DMY 2009: Same same – but better?

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Text: Nadine Claudius

Die Geschichte lautet in etwa so: Es waren einmal 20 Freunde. Die zeigten 2003 gemeinsam ihre Arbeiten, feierten die Nächte durch und tauschten ihre Gedanken mit Gleichgesinnten aus. Das machten sie daraufhin alle Jahre wieder und entwickelten so ein Ausstellungsformat, welches zunehmend international wahrgenommen wird. Nun, im magisch-verflixten siebten Jahr, ist das einst als kleiner Satellit des „Designmai" gestartete Design-Festival „DMY“ längst seinen Kinderschuhen entwachsen. Unter dem Motto „Same same – but different“, also: „wie gewohnt – aber anders“ präsentierte sich der diesjährige DMY vom 2. bis 7. Juni in Berlin. Entgegen der allgemeinen Krisenstimmung bewiesen die Initiatoren Mut zur Größe und expandierten mit zusätzlichen Programm-Modulen.

Damit nutzten die Organisatoren des DMY die Lücke, die sich vor zwei Jahren durch das Aus des großen Schwesterprojekts Designmai aufgetan hatte. Dieses Jahr kehrte der Designmai zwar zurück –  allerdings als Marke des „DMY International Design Festival Berlin“. Bereits im Mai gab es unter dem Logo Designmai einen Kongress in der Temporären Kunsthalle Berlin.  Künftig ist eine eigene jährliche Ausstellung geplant.
Stand das Kürzel DMY noch bis vor zwei Jahren für „Designmai Youngsters“, heißt es nun „daily, monthly, yearly“ – also: „täglich, monatlich, jährlich“. Langfristig soll mit der Marke DMY ein internationales Netzwerk und eine stete Anlaufstelle etabliert werden sowie mehrmals pro Jahr auf den internationalen Design-Messen Präsenz gezeigt werden.

Wer, wie, wo, was?

Fünf Tage lang luden die DMY-Initiatoren in diesem Jahr Designer, Fachpublikum und Interessierte verschiedener Nationen zu Ausstellungen, Präsentationen, Diskussionsrunden, Workshops, Performances und Parties an die Spree. Gut beraten waren diejenigen, die neben bequemem Schuhwerk und guter Orientierung ausreichend Zeit im Gepäck hatten: In den zwei Groß-Ausstellungen „DMY Youngsters“ und „DMY Allstars“ sowie in den in der Stadt verteilten Satelliten-Shows und Open Studios wurden Prototypen und experimentelle Editionen des ambitionierten Design-Nachwuchses sowie Arbeiten bereits international etablierter Designer vorgestellt. Neu dabei war das „ÏMA Village“, das zum ersten Mal als zentraler Ausstellungsort für die DMY Allstars fungierte.
Sonderprogramme wie ein Symposium wurden ausgebaut und der „DMY Award“ für das beste Nachwuchsdesign ausgelobt. Zusätzliches Bonbon: Ein „Shop(ing)-Day“, an dem  Berliner Designshops besondere Angebote für konsumfreudige Kundschaft bereitstellten. Der Internationalität zuliebe gab es einen Schwerpunkt holländischen Designs, unterstützt von der Niederländischen Botschaft, der Mondriaan Stiftung und Dutch Design Fashion Architecture.

Wo soll’s hingehen?

Bei aller Euphorie über zusätzliche Programm-Module, wachsende Internationalität, alternative Designstrategien und Aspekte der Nachhaltigkeit nebst neuer Ausstellungsfläche:  Wo genau positioniert sich der DMY eigentlich – insbesondere für den Nachwuchs?
Die Nachwuchs-Sektion Youngster fand sich wie bereits in den Vorjahren in der „Arena-Halle“ in Treptow und bildet das ursprüngliche Herzstück des Festivals. In einer bunten Mixtur aus Messe, Verkaufsshow und Diplom-Abschlusspräsentation zeigten 325 Nachwuchsdesigner aus aller Herren Länder auf rund 7.000 Quadratmetern ihre qualitativ doch recht unterschiedlichen Arbeiten und gaben Einblicke in die aktuellen Trends der jungen Designszene. Neben so manch fragwürdigem Exponat wie Päckchen mit bereits vorgekauten Kaugummis oder „besockten“ Stuhlbeinen, gab es durchaus ernstzunehmende Arbeiten: beispielsweise eine extrem reduzierte, auf Piktogrammen basierende  Möbelkollektion, ein interaktives Kleid, das Bewegungen  in Licht umwandelt – und somit  den Körper der Trägerin mit seiner Umwelt eins werden lässt –  sowie aus 100 Prozent Recycling-Pressplatten hergestelltes und somit umweltfreundliches Kinderspielzeug. Charmant auch die aus Süd-Korea stammenden Lampenschirme der Designer „Zimmer14“, die aussahen, als seien sie aus getrocknetem Eiweißschaum gemacht, der sich aber als Wolle entpuppte.

Anders als in Mailand, wo der Salone del Mobile mit den Herstellern und der Salone Satellite mit dem Nachwuchs quasi vis-à-vis auf dem Messegelände untergebracht sind und entsprechend leicht Kontakte geknüpft werden können, herrschte diesbezüglich in der Arena eher ernüchternde Leere. Zwar genossen Aussteller und Designinteressierte die entspannte Festivalatmosphäre; wer sich allerdings ernsthafte Kontakte zur Industrie versprochen hatte, der war zur falschen Zeit am falschen Ort. Insbesondere für diejenigen, die nur mit Prototypen angereist waren, hieß es wohl eher: stehen und gesehen werden – und das bestenfalls von der Presse, neugierigen Kollegen oder der überschaubaren Anzahl an Besuchern.
Besser erging es denjenigen, die der Minderheit der „Eigenvermarkter“ angehörten. Eva Maguerre beispielsweise: Ihr gelang es, bereits während des Studiums einen Hersteller für ihre „Nido“ genannte Hocker-und Tischserie zu gewinnen. Sie versprach sich vom DMY, sich neue Vertriebsmöglichkeiten zu erschließen und zeigte sich diesbezüglich auch zufrieden.

Möbel mit Solarkraft

Auffällig war, dass zahlreiche elegante Möbel bei den Youngsters zu sehen waren, wie die Leuchte „Coen“ der Berliner Designer „böttcher+henssler“. Auch sie hat bereits den Produktionsstatus erreicht und wartet jetzt auf eine entsprechende Vermarktung. Mit am innovativsten – zudem einer der verdienten Gewinner des diesjährigen DMY Award –  war  die Installation der österreichischen Designgruppe „mischer´traxler“, die einen solarbetriebenen Produktionsprozess vorstellte.

Ein kreatives Dorf mit Loftcharakter

Für die DMY Allstars gab es erstmals eine seperate Ausstellungsfläche im ÏMA Design Village in Kreuzberg.  Zu sehen waren dort 150 freie Arbeiten etablierter Designer, kuratierte Ausstellungen internationaler Designmessen, Partnerfestivals oder Plattformen wie das „Taiwan Design Center“ und die „Vienna Design Week“. Die Exponate reichten von Interior- und Produktdesign über architektonische Konstruktionen bis hin zu experimentellen, genreübergreifenden und konzeptionellen Ansätzen. Mal mehr, mal weniger praktisch, aber zumeist schön anzusehen. Bei der von Li Edelkoort kuratierten Ausstellung der niederländischen Initiative „Designhuis“ blitzte und glitzerte es. Vasen, Lampen und Kitschobjekte zeigten das ganze Spektrum des Materials Glas.

Traditioneller ging es bei dem aus Montreal stammenden Designer-Quartett „Samare“ zu, deren Sitzobjekte vom kulturellen Erbe Kanadas inspiriert waren. Weiterer Gast des „Village“ war die Bauhaus-Universität Weimar, deren Absolventen ihre Arbeiten unter dem Titel „My Bauhaus is better than yours“ professionell präsentierten. Mit im Gepäck die wunderbar schlichte Porzellandeckenleuchte „14%“ von Laura Straßer.

Der Vorhang fällt

Schönheit und Nutzen der ausgestellten Arbeiten lagen zweifelsfrei im Auge des Betrachters – manches konnte überzeugen, es fanden sich viele wegweisende Ansätze,  die durchaus ein ernstzunehmendes Quentchen Weltverbesserungspotential bewiesen – ganz ohne Ironie. Andere Projekte wirkten dagegen kindlich und unausgereift, teilweise auch wie ein Déjà-vu bekannter Ideen oder ein Ausprobieren bereits dagewesener Ansätze.

Hört man sich in den Reihen der Nachwuchs-Designer um, kann man erfahren, dass insbesondere die Aussteller ohne Arbeiten in Produktion nächstes Jahr nicht mehr mit dabei sein wollen. Es erscheint geboten, dem DMY künftig ein schärferes Profil zu geben und eine klarer umrissene Zielgruppe zu bestimmen. Mit vermeintlich wachsender Internationalität, einer unterhaltsamen Mischung aus jungem und etablierten Design alleine ist nicht vielen geholfen. Was fehlt, sind Synergien und Kontakte zur Industrie. Womit Berlin allerdings punkten kann, ist die Aufmerksamkeit der Presse und der Design-Händler. Vielleicht ließe sich dieses Potential noch ausbauen.
Recht schwer auszumachen war die Grenze zwischen den vermeintlich etablierten Allstars und den ambitionierten Youngsters – fanden sich auf beiden der voneinander separierten Ausstellungs-Modulen Gruppenausstellungen verschiedener Hochschulen, Aussteller mit Prototypen und auch Objekten, die sich bereits in Produktion befinden.
Mit Sicherheit erwies sich ein Auftritt beim diesjährigen DMY jedoch als gut gelaunter Schritt im Werdegang  der meisten Beteiligten. Vielleicht heißt es ja schon im nächsten Jahr: „Same same - but much better".

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