Afrikas Balkon

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Text: Katharina Horstmann


Der Bewuchs wird immer spärlicher, Palmen ersetzen die silbergrauen Olivenbäume; staubtrockene Ebenen, silberglänzende Salzseen sowie gigantische Sanddünen dehnen sich bis an den Horizont: Je weiter man in den Süden Tunesiens reist, desto mehr wird die Präsenz der Sahara deutlich. In ihrer Nähe, nördlich des Chott-el-Djerid, dem größten Salzsee des Landes, befindet sich Nefta. Die geschichtsträchtige Stadt hat sich durch den Karawanenhandel, die Woll- und Seidenwebereien sowie die Dattelproduktion einen Namen gemacht und ist heute ein Ort voller Kleinode. Ein erst vor kurzem hinzugekommenes ist das Hotel Dar Hi. Entworfen von Matali Crasset passt es sich dank seiner Lehmziegelarchitektur perfekt der Umgebung an und nutzt den lokalen Bestand – von der Agrikultur, die für das Restaurant genutzt wird, bis zum Wasser einer unter dem Anwesen verlaufenden Heißwasserquelle, die Spa und Schwimmbad versorgt.
 
 
Nefta zeichnet sich durch ihre für die Gegend charakteristischen Tonbacksteine aus, die mit Sand vermischt wurden und die Mauern durch ihre Anordnung mit grafischen Reliefmustern verzieren. Enge Gassen, gewölbte Passagen und hohe Mauern bilden hier ein Labyrinth aus Licht und Schatten. Am Ende einer dieser Gassen, hinter einer dieser Mauern befindet sich das von der Pariser Designerin Matali Crasset gestaltete Hotel Dar Hi. Seine Einfriedung folgt der Form des Anwesens und wirkt wie ein Wall, der eine eigene Stadt birgt.
 
Private Festung
 
Auch das Innere hat die Anmutung eines abgesonderten Ortes: Hier stehen eine Reihe einzelner Gebäude; ihre Anordnung wurde jedoch nicht, wie man auf den ersten Blick meinen mag, wahllos arrangiert, vielmehr sind die Häuser nach der Sonne und dem Panorama ausgerichtet. Insgesamt gibt es siebzehn Zimmer, die in vier Kategorien aufteilt wurden und alle auf ganz unterschiedliche Weise mit dem Ort interagieren.
 
Panoramahäuser
 
Nähert man sich dem Dar Hi, fallen zunächst die so genannten Pill Houses ins Auge. Es sind erhöhte Lehmziegelbauten, die auf Stützen stehend die Außenmauer überragen und besondere Panoramen bieten: Einige blicken über die Stadt, andere zum Dattelhain oder zum Chott el-Djerid.
Zu den Zimmern führt eine Treppe hinauf. Auch sie haben lehmfarbene Wände und Decken und sind um einen großen Erker strukturiert. In die Fensterbank sind bunte Tagesbetten integriert; steinerne Stufen führen zu ihnen hinauf. Vor dem Erker steht ein großes Holzbett, dessen Ende eine Tischkonstruktion umfasst, vor der zwei Stühle stehen. Hinter dem Kopfende des Betts befindet sich das Bad mit Dusche und WC, das von beiden Seiten des Betts zu begehen ist. Der Bereich unter dem Haus ist wie ein kleiner Dorfplatz gestaltet, der Sitzgelegenheiten umfasst und viel Raum im Schatten bietet.
 
Höhlen und Biwaks
 
Neben den Pill Houses gibt es drei Höhlenbehausungen, so genannte Troglodyten. Sie wurden aus den für Nefta typischen Tonbacksteinen in den steinigen Teil des Geländes gebaut und sondern sich mit ihren eigenen großzügigen Terrassen ein wenig von der restlichen Struktur ab. Zudem gibt es drei Dünenhäuser, die sich auf Boden- beziehungsweise Sandniveau befinden, und dem Gast einen Einblick in das Leben in den Dünen bieten sollen. Sie sind wie offene, vom Wind gestaltete Räume angelegt, inspiriert von Feldlagern im Freien, den so genannten Biwaks: Eines hat eine Loggia mit natürlichem Licht und einen Indoor-Garten, das andere hat eine großzügige externe Terrasse und ein großes Fenster mit Blick auf Nefta, und das dritte umfasst eine Alkoven-Holzterrasse und blickt auf den Dattelhain.
 
Offene Küche
 
Die öffentlichen Bereiche befinden sich im traditionellsten Haus des Anwesens: dem Dar Malika. Hier sind die Küche und das Restaurant untergebracht, die durch sand- und türkisfarbene Wände charakterisiert werden. Die Küche ist eine Art Labor, das traditionelle Gerichte anbietet mit Zutaten aus der Gegend. Hier kann der Gast den Köchen – sie stammen alle aus Nefta – bei ihrer Tätigkeit zuschauen und sich selbst, egal zu welcher Tages- oder Nachtzeit, etwas zubereiten. Das dazugehörige Restaurant ist kein Restaurant im klassischen Sinn; es ist vielmehr ein Raum, in dem hölzerne Tische und Stühle stehen, die von den Gästen frei arrangiert werden können.
 
Modulare Räume
 
Im Dar Malikabefinden sich neben Küche und Restaurant eine Art modularer Aufenthaltsbereich sowie ein Auditorium. Letzteres lässt sich je nach Aktivität verändern – ob für Filmvorführungen, Konzerte oder einfach, um in Ruhe ein Buch zu lesen. Es umfasst die für Matali Crasset typischen Schaumstoffsitze, die frei angeordnet werden können und somit für große Flexibilität sorgen.
Im Treppenhaus wurde die Bibliothek eingerichtet – im wortwörtlichen Sinn: Die Bücher sind in die Holzstäbe der Treppe integriert und somit dem Gast leicht zugänglich. Wer hier nicht fündig wird, kann im Dar Hi Bazaar weitere Bücher entdecken, die dort neben Lebensmitteln und Souvenirs zum Kauf angeboten werden.
 
Heißwasserquelle
 
Das eigentliche Herzstück des Dar Hi ist jedoch das Spa. Es wird durch die Farben Türkis, Hellblau, Gelb und Orange charakterisiert und umfasst verschiedene Massage- und Körperpflegebereiche, ein Becken mit entspannenden ätherischen Ölen, einen Meditationsraum sowie ein sehr geräumiges Hammam. Traditionell wird ein Hammam mit Warmwasser aus der Wüste beheizt, im Dar Hi wird es durch das Wasser einer natürlichen Heißwasserquelle versorgt, die unterhalb des Geländes fließt und neben dem Hammam auch den Swimmingpool versorgt. Letzterer ist in einer den Pill Houses ähnlichen Konstruktion untergebracht. Neben ihm befindet sich eine großzügige Sonnenterrasse mit einladenden Liegesofas unter Sonnenschirmen. Hier oben kann der Gast perfekt abschalten, unter freiem Himmel baden und dabei den Blick auf Nefta, Wüste und Dattelhain genießen.

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