Arbeit „non-territorial“ – Verwaltung in `s-Hertogenbosch

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Text: Katrin Schamun

Wer kennt sie nicht die verstaubten Amtsstuben in unseren städtischen Behörden. Nach dem Betreten eines alten steinernen Verwaltungsgebäudes erbaut im letzten Jahrhundert steht der Bürger von der erhabenen Architektur eingeschüchtert in einer Wartehalle, wo er von einer Reihe verschlossener Türen empfangen wird. Auf der Suche nach dem zuständigen Amtszimmer, trifft er auf andere Bürger, die sich genauso verunsichert durch das Gebäude bewegen. In einem mit Aktenstapeln gefüllten Raum, versteckt hinter einem riesigen Schreibtisch, begrüßt ihn schließlich ein Beamter und fragt nach seinem Anliegen.
Solche Erlebnisse gehören im niederländischen `s-Hertogenbosch längst der Vergangenheit an. Dirk Jan Postel aus dem Rotterdamer Architekturbüro Kraaijvanger Urbis brachte zusammen mit dem niederländischen Büroeinrichter Ahrend frische Ideen in die Büros verstaubter Amtsstuben. Gemeinsam entwarfen sie das Stadthaus im niederländischen `s-Hertogenbosch mit einer flexiblen Bürostruktur und Arbeitsatmosphäre, indem sie ein revolutionäres Ausstattungskonzept mit einem offenen Architekturkonzept verbanden.
Motiviertes und effektives Arbeiten in einem sich wandelnden Umfeld
Ausgangspunkt war das Anliegen, die acht über die ganze Stadt `s-Hertogenbosch verteilten Verwaltungsstandorte an einem einzigen, zentralen Ort zusammenzufassen. Auch Kommunen müssen im Hinblick auf große finanzielle Einschränkungen den Faktor Flächeneffizienz ihrer Büros überdenken. Hinzu kommt die Notwendigkeit sich zukünftig als eine Form von Dienstleistungseinrichtung für die Bürger und ihre Belange zu entwickeln. Lediglich 750 Arbeitsplätze stehen den 1.100 Mitarbeitern der öffentlichen Verwaltung noch zur Verfügung. Das Unternehmen Ahrend entwickelte dafür ganz unterschiedliche Arbeitsplatzeinheiten, die auf einem speziellen Ausstattungsprogramm basieren – den offenen Arbeitsplatz, den Loungearbeitsplatz, das Cockpit und die Bibliothek. Die Einheiten sind mit hohen ergonomischen Anforderungen gestaltet, so dass sie Personen mit unterschiedlicher körperlicher Konstitution gleichermaßen gerecht werden, denn schließlich verbessert die Zufriedenheit von Arbeitnehmern das Arbeitsergebnis. Die Angestellten der Stadtverwaltung greifen bei wechselnden Aufgaben nicht zum Telefon, sondern begeben sich auf die „Reise“ von Arbeitsplatz zu Arbeitsplatz. Eine offene Treppe im Gebäude erleichtert die Zusammenarbeit und Kommunikation der Beamten auch über mehrere Etagen hinweg. Büroenge kann angesichts großer Glasflächen in der neuen Stadtverwaltung gar nicht erst aufkommen.
Der flexible Arbeitsplatz fordert einerseits von den Beamten Beweglichkeit im Dienst, aber bietet ihnen gleichzeitig Abwechslung im Arbeitsalltag. Bürger und Besucher der öffentlichen Verwaltung von `s-Hertogenbosch finden ein helles offenes Gebäude mit freundlicher Atmosphäre vor, in dem bewegliche Beamte den Anliegen der Bürger entgegenkommen. Der Wunsch jedes Stadtbürgers ist für `s- Hertogenboscher erfüllt – eine offene, freundliche, flexiblere Behörde.
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