Yvonne Dallmer

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Text: Julia Bluth

Partner: Dallmer

In der vierten Generation: Yvonne Dallmer steht für die Kontinuität beim sauerländischen Sanitärunternehmen Dallmer. Die Betriebswirtin stieg 2008 als Teilhaberin in das Familienunternehmen ein und führt seitdem gemeinsam mit Vater Johannes und Harry Bauermeister die Geschäfte. Anlässlich der heute beginnenden Bad- und Sanitärmesse ISH in Frankfurt ein Gespräch über architektonischen Anspruch, Praxisnähe und „Made in Sauerland“.

Johannes Dallmer hat das Thema Design zu einem Schwerpunkt werden lassen. Welche Veränderungen bringen Sie, Frau Dallmer, als neue Generation ins Familienunternehmen?

Dallmer ist eine Marke mit soliden, authentischen Werten – dazu zählt nach wie vor unser Design, aber zum Beispiel auch ein hoher architektonischer Anspruch. Für mich geht es in erster Linie darum, diesen nun auch nach außen zu vermitteln und unseren Markenauftritt insgesamt zu schärfen. Deshalb arbeiten wir daran, unser Marketing zu optimieren und für unsere alten sowie für neue Zielgruppen weiterzuentwickeln. So haben wir beispielsweise unsere Innovation CeraWall mit unterschiedlichen Prospekten für Installateure, Architekten und Endverbraucher beworben. Die einen wünschen unbedingt technische Details, andere wollen eher inspiriert werden vom eingebauten Produkt, vom look and feel eines neuen Bades. Diese Differenzierung des Blickwinkels, der Ansprache und der eingesetzten Medien liegt jetzt mehr im Fokus als früher. Nichtsdestotrotz bleiben wir unserer bisherigen Linie natürlich treu: Ausgezeichnetes Design und hervorragende Fertigungs- und Produktqualität werden weiterhin Markenzeichen von Dallmer bleiben.

Dallmer hat für seine innovativen Produkte zahlreiche Designpreise gewonnen – wie schaffen Sie es, dem Trend immer ein Stück voraus zu sein?
Wir legen großen Wert auf einen regen Austausch mit Architekten und Fachplanern, Sanitär-, Fliesen- und Ausbaugewerken. So sind wir immer nah an der Praxis und wissen genau um die Herausforderungen und Bedürfnisse der Branche. Das verschafft uns einen wichtigen Input, da wir auf neue Entwicklungen frühzeitig reagieren oder diese sogar vorwegnehmen können. Natürlich hat man nie eine Garantie, dass eine Innovation letztendlich auch tatsächlich Erfolg hat – aber wir sind mit unserer Mischung aus sorgfältiger Recherche und einer gesunden Portion Risikobereitschaft bisher gut gefahren. Mit Produktlösungen wie der CeraDrain-Technologie oder den ersten Design-Rosten für Bodenabläufe konnten wir uns als Innovationsführer der Branche positionieren.

Gibt es einen bekannten Designer, mit dem sie gerne einmal zusammenarbeiten würden?
Bisher haben wir bewusst die Linie verfolgt, unser Design inhouse zu entwickeln. Das ermöglicht zum einen eine enge Abstimmung zwischen unseren Ingenieuren, Technikern und der Geschäftsleitung, zum anderen sichert es auch die Kontinuität in der Formensprache von Dallmer. Der Erfolg bestätigt uns darin, dass diese Beständigkeit auch von außen positiv wahrgenommen wird. Für die Zukunft möchten wir nicht ausschließen, auch mit einem oder mehreren externen Designern zusammenzuarbeiten. Momentan gibt es hier aber keine konkreten Pläne.

Dallmer-Referenz Hotel Seegarten am Sorpesee im Sauerland
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In diesem Jahr wurden Sie erneut zum Architect’s Darling gewählt. Wie suchen Sie den Dialog mit den Architekten?
Die Auszeichnung freut uns sehr, denn sie zeigt uns, dass Dallmer sich in der Branche bewährt hat und hier einen sehr guten Ruf genießt. Es zeigt aber auch, dass wir effektive Wege gefunden haben, mit Architekten und Planern in Kontakt zu treten – schließlich hilft das beste Produktportfolio nichts, wenn es an der Kommunikation hakt. Eine wichtige Rolle spielen hier unsere Architektenberater, die sehr aktiv in der Branche sind und enge Kontakte pflegen. Darüber hinaus veranstalten wir regelmäßig spezielle Events und bieten so eine gute Plattform für den Austausch. Wir verstehen uns als Partner der Architekten. Nicht zuletzt ist uns deshalb auch daran gelegen, sie gut und umfassend zu informieren – und zu inspirieren! Dafür haben wir erst kürzlich eine neue Broschüre entwickelt, in der wir Referenzprojekte aus der ganzen Welt vorstellen, in denen Entwässerungssysteme von Dallmer eingebaut sind.

Von der Nasszelle zur Wellnessoase – wie wird das Badezimmer der Zukunft aussehen?
Das Bad wird mehr und mehr zum Wohlfühlort, an den wir uns zurückziehen und wo wir uns erholen möchten. Dazu muss natürlich auch das Ambiente stimmen. Design wird deshalb weiterhin eine große Rolle spielen. Zugleich aber wünschen Kunden sich heute Mehrwerte. Diese werden sich zum einen auf der technologischen Ebene abspielen – Stichwort Digitalisierung –, zum anderen aber auch auf funktionaler Ebene: Badausstattungen müssen ästhetisch sein, vor allem aber auch in vieler Hinsicht zweckmäßig – und zwar langfristig und für unterschiedliche Benutzer und alle Generationen. Im Hinblick auf die demografische Entwicklung bedeutet das für uns, dass Mehrwerte wie Komfort, Barrierefreiheit und Reinigungsfreundlichkeit an Bedeutung gewinnen. Bodengleiche Duschen werden sich weiter durchsetzen, weil sie all das bieten. Und wir liefern die entsprechende Entwässerungstechnik: optisch ansprechend und alltagspraktisch zugleich.

Was  macht den Erfolg des Unternehmens aus?
Von der Produktseite her gesehen ist es die Verbindung aus hervorragender Funktion, hoher Materialqualität und anspruchsvoller Gestaltung. Viele unserer Ablauflösungen, wie zum Beispiel CeraLine, CeraNiveau, Zentrix und jüngst CeraWall, sind mehrfach ausgezeichnet worden, weil sie eben nicht nur funktional sind, sondern mit ihrem Design einen besonderen Akzent in der Badgestaltung setzen. Aus unternehmerischer Sicht ist es die Nähe zur Praxis, die einen wichtigen Faktor unseres Erfolgs ausmacht. Als mittelständischer Betrieb sind wir organisch gewachsen und stehen seit jeher in engem Austausch mit Installateuren und Badplanern. Dadurch haben wir eine sehr gute Kenntnis des Markts und können passgenaue Problemlösungen für gängige Einbausituationen bieten. Nicht zuletzt pflegen wir eine Unternehmenskultur, auf die wir stolz sein können. Von unseren 180 Mitarbeitern sind über 100 schon länger als 10 Jahre bei Dallmer! Das zeugt von gegenseitigem Vertrauen und zeigt uns, dass eine hohe Identifikation vorhanden ist – und wir sind überzeugt, dass gerade das ein Geheimnis unseres langfristigen Erfolgs ist. Wir behaupten uns nun immerhin schon seit 100 Jahren am Markt.

Wie unterscheiden Sie kurzlebige Moden von langfristigen Trends?
Schwer zu sagen. Bei Dallmer konzentrieren wir uns auf Qualität, denn Qualität ist, wie man sagt, meist recht zeitlos. Das gilt auch für die Sanitärtechnik und die Ausstattung des Badezimmers. Die oft puristische und geradlinige Gestaltung unserer Produkte spiegelt auch die eher langfristige Orientierung unseres Unternehmens. Moden sind für uns sekundär, allenfalls bei den Oberflächen bieten wir auch mal Produktvariationen, die der Markt gerade erwartet.

Wie wichtig ist die regionale Verwurzelung?
Sehr wichtig. Wir pflegen eine langjährige Zusammenarbeit mit ortsansässigen Dienstleistern und Zulieferern – vom Messebauer bis zur Druckerei – und sind auch in mehreren regionalen Gremien vertreten. Dallmer steht also nicht nur für „Made in Germany“, sondern auch für „Made im Sauerland“.

Vom Handwerksbetrieb zur Architektenmarke – wo sehen Sie die Zukunft von Dallmer?
Wir setzen langfristig weiterhin auf organisches Wachstum und werden die Weiterentwicklung unserer Produkte und Kompetenzen mit Augenmaß vorantreiben. Handwerkliche Präzision und architektonische Gestaltungsqualitäten sollen dabei auch in Zukunft in unserem Haus produktiv zusammenwirken. Unser Anspruch ist es, ein verlässlicher und zugleich innovativer Partner zu bleiben – für Architekten und Planer genauso wie für Installateure und die anderen Gewerke. Deshalb werden wir auch zukünftig auf den engen Dialog setzen, um uns als Qualitätsmarke weiterzuentwickeln.

Vielen Dank für das Gespräch.


Dallmer auf der ISH 2015: Halle 4.0, Stand C 54

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