YDMI Days 2009

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Text: Claudia Simone Hoff


Noch vor dem Dessert war es soweit: Andrej Kupetz vom Rat für Formgebung verkündete ihn, den Sieger der YDMI Days 2009. And the winner is: Markus Maurer. Zum dritten Mal fanden die YDMI Days – ein Kürzel für „Young Designers meet the Industry“ – statt, zum ersten Mal in Frankfurt. Und in der Mainmetropole kam es dann auch zu einer Premiere der ganz anderen Art: Gleich zwei Designer wurden von der Jury auf den ersten Platz gewählt. Und da das nicht sein darf, musste der Sieger in einer Stichwahl gefunden werden. Und nun hatte man die Qual der Wahl: Uli Budde oder Markus Maurer. Letzterer machte das Rennen und bekam den überproportional großen Scheck von Designer Stefan Diez überreicht. Obwohl noch etwas unsicher wirkend bei seiner Präsentation, bestach Maurers Entwurf einer zweiteiligen LED-Leuchte namens „Riga“ umso mehr. Das Besondere daran: Diese ist trotz nur einer Aufhängung und zwei länglichen Leuchtkörpern nicht aus der Balance zu bringen.

Augen zu und durch!

Vor der Verkündigung des Urteils hatte Maurer, der gerade erst sein Studium in Darmstadt beendet hat, noch kurz vor Aufregung die Augen geschlossen – kein Wunder, sind die ausgelobten 8.000 Euro Preisgeld doch beileibe kein Pappenstil für einen Jungdesigner. Und außerdem hatte er da schon zwei aufregende Tage hinter sich. Denn das festliche Dinner, das im Metzler-Saal des altehrwürdigen Städel Museum stattfand, war nur der krönende Abschluss der YDMI Days. Zuvor konnten sich die 23 teilnehmenden Jungdesigner bei Workshops mit namhaften Referenten aus der Praxis kundig machen. Helge Aszmoneit vom Rat für Formgebung – der die YDMI Days veranstaltet und das Preisgeld auslobt – informierte über Wettbewerbe für junge Designer, Gerrit Terstiege von der Zeitschrift „form“ machte deutlich, was zu einer guten Pressearbeit gehört, Mirko van den Winkel von Quinze & Milan erzählte von der Arbeit eines international tätigen Designbüros und Freddy Justen von der Neusser D’Art-Design-Gruppe übte ein, wie man sich als Designer ansprechend vor Publikum präsentiert.

Ausgestellt

Besonders von Freddy Justen zeigten sich die Teilnehmer begeistert und gleich am Nachmittag auf der zeitgleich stattfindenden Konsumgütermesse „Tendence“ konnte in Halle 5.0 im Rahmen des Vortragsforums „Carat on Stage“ das Gelernte in die Praxis umgesetzt werden – anhand von Kurzvorträgen über die eigenen Arbeiten. Die waren dann auch ausgestellt und zwar in Halle 6.1 – inmitten von Ständen so renommierter Hersteller wie Alessi, Stelton oder Menu. Und das ist ja schließlich auch der Sinn der Veranstaltung: Kontakte knüpfen, Neudeutsch Networking. Jeder der teilnehmenden Designer, der nicht länger als fünf Jahre in den Bereichen Produkt-, Industrie- oder Kommunikationsdesign tätig ist, durfte auf dem leider etwas lieblos gestalteten Messestand des YDMI genau ein Referenzprojekt vorstellen: Und so gab es dort die Porzellan-Leuchte „14%“ von Laura Straßer, den Stuhl „Garden Furniture“ von Kilian Schindler, eine Lampe von maigrau, den Schalenturm „Babel 2.0“ von Steffen Schellenberger, die „GlühLeuchten“ von Silvia Knüppel oder die Glassschatulle „Plic“ von Patrick Rampelotto zu bestaunen.

Show more ambition oder die Frauenfrage

Noch einmal präsentieren konnten sich die sechs Designer, die von der Jury aus Industrie, Design und Presse auf die ersten sechs Plätze gewählt wurden, dann beim festlichen Dinner mit kunterbunten Blumensträußen, Arne-Jacobsen-Stühlen und Kerzenhaltern von Louise Campbell: Elisa Strozyk, Laura Straßer, Markus Maurer, Pixelgarten mit Catrin Altenbrandt und Adrian Nießler, Postfossil mit dem Schweizer Florian Hauswirth und Uli Budde, der bereits zwei Produkte bei Royal VKB in Produktion hat. Die zugegebenermaßen etwas fragwürdige Ermahnung von Hella Jongerius an die teilnehmenden Frauen beim YDMI-Dinner vom letzten Jahr, die da schlicht lautete „Show more ambition! Show your balls“, hatte anscheinend gefruchtet. Denn in die Runde der letzten sechs Kandidaten schafften es immerhin drei Frauen. Dass am Ende dann doch wieder ein Mann gewann – woran das wohl gelegen hat? Auch in der hitzig geführten Diskussion auf der Terrasse des Städel Museum – der Prosecco floss bei tropischen Temperaturen und ausgelassener Stimmung übrigens in Strömen – fand man hierfür keine Antwort. Vielleicht im nächsten Jahr? Denn darüber zumindest waren sich die Teilnehmer einig: Es hat sich gelohnt.   
 
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