Boisbuchet 2009: Snapshots – Tag 4

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Text: Hannah Bauhoff und Tanja Pabelick
Foto: Deidi von Schaewen


Am Donnerstagmorgen zur üblichen Frühstückszeit um halb acht herrscht vor dem Hauptgebäude der Domaine Boisbuchet gähnende Leere: kein Essen, kein Kaffee, keine Menschenseele. Die bis zum Dienstag noch steil nach oben verlaufende Kurve der Anwesenheitstatistik des von den Mitarbeitern gegründeten Vereins für „Running Excellence“ weist verdächtig gen Nullpunkt. Alle, die sich sonst allmorgendlich zum gemeinsamen Jogging einfinden, liegen noch in den Betten. Schuld daran ist die Party des Vorabends. Das Motto „Back to the Future“ hat die Küche die gesamte Aluminiumfolie gekostet – und dafür gesorgt hat, dass sich das Frühstück um eine Stunde nach hinten verschiebt.

Tatsächlich quälen sich die meisten erst aus den Federn, als der Duft von frischem Baguette durch die Räume zieht. Viele tragen trotz eines bedeckten Himmels ihre Sonnenbrillen und sind ungewöhnlich wortkarg. Selbst die Koreanerinnen sind heute still. Doch dank Koffein und viel Orangensaft mit Vitamin-C kehrt die Arbeitsdynamik zurück.

Gegen Abend wird es fast hektisch. Am morgigen Freitag finden die Abschlusspräsentationen statt und bis dahin soll alles fertig sein. Viele Objekte lassen ihre Bestimmung schon erahnen, anderes befindet sich noch in einem kryptischen Zwischenstadium. An uns rollt ein Auto mit Anhänger vorbei. Darauf ein Ponton mit aufgeschnalltem Fahrrad, der am See gestest werden soll. Gleich nebenan am Ufer werden gerade große, wassergefüllte Plastiksäcke in der aufgegrabenen Erde versenkt und unter dem vorsichtig abgetragenen Rollrasen verborgen. Doch noch ist das Projekt geheim. Das Designerduo aus dem Kurs von Shin Azumi verrät nur, dass es sich um eine räumliche Intervention handelt.

Auch bei Maarten Baas verlagert sich die Projektarbeit in die weitläufige Natur und manifestiert sich in farbenfrohen Installationen. Zwischen Bäumen werden ganze Räume aus Stoff, Klebeband und Wellpappe aufgespannt, denn Maarten fordert als letzte Aufgabe kein Objekt, sondern eine atmosphärische Inszenierung im Raum.

Einzig die Gruppe von Richard McGuire hantiert mit kleindimensionierten Objekten. Alle suchen fieberhaft nach neuen Spielmitteln, die mit Überraschungsmoment, aber vor allem einem Soundeffekt begeistern sollen. Krachmachende Geräusche sind für den Entwurf verboten. Deswegen unterstützen vier Koreanerinnen stimmkräftig ihren italienischen Kollegen, der für die Intonierung seiner Idee die Karaoketalente geschickt nutzt. Und so hallt bis spät in die Nacht ein lautstarkes „mjamm miam“ über das Gelände. Für uns das Zeichen zu flüchten. Und zwar ins Bett.


Unsere Redakteurinnen Hannah Bauhoff und Tanja Pabelick sind für eine Workshop-Woche vor Ort und berichten itäglich von den Workshops mit Maarten Baas, Shin Azumi und Richard Mc Guire:

Boisbuchet 2009: Snapshots – Tag 1
Boisbuchet 2009: Snapshots – Tag 2
Boisbuchet 2009: Snapshots – Tag 3
Boisbuchet 2009: Snapshots - Tag 5
Boisbuchet 2009: Preview
Boisbuchet 2009: Insights
Boisbuchet 2009: Review

Mehr Informationen zu den Workshops gibt es auf der Webseite von Vitra und der Domaine de Boisbuchet.
Tagesaktuelle Bilder und Eindrücke gibt es seit diesem Jahr auch auf dem Blog von Boisbuchet.


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