Alles wird gutgut

22

Text: Julia Bluth
Foto: Peter Čintalan

Freie Hand beim Umbau? Dieses ungebremste Vergnügen hatten die Architekten Lukáš Kordík und Štefan Polakovič von gutgut aus Bratislava, als sie mit der Verwandlung einer verwohnten Vierzimmerwohnung im Zentrum der slowakischen Hauptstadt beauftragt wurden. Die beiden einzigen Wünsche der jungen Auftraggeber: viel Raum für Kunst und ein gutes Soundsystem.

„Das lockere Briefing erlaubte uns eine ganz eigene Herangehensweise bei der Sanierung“, erklären Kordík und Polakovič. Sie entschieden, den Original-Grundriss aus den zwanziger Jahren als Basis ihres Entwurfs zu nutzen und Teile der historischen Elemente – wie Holztüren, Eichenparkett und freigelegte Betondecken – in die Neugestaltung zu integrieren.

Von piefig zu loftig

Erste Maßnahme war die Öffnung der traditionellen, leicht beengten Raumstruktur. Das ehemalige Dienstbotenzimmer und das angrenzende Wannenbad vereinten die Architekten zu einem weitläufigen Badezimmer mit bodengleicher Dusche und großzügigem Waschtisch. Die kleine Küche öffneten sie zum Eingangsbereich und zur verglasten Veranda, indem sie eine Wand einrissen und die alte Speisekammer entfernten. So entstand ausreichend Platz für den spektakulären neuen Esstisch – eine Sonderanfertigung der Bildhauer Richard Seneši und Jakub Trajter –, dessen kreisrunde Tischplatte aus Mahagoni und Vinyl an eine überdimensionale Schallplatte erinnert. Beinah nahtlos gestaltet sich auch der Übergang zum neuen Wohnbereich – einst Wohnzimmer und zweites Schlafzimmer. Freigelegte Betonträger und der konsequente Verzicht auf trennende Wände sorgen für echtes Loft-Gefühl.


Tag und Nacht

Eine zweite, eher ungewöhnliche Maßnahme war die Unterteilung der Gesamtfläche in eine Tag- und in eine Nachtzone. Nach dem die Wände zwischen Hauptschlafzimmer, Wohnzimmer und Zweitschlafzimmer eingerissen waren, trennt nun eine Art multifunktionale Schrankwand Schlaf- und Badezimmer vom großzügigen Wohn-Essbereich. Wie ein diagonaler Keil zieht sich die maßgefertigte Konstruktion aus Sperrholz und weißem Lochblech einmal quer durch die Wohnung und dient gleichzeitig als Kleiderschrank, Waschküche und Küchenzeile. Dabei wirkt sie dank der geschickten Materialwahl keineswegs massiv. „Die Kombination aus weißem, perforiertem Metall und dem leichten Holzrahmen schafft ein Spiel aus Materialität und durchscheinendem Licht“, beschreiben die Architekten, die hier auf 105 Quadratmetern einen einzigartigen Stilmix geschaffen haben. Edles Fischgrätparkett im Wohn- und Schlafbereich, profaner Gumminoppenboden in Küche, Badezimmer und Eingangsbereich. Rohe Betondecken, Lochblech und alte Holztüren: Nichts scheint wirklich zusammenzupassen. Und doch fügt sich alles zu einem Ganzen. Lukáš Kordík und Štefan Polakovič haben ihre Freiheit zu nutzen gewusst und ein Loft jenseits aller Loft-Klischees geschaffen.

Pläne
3

Weitere Artikel 13 - 25 von 44 Ode an das Unfertige Origami zum Wohnen Moderner Ruinenzauber: Sverre Fehn reloaded Zeitreisen in Warschau Patio und Ratio: Casa la Quinta Klug gestapelt: Mikroapartments in Seoul Flucht aus Norddeutschland Ganzheitliche Geometrie <br />
35 Quadratmeter Raumwunder Puzzle aus Naturstein Waldhaus im Hudson Valley Mobile Miniarchitektur

Alle Neuheiten der interessantesten Hersteller und Designer auf einen Blick.