Boisbuchet 2009: Snapshots – Tag 5

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Text: Hannah Bauhoff und Tanja Pabelick
Foto: Deidi von Schaewen

Freitag – der letzte Workshoptag. Wieder herrscht beim Frühstück gähnende Leere, doch diesmal liegen die Teilnehmer nicht mehr in den Federn. Sie sind bereits auf dem ganzen Gelände verteilt und arbeiten an ihren Entwürfen. Aus dem Werkstattgebäude sind Klopf- und Sägegeräusche zu hören, unterbrochen nur von Schmerzenschreien. Anscheinend hauen sich die fleißigen Gestalter im Eifer des Gefechts immer wieder ordentlich auf den Daumen. Endspurt ist angesagt, denn ab 16 Uhr finden die Präsentationen aller Workshopergebnisse statt. Und vorher muss noch aufgeräumt werden. Daher gilt: Um 14 Uhr müssen die Ideen realisiert sein.

Diese klare Deadline hat Auswirkungen auf den Lärmpegel rund um das Hauptgebäude: Alle hämmern, sägen und bohren, selbst die beiden bisher gelassenen Werkstattleiter hat das Workshopfieber erfasst. Sie helfen an allen Ecken und Kanten und flitzen zwischen See und Werkstatt ständig hin und her. Aus der Dependance ertönt ununterbrochen ein lautes, rhythmisches „Jam-Jam-Jam“. Der Italiener hat den Gesang seiner koreanischen Kollegen zu einem endlosen Song geschnitten. Nur der Gong ist lauter. Endlich Ruhe, endlich Mittagessen.

Als der Gong zum zweiten Mal geschlagen wird, heißt es aufräumen. In Windeseile stapeln sich Dosen, Papier, Pappe und etliche Meter Klebeband auf dem Müllwagen und in den -tonnen. Der Rasen sieht aus wie frisch geharkt, kein Papierschnipsel liegt mehr herum.

Kaum ist das Schlachtfeld beseitigt, beginnen die Präsentationen. Maarten Baas erläutert kurz sein didaktisches Konzept der Woche – nicht nachdenken, einfach machen – und los geht’s. Stühle, Stühle, Stühle. Sitzgelegenheiten so weit das Auge reicht. Mal auf der Wiese, mal unterm Baum, mal im Haus. Der Nachbau des „Rocking Chair“ allerdings findet sich in einer Klanginstallation wieder. Metallplatten, Kellen und Fässer mutieren zwischen den dünnen Fichtenstäben, die die Raumkanten markieren, zu Musikinstrumenten. Der New Yorker Designer Richard McGuire und Maarten Baas schlagen munter darauf ein. Die Gruppe johlt und klatscht beeindruckt mit.

Nach einer Kaffeepause geht es weiter den Weg hoch bis zum See, wo neben Wasserrädern und einer Art „Blinde Kuh“-Spiel eine neuartige Reifenwasserrutsche eingeweiht wird. Shin Azumi lässt es sich nicht nehmen, das Spaßobjekt, entworfen von Studenten seiner Gruppe, zu testen. Wir sind begeistert.
Besonders beeindruckt sind wir von der letzten Idee. Auf einem Stück Wiese steht ein Tablett mit einer Flasche Champagner und zwei Gläsern. Doch wer sich diesem köstlichem Getränk nähert, geht unweigerlich in die Knie. Denn unter der Grasmatte liegen große, mit Wasser gefüllte Säcke. Der Effekt erinnert an ein Wasserbett: Beim Betreten dieser Grasfläche beginnt der Boden zu wanken.

Ein letztes Bad im See, ein letztes gemeinsames Abendessen, ein letztes Mal zum Lagerfeuer – gute Stimmung will einfach nicht aufkommen – bonjour tristesse. Soll das der letzte Abend gewesen sein?

Aus dem Werkstattgebäude ertönt lautes Trommeln und rhythmisches Klatschen. Rund um die Raum-Klang-Installation scharren sich alle, die gerade in Boisbuchet weilen: die Workshopteilnehmer und das gesamte Team. Knapp 60 Menschen tanzen, klatschen oder schlagen mit Metallstäben, Stangen oder Holzstücken gegen Fässer, Dosen oder Rohre. Dong-Dong-Dong – mal schneller, mal langsamer, aber immer laut – wie von Geistern angetrieben hüpfen alle durch die Werkstatt, lachen, schwitzen. Und plötzlich mit einem Schlag, als wäre es abgesprochen, ist die Performance vorbei. Es ist halb drei Uhr morgens und die meisten zieht es nun ins Bett, nur einige Hartgesottene feiern im ehemaligen Schweinestall weiter. Wir machen uns das letzte Mal auf den Weg zum Bambushaus und bewundern den sternenklaren Himmel.

Boisbuchet 2009: Snapshots – Tag 1
Boisbuchet 2009: Snapshots – Tag 2
Boisbuchet 2009: Snapshots - Tag 3
Boisbuchet 2009: Snapshots - Tag 4
Boisbuchet 2009: Preview
Boisbuchet 2009: Insights
Boisbuchet 2009: Review

Mehr Informationen zu den Workshops gibt es auf der Webseite von Vitra und der Domaine de Boisbuchet.
Tagesaktuelle Bilder und Eindrücke gibt es seit diesem Jahr auch auf dem Blog von Boisbuchet.



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