Studio: Stadtnomaden

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Text: Tanja Pabelick

Dem Job hinterher oder der Sonne entgegen: etwa acht Umzüge haben wir im Laufe des Lebens zu bewältigen. Und jeder Wohnortwechsel bringt Veränderungen, sei es einen neuen Freundeskreis, einen neuen Arbeitsplatz oder eine neue Wohnung. Für Beständigkeit sorgt lediglich der vertraute Besitz. Schnell lernt der moderne Nomade sich auf das Nötigste zu beschränken. Und das sind in der Regel nicht mehr als eine Handvoll Objekte. Dinge an die er sich emotional gebunden fühlt oder eben wenige, wirklich wichtige Gebrauchsgegenstände. Der Anspruch an ihre Eigenschaften ist hoch. Praktisch und kompakt müssen sie sein, robust und flexibel außerdem. Produktlösungen für das mobile Zuhause bieten die beiden Stuttgarter Designer Linda Altmann und Oliver Krapf, die ihrem Designstudio gleich den programmatischen Namen „Stadtnomaden“ gegeben haben.
Oliver Krapf weiß, was es heißt, ein Stadtnomade zu sein. Vierzehnmal ist er in 33 Lebensjahren bereits umgezogen. Dass viele Möbel den häufigen Auf- und Abbau nicht unbeschadet überstehen, hat er demzufolge selbst oft genug erlebt. Nach dem dritten Mal schrauben versagen die Gewinde und auf dem Weg durch die Hausflure verlieren gerade sperrige Möbel ab und an eine Ecke. Die Lösung der Stadtnomaden ist so einfach wie genial: Alle von ihnen entworfenen Möbel können ganz ohne Hilfsmittel zusammen gebaut werden – was das Leben ganz nebenbei um den Werkzeugkasten erleichtert – und die Hölzer wurden so gewählt, dass Kratzer ganz unproblematisch wegrestauriert werden können. Die Kollektion umfasst bisher ein Bett, einen Tisch, eine Küche sowie ein kleines Eigenheim für gefiederte Gäste. Und alle vier Produkte sind auf ein minimales Packmaß reduziert.
So wie etwa das Bett mit dem einladenden Titel „Tiefschlaf“. Sechs einzelne Schalen lassen sich über einen Nylongurt und Druckknöpfe miteinander verbinden. Die Raffinesse liegt dabei im Detail, denn die Schlitze des Lattenrostes dienen nicht nur der Belüftung der Matratze und reduzieren das Gewicht, zusammen mit den Stellelementen regulieren sie den Härtegrad jedes einzelnen Moduls. Verschiebt man die Edelstahlfüße nach innen wird das Bett härter, stellt man sie außen fest, gibt es weich nach. Mit einem Transportmaß von 140cm x 34cm x 40cm passen Tiefschlaf und die passende Rollmatratze bequem durch den Hausflur und ins Auto.
Auch die Küche „à la carte“ ist mit ihrer kofferartigen Erscheinung ganz nach Art des Hauses gestaltet. Sie besteht aus drei Modulen, besitzt Spüle und Herd, aber, wie das Bett, keine Schrauben. Generell vermeiden die Stadtnomaden bei ihren Möbeln die Verwendung loser Teile und anderem Kleinkram, der bei Umzügen leicht verloren geht. Stattdessen macht man sich Gedanken über eine praktische Handhabung: Rollen und Eingriffmulden ermöglichen einen sicheren Transport und die durchdachte Konstruktion sorgt für einen sich selbst erklärenden und schnellen Aufbau. Gerade einmal 30 Minuten dauert es bis die Blöcke in eine kochbereite Küchenzeile verwandelt sind.
Mit ihren flexiblen Möbeln haben die Designer ganz offensichtlich den Zeitgeist getroffen. Die Resonanz auf die erste Präsentation bei der Blickfang Köln war so positiv, dass die Stadtnomaden das Bett Tiefschlaf seit kurzem in der eigenen Werkstatt in Serie produzieren. Wer aber noch Zweifel hat, ob die außergewöhnlichen Möbel zum eigenen Lebensentwurf passen, kann es derweil schon einmal mit dem Einsteigerprodukt der Stadtnomaden versuchen. Das Vogelhaus Piepschau besteht aus zwei Formholzteilen, die zu einer Residenz für die tierischen Weltenbummler zusammen gesteckt werden.
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