir an für sich sind.
 
Während der Messe Design Miami/ Basel 2010 stellten Sie auf dem Stand Ihrer Kölner Galerie Gabrielle Ammann neben dem Tisch die surrealistische Leuchtenserie Curiosities vor, für die Sie Objekte verwendeten, wie sie in Wunderkammern zu finden sind. Was hat es mit dieser Arbeit auf sich?
 
Dafür habe ich alte Abdeckgläser verwendet, die ursprünglich als Staubschutz für Uhren gedacht waren und später auch für ausgestopfte Vögel Verwendung fanden. Ich habe die Glocken genutzt, um drei unterschiedliche Leuchten zu gestalten, die es jeweils in einer Auflage von 17 Stücken gibt und die sich in den surrealen Bereich bewegen. Zum Beispiel habe ich einen Schädel genommen und ihn mit Pillen gefüllt, weswegen ich oft auf Damien Hirst angesprochen werde. Komischerweise habe ich das Objekt jedoch schon vor fünf oder sechs Jahren gemacht, also bevor Damien Hirst seinen berühmten Schädel geschaffen hat. Alle Leuchten sind Einzelstücke und greifen immer ein Thema auf. Das kann ein Zeitspannthema sein oder auch einfach nur Fragen aufwerfen. Es soll eben eine Emotion auslösen.
 
Sie entwerfen nicht nur Objekte, sondern gestalten auch Bühnenbilder.
 
Ich habe einige Bühnenbilder für Ballett und Oper gemacht. Die Arbeit nimmt sehr viel Zeit in Anspruch, ist aber sehr interessant, und ich mache sie sehr gerne. Meine Bühnenbilder sind sehr stark objektbezogen und symbolisch, typisch für die Oper. Außerdem sind sie normalerweise sehr minimalistisch. Ich glaube, wenn mich ein Haus beauftragt, dann, weil sie jemanden haben wollen, der nicht aus dem Fach kommt, sondern einen anderen Ansatz hat als die Profis, die das ständig machen.
 
Wo finden Sie Ihre Inspirationen? Sind das Alltagsgegenstände, die Sie umgeben?
 
Oft habe ich Objekte in meinem Studio, die mich anspornen. Oft sind es einfach Ideen, die mir kommen und von denen ich denke, sie könnten interessant sein. Ab und zu gehe ich auch in Kuriositätengeschäfte und sehe dort irgendwelche Gegenstände, die mich inspirieren, etwas mit ihnen zu machen.
 
Arbeiten Sie deswegen vor allem in limitierten Editionen?
 
Ja, es sind normalerweise immer limitierte Auflagen. Das können Einzelstücke sein wie die Glocken. Viele Projekte mache ich aber nicht als Einzelstücke. Für den Tisch Alone In A Crowd habe ich ein Gestell gestaltet, das als eine Art Leinwand dient, mit der ich so einiges machen kann. Ich werde sicherlich einige dieser Tische fertigen, diese jedoch nicht mit den Figuren füllen, sondern für sie andere Themen aufgreifen.
 
Herr Sachs, vielen Dank für das Gespräch.
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