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118

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Designer: Sebastian Herkner, Hersteller: Thonet

Ein Stuhl für viele Zwecke
Die Frage, ob wir wirklich noch einen weiteren neuen Stuhlentwurf brauchen, ist heute eigentlich hinfällig – das Innovationspotenzial scheint gering. Trotzdem verwundert es immer wieder, wo Designer Lücken entdecken, wie sie Inspiration gewinnen für neuartige Ideen, für Verfeinerung, ästhetische und funktionale Optimierung. Der jeweilige Kontext spielt sicherlich eine Rolle. Ein Hersteller wie Thonet etwa, der mit fast 200-jähriger Geschichte aufwartet, liefert genügend Stoff. Und so bezieht sich Shootingstar Sebastian Herkner mit seinem neuen Stuhlprogramm 118 für Thonet auf das vielseitige Erbe des Unternehmens und präsentiert einen wahren Allrounder.

Mit dem aus einem Stück gebogenen Sitzrahmen und der mit Rohrgeflecht bespannten Sitzfläche verweist der Offenbacher Designer ganz klar auf den Urtyp von Thonet, den Kaffeehausstuhl 214. Die Form der Stuhlbeine aber ist völlig anders, eine Besonderheit: Sie nimmt – rückseitig abgerundet und vorne durch leichte Kanten gekennzeichnet – die hufeisenförmige Grundfläche des Sitzes auf. Die Neigung des Rückenbretts ist perfekt auf die Sitzfläche abgestimmt, für höchsten Komfort.

Neben der direkten Thonet-Historie hat sich Herkner bei der Entwicklung des 118 auch mit den Fragen auseinandergesetzt, die zur Bauhaus-Zeit unter anderem in der Frankfurter Ausstellung „Der Stuhl“ im Jahr 1929 im Vordergrund standen: Damals ging es ebenfalls um die Suche nach dem „neuen Stuhl“, nach einer Sitzgelegenheit, die den Lebensgewohnheiten und dem Rhythmus eines „lebendigen Menschen“ entsprechen sollte. Bei der Schau, die „zur Ergänzung auffordern und anregen“ wollte, war auch Thonet mit zahlreichen Entwürfen vertreten. Der im folgenden entwickelte Stuhltyp „Frankfurter Stuhl“ zeichnete sich durch eine solide Konstruktion, bestehend aus vier Beinen ohne Querverstrebungen, einem Sitz und einer Lehne aus, und war seinerzeit bereits in vielseitigen Varianten Teil des Thonet-Portfolios.

Auch der 118 besitzt nun dasselbe Grundgerüst und präsentiert sich als Allrounder, als Sitzgelegenheit für verschiedenste Gebrauchszwecke, wie es die Frankfurter Stuhl-Ausstellung forderte. Ein Anspruch, der in einer Zeit, welche Wohn- und Arbeitswelten zusehends miteinander vereint, aktueller nicht sein könnte. Herkner selbst nennt seinen neuen Entwurf für Thonet in Anlehnung an seine Heimatstadt übrigens gerne den „Offenbacher Stuhl“. ks

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