Boisbuchet 2009: Insights

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Text: Hannah Bauhoff und Tanja Pabelick
Foto: Urs Müller


Es wird hell, die Schafe blöken, in Boisbuchet das Zeichen aufzustehen – zumindest, wenn wir frühstücken wollen. Alle Mahlzeiten gibt es zu einer festen Uhrzeit, und wer am Tag nicht verhungern will, der sollte sich an die Essenszeiten halten. Der nächste Ort ist eine gute Stunde Fußmarsch entfernt und eine Anbindung mit öffentlichen Verkehrsmitteln gibt es nicht. Doch das macht nichts, denn wenn sich in den Sommermonaten das Who's who der zeitgenössischen Designszene trifft, ist für alles gesorgt: Egal, ob Schokolade oder Schraube, Papier oder Pflaster, das 15-köpfige Team kümmert sich rührend um die Wünsche eines jeden Teilnehmers und Workshopsleiters. Zum Frühstück, Mittagessen, Abendessen sowie zur Kaffeepause kommen alle an den langen Tischen auf dem großen Kiesplatz vor dem Hauptgebäude zusammen. Denn in der so genannten Dependence liegen nicht nur Internetcafé, Büro und Schlafräume. Auch die Küche mit der riesigen Speisekammer ist hier untergebracht.

Der dunkle Gong ertönt, es ist angerichtet. Der Koch und seine drei „Küchenhilfen“ haben schon wieder ein einfaches, aber köstliches Mahl gezaubert. Morgens stehen auf dem langen Betontisch neben Tellern, Gläsern, Schalen Marmeladentiegel, Müsli und Milch, ein Wasserkocher sowie eine riesige Kanne Kaffee. Dazu gibt es „très français“ Baguette stangenweise.

Mittags und abends türmen sich in braunen Tonschalen Tomaten- und Gurkensalate, vegetarische Eintöpfe, Nudeln, Reis, Fisch oder Fleisch. Egal, ob Zucchini oder Aubergine – alles wächst direkt vor dem Shigeru-Ban-Pavillon im eigenen Gemüsegarten und wird täglich frisch geerntet. Dazu Wein, Wasser, Saft, als Dessert Kaffee und Tee, serviert mit selbstgebackenen Süßspeisen – das Leben auf Boisbuchet ist köstlich. Kein Wunder, dass alle lange sitzen bleiben, um sich ausgiebig mit Tischnachbarn auszutauschen. Dabei geht es nicht nur um Design und Architektur, sondern die um die verschiedenen Kulturen und Alltagserfahrungen. Beispielsweise begeistern die Koreaner fast die gesamte Teilnehmerschaft: An den Holztischen sitzen 23 Spanier, Kroaten, Deutsche und Koreaner wie die Hühner auf der Stange und spielen ein asiatisches Abzählspiel mit Richtungswechsel. Wer bei „Sieben“ die Hand nicht hebt und „Seven up“ ruft, muss erst trinken und dann in die allgemeine Gesang-Performance mit Armchoreographie einsteigen. Der Spaß ist groß – auch für Zuschauer.

Wird gerade einmal nicht gegessen, wird gebastelt was das Zeug hält. Und wer schon lahme Arme vom vielen Sägen und Karton Schneiden hat, hält ein Nickerchen auf der Wiese, stöbert in dem Regal voller Designbücher oder springt zur Erfrischung in den neun Meter tiefen See. Darin baden am Wochenende seit diesem Jahr auch Touristen. Denn seitdem die Mühle direkt am Fluss von ukrainischen Studenten restauriert und zum Café umgewandelt wurde, können alle Design- und Architekturinteressierten die Ergebnisse der Workshops bewundern. Und genau das machen wir auch.


Unsere Redakteurinnen Hannah Bauhoff und Tanja Pabelick sind für eine Workshop-Woche vor Ort und berichten täglich von den Workshops mit Maarten Baas, Shin Azumi und Richard Mc Guire:

Boisbuchet 2009: Snapshots – Tag 1
Boisbuchet 2009: Snapshots – Tag 2
Boisbuchet 2009: Snapshots – Tag 3
Boisbuchet 2009: Snapshots – Tag 4
Boisbuchet 2009: Preview
Boisbuchet 2009: Review

Weitere Informationen zu den Workshops gibt es auf der Webseite von Vitra und der Domaine de Boisbuchet. Tagesaktuelle Bilder und Eindrücke sind seit diesem Jahr außerdem auf dem Blog von Boisbuchet zu finden.
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