Anbau am Altbau: Landhausdoppel in Kanada

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Text: Tanja Pabelick, Foto: Louis Prud'homme

Nach fast 90 Jahren hat ein kleines Landhaus in La Malbaie eine kleine Schwester bekommen. Der Neubau der kanadischen Architektin Anik Péloquin interpretiert den lokalen Landhausstil urban-skandinavisch ohne dabei die individuelle Geschichte des Ortes zu vergessen.

Das Cottage steht in kanadischer Klischee-Landschaft. Das kleine Örtchen La Malbaie im Norden des Landes liegt dort, wo der Sankt-Lorenz-Strom mit breitem Arm nach Québec greift, sich die Waldlandschaft im Herbst in allen Nuancen von Gelb bis Orange kleidet und die Küste mit rauen Felsen abschließt. Wer den Weg zu dem kleinen Anwesen an einem Seeufer finden will, fragt nach Les Sœurs, den Schwestern. Es ist aber nicht das Setting des nun aus zwei Häusern zusammengefügten Landgutes, das ihm den Namen gibt, sondern die Geschichte. 1930 erbaut, wurde die alte Gebäudehälfte die ersten drei Jahrzehnte ihrer Existenz als Jagdhütte genutzt. In den Sechzigerjahren zogen dann Nonnen ein. Die Sisters of Charity, eine von Mutter Theresa gegründete Gemeinschaft der Missionarinnen der Nächstenliebe, nutzten das Cottage als Sommerhaus. In dieser Funktion wurde es an die jetzigen Besitzer weitergegeben. Die neuen Eigentümer sind Städter, die hier über einige Jahre sporadisch lebten, um sich ans Landleben zu gewöhnen und ihre Ansprüche an den Ort zu definieren.

Bleibender Bestand
Bei ihren Aufenthalten wird schnell klar, dass es sich kaum lohnt, das historische Bestandsgebäude aufwändig zu renovieren. Sie beschließen einen Neubau auf dem Gelände und beauftragen die Architektin Anik Péloquin aus Québec mit der Planung. Das neue Gebäude wird an das alte angegliedert, konserviert als große Schwester die Geschichte des Ortes und übernimmt die Funktion eines Gästehauses. Der größere Neubau wird zur kleinen Schwester und beherbergt zwei Schlafzimmer, ein Badezimmer, eine Küche und einen großen Wohnraum, den die Besitzer selbst als Loungebereich definieren. Mittelpunkt ist hier der freistehende Holzofen, Highlight das Seepanorama vor den bodentiefen Fenstern.

Geschwisterliche Zuneigung
Bei der Planung wurden die Landschaft und der gebaute Kontext zu den bestimmende Parametern für das neue Gebäude. Péloquin entwarf den Neubau von außen nach innen, indem sie zuerst das endgültige Volumen festlegte und dann das Layout des Grundrisses gestaltete. So entsteht zwischen den beiden Häusern formal ein harmonischer Dialog. Der neue Flügel respektiert und reflektiert die rustikale Erscheinung des Bestands. Die Fassade der kleinen Schwester ist mit Tamarackholz verkleidet, einer für Kanada typischen Lärchenart, an der sich im Laufe der Zeit Spuren der Witterung zeigen werden. Die Traufhöhe des Neubaus greift die des Bestandes auf, zur Landschaft hin schiebt sich das Dach dann steil in die Höhe. Hier ist eine zweite Wohnebene untergebracht, die allerdings nicht als abgeschlossene Etage ausgebildet ist, sondern als halboffener und einsehbarer Raumeinschub. Hinter einer bodentiefen Glaswand liegt das Schlafzimmer mit Ausblick über die Landschaft und Einblick in Lounge und Küche.

Konsequentes Volumen
Durch die hohen Wände, die weiten Fenster und die offene Raumgestaltung entsteht eine helle Raumatmosphäre. Die homogene Holzverkleidung von Böden, Wänden und Decken erzeugt archetypisches Hüttenflair, während die weiße Lasur dem Interieur einen zeitgenössischen, nordischen Einschlag gibt. Die Landschaft wird in den Innenraum eingeladen, die Fassade in die Natur integriert. Das natürliche Setting wird nicht durch die Architektur dominiert, sondern nimmt das Gebäude als Teil des Panoramas auf.

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