Studio Brynjar & Veronika

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Text: Stephan Burkoff

Ist das noch Design oder schon Kunst? Brynjar Sigurðarson und Veronika Sedlmair loten mit Tauen, Holz und Wolle die Grenzen des Designbegriffs aus. Als Gewinner des Designers of the Future Award von Swarovski machen sie das Zuhause zu einem Ort konstanter Veränderung, Überraschung und der Freude. Wir haben zwischen Basel, Berlin und Flateyri mit ihnen über ihre Arbeit, Island und Kristalle gesprochen.

Ihr habt euch im Studium kennengelernt, seid ein Paar und arbeitet nun zusammen. Wie und wo arbeitet ihr?
Wir arbeiten zuhause. Uns ist klar geworden, dass es für uns keinen Sinn macht, da einen Unterschied zu machen. Es ist alles Leben. Manchmal arbeiten wir viel, manchmal leben wir viel. Wir arbeiten mit den Händen, sehr taktil und immer direkt dran. Nicht alles lässt sich in Worte fassen. Insofern war das Projekt für Swarovski eine Herausforderung.

Was war eure grundlegende Idee für das Projekt mit Swarovski?
Uns fasziniert, dass Kristall ganz natürlich ist, und so kamen wir auf die Idee, die Natur zurück ins Material zu bringen. Wir haben uns gefragt, wie können wir den Kristall in seinen Qualitäten nutzen und die Natur integrieren? Kristall reflektiert das Licht auf eine sehr besondere Weise, also haben wir das Sonnenlicht genutzt, um mit den Kristallen zu spielen. Die Objekte sehen wir in einer wohnlichen Umgebung. Wenn man sich in seiner Wohnung befindet und das Sonnenlicht fällt durchs Fenster und trifft irgendeinen Gegenstand, dann entsteht ein ganz besonderer Moment: ein Funke der natürlichen Schönheit. Genau das wollten wir mit den Sticks und den Jalousien einfangen.

Kollektion Currents von Brynjar & Veronika für den Designers of the Future Award von Swarovski.
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Fühlt ihr euch eher als Künstler oder als Designer? Wo zieht ihr die Linie?
Eigentlich machen wir da keine Unterscheidung. Wir sind nicht darauf fokussiert, Designer oder Künstler zu sein. Die Begriffe taugen ja gewisser Weise nur, um eine Tätigkeit zu beschreiben, die sonst keinen Namen hätte. Vielleicht fehlt für unsere Arbeit auch bisher ein richtiger Begriff wie zum Beispiel Multimedia-Künstler oder Fusion und so weiter. Aber nochmal: Das Meiste, was wir tun, ist praktisch, visuell oder physisch. Unsere Objekte erzählen etwas und funktionieren auf eine bestimmte Art. Vielleicht sind wir doch Designer.

Eure Materialwahl erscheint manchmal fast zufällig. Welche Rolle spielen Materialien für euch?
Eher ein Zufall in dem Sinne, dass wir Materialien nicht immer hinsichtlich ihrer Funktion aussuchen, wie bei der Silent Village Collection. Wir wählen sie je nachdem aus, wie sie zu uns sprechen oder wie sie mit der Atmosphäre korrespondieren, die wir schaffen wollen.

Habt ihr eine Rollenaufteilung?
Langsam kristallisieren sich die Rollen heraus. Wir arbeiten ja jetzt erst seit zwei Jahren in unserem Studio zusammen. Vieles geschieht bei uns aus einem Gefühl heraus. Das ist als Paar natürlich praktisch. Jeder hat seine Stärken, und es ist manchmal sinnvoll sich aufzuteilen. Aber wir sind noch dabei uns zu orientieren.

Eure Arbeiten wirken sehr poetisch. Welche Kulturformen bereichern euer Leben?
Wir genießen gutes Essen, beim Kochen sowie beim gemeinsamen Essen. Wir versuchen gesund zu leben, physisch und geistig, Bewegung, Meditation. Das gibt uns Klarheit und bringt gute Einflüsse in unserer Arbeit.

Welche Bedeutung hat Island für euch und eure Arbeit?
Brynjar ist Isländer. Geologie und natürliche Dinge wie das Wetter, Landformationen und Farben inspirieren uns. Und da kommt Island ins Spiel. Geologie ist hier sehr präsent, es gibt ja keine Bäume, man kann sehr genau erkennen, wie die Dinge so geworden sind, wie sie sind. Das finden wir spannend.

Wo seid ihr gerade und was beschäftigt euch?
Wir befinden uns in einem kleinen Fischerdorf in den Westfjords von Island namens Flateyri und machen gerade einen Workshop mit vier Flötisten, die neue Instrumente benutzen, die wir entworfen haben.

Wo fühlt ihr euch zuhause? Intellektuell und physisch?
Wir fühlen uns in Berlin zuhause. Da wir viel reisen, versuchen wir Routine zu finden, die auch woanders ein Zuhause-Gefühl entstehen lässt, ein Gefühl von Sicherheit, Privatheit. Wir hoffen, das hilft.

Vielen Dank für das Gespräch!


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