Studio: Uhuru

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Text: Tanja Pabelick


Die wichtigsten Regeln für nachhaltige Produktgestaltung kann man leicht an einer Hand abzählen: Dazu gehört, umweltverträglich produzierte oder recycelte Materialien zu wählen, auf schädliche Lacke zu verzichten, die Komplexität des Entwurfes gering zu halten und möglichst lokal zu arbeiten. Diese Handlungsdirektiven haben sich die Gründer des kleinen Design-Labels Uhuru zu Herzen genommen. Studio und Schreinerei, die beide mitten in New York liegen, bemühen sich um die Verwendung heimischer Materialien und eine Fertigung vor Ort. Und weil die nächste Baumplantage eben nicht gleich nebenan ist, suchten die Gestalter nach neuen Lösungen. Ihre unkonventionelle und gleichzeitig brillante Idee: Sie bedienen sich an den metropolitanen Ressourcen – unter anderem in abbruchreifen Gebäuden und in insolventen Fabriken.


Gegründet wurde Uhuru im Jahre 2004 von Bill Hilgendorf und Jason Horvath mit der Studio-Philosophie, dass für jedes Objekt „das Material mit den geringsten ökologischen Auswirkungen“ gewählt werden soll. Ihr erstes Möbel, das mittlerweile schon fast als eine Design-Ikone unter den Recyclingmöbeln bezeichnet werden könnte, war „Stoolen“: ein Beistelltisch aus vielen verschiedenen Holzabschnitten aus den Schreinereien der Stadt. Die Holzstücke werden von einer Fahrradfelge zusammengehalten und sind auf eine gemeinsame Höhe gekürzt. Die Geschichte hinter dem Möbel und die faszinierende, gleichsam provisorische Ästhetik des kleinteiligen Reststoff-Mosaiks machten den Tisch immerhin so erfolgreich, dass die Gründer mit weiteren Objekten an den ersten Erfolg anknüpfen konnten. Das Aufstöbern von gebrauchten Materialien im direkten Umfeld wurde zur Herausforderung und das alte Objekt zur Inspiration für folgende. Anders als beim Entwerfen am Schreibtisch, wo die Möglichkeiten und Vielfalt moderner Materialien und Fertigungsverfahren voll ausgereizt werden können, sahen die beiden Designer sich mit ganz anderen Fragen konfrontiert: Was könnte man mit einem alten Eichenfass anstellen? Und wie kann man erreichen, dass dem Objekt dann sein erstes Leben zwar noch anzusehen ist, es aber funktional ist, und es sich von einer Ästhetik à la „Auto aus Coladose“ unterscheidet?

Möbel aus Häusern

Aus dem Eichenfass wurde ein Freischwinger (mit einem Gestell aus alten LKW-Federn) und aus einer Gelbkiefer-Bohle, die Hilgendorf und Horvath als Sperrmüll auf der Straße fanden, ein solider Beistelltisch. Doch ausschließlich auf Zufallsfunde zu hoffen und Einzelstücke zu gestalten, war für das junge Designbüro keine Option für die Zukunft. Weswegen sie mit der Recherche nach der Herkunft der alten Holzbohle begannen – und eine spannende Geschichte zutage förderten: Die robuste Gelbkiefer wurde früher in New York für den Hausbau verwendet – und zwar so konsequent, dass sie heute aus den Wäldern nahezu verschwunden ist. So kam es, dass die beiden Designer gewissermaßen ins organisierte Recycling-Business einstiegen – und systematisch alte Wertstoffe aus den Häusern trugen.

Gekippt und zugenäht


In ihrer 2009 auf der New Yorker Design-Woche präsentierten Kollektion fanden sich die aktuellen Material- und Objektfunde aus der nordamerikanischen Metropole: das Holz gefallener Bäume, Metallreste aus der Möbelproduktion und Stuhlrücken aus einer pleite gegangenen Stuhlmanufaktur der Nachbarschaft. Besonders an den Stühlen wird deutlich: Es kommt nicht darauf an, was man hat, sondern darauf, was man daraus macht. Die Stuhllehnen im Stil Louis des XVI. wurden mit einer Sitzfläche und zwei einfachen Beinen aus gebogenem Stahl ergänzt und das Rückenteil statt mit plüschigem Polster mit einem Aluminiumnetz ausgestattet. Und auch beim Tisch ist es die Kombination, die die „Recycling“-Materialien ins rechte Licht rückt: Das dunkle Holzbrett eines alten Baumes wird mit „Kreuzstichen“ aus hellgrünem Metall zusammengehalten, und verwandelt damit das eigentliche Manko – nämlich den auseinanderklaffenden Wuchs – zur Besonderheit.


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