Auffälliger CMYK-Tarnanzug

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Text: Markus Hieke
Foto: Julien Lanoo

Einen Traum mit Seeblick erhoffte sich die Familie, als sie das Grundstück in Moers Ende der fünfziger Jahre kaufte – und hatte Glück. Denn die anliegende Kiesgrube wurde zum Erholungsgebiet mit See und Wald angelegt, und nicht wie im schlimmeren Fall zur Mülldeponie umgewandelt. Heute definieren drei bunte Pavillons den Wohnkomplex neu und beziehen die idyllische Lage am Seeufer ein.

Der ungewissen Zukunft geschuldet, wendete sich das ursprüngliche Haus mit Absicht von der Grube ab. Sein funktionaler Stil ist typisch für das Jahrzehnt: vier Ecken, weißer Putz und ein flach ansteigendes, schwarz gedecktes Dach. Von drinnen sah man den See kaum, da eine flächig gepflasterte Auffahrt samt Garage das Haus von der grünen Naturkulisse abtrennte.

Im Zentrum: drei farbenfrohe Pavillons
So setzten sich die Bauherren in zweiter Generation zum Ziel, diesen Makel zu beheben und beauftragte das Architektenteam um Mark Mueckenheim mit dem Umbau des parkähnlichen Geländes. Dieser neuer Ansatz umfasste auch drei neue Pavillons, die das Wohnhaus farbenfroh ergänzen und zu einem äußerst gastfreundlichen Eigenheim machen. Die Garage mit Werkstatt wich als eigenständiger Bau an den Rand des Grundstücks. Auf der gegenüberliegenden Seite entstand ein zweiter Pavillon, der ein Gästehaus mit Sauna beherbergt. Direkt an das L-förmige Wohnhaus angrenzend, ergibt sich so ein zentraler Garten, der den ersehnten Blick zum See hin öffnet. Betritt man das alte Gebäude, wird man ein Stockwerk höher mit einer schönen Aussicht belohnt. Hier, im neu aufgesetzten, dritten Pavillon, befindet sich das Büro mit großer Fensterfront.

Während die Dachetage ohne weitere Features auskommt, warten die zwei freistehenden Pavillons mit cleveren Besonderheiten auf. Jeweils eine ihrer Außenwände ist mit einer Multi-Wall ausgestattet, deren 1,20 Meter tiefer Hohlraum Stauraum für Gerätschaften und andere Dinge des Alltags bietet. Erreichbar sind sie von innen wie von außen.

Baupläne und Motivprojektionen.
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Highlight des Gästepavillons ist der zentrale, in Grasgrün gehaltene Multi-Cube mit einer geräumigen Sauna und dem darum angeordneten offenen Badezimmer. Auf zwei Sitzstufen bietet das Schwitzbad reichlich Platz für dampfliebende Freunde, inklusive idyllischem Ausblick auf den See – sofern die große Glasfront des Cubes nicht vollends beschlägt. Ein Whirlpool im Raum sorgt für das nötige Wechselbad der Gefühle. Und wer lieber richtig schwimmen geht oder Sonne tanken mag, schreitet durch das faltbare Panoramafenster über die Terrasse zum Wasser.

Im Blickpunkt: die Fassaden
Allen Neubauten gemein ist ihr Fassadenkonzept. Neben einer Holzverkleidung wurden alle drei mit einem bedruckten Bautextil bespannt. Ihr buntes wie tarnendes Motiv wurde im engen Designprozess mit den Bauherren entwickelt und zeigt, aus weiter Entfernung betrachtet, einen im Wald stehenden Hirsch. Das Motiv erinnert an die langjährige Jagdleidenschaft des Vaters vom Bauherrn. Nähert man sich, erkennt man am Aufdruck ein grob aufgelöstes Bild im Halbtonraster. Die Punkte verbinden sich zu einer farbigen Textur, die die umliegenden Blumenwiesen widerspiegelt. Erst aus nächster Nähe lässt sich jeder Kreis in den typischen Winkeln von Druckrastern erfassen – Cyan, Magenta, Gelb und Schwarz. Das gepunktete Kleid soll gleichzeitig an den Petticoat-Stil der Fünfziger erinnern.

Leicht wirkt die tarnende Verkleidung der optischen Schwere der quaderförmigen Gebäude entgegen. So wie sich der Stoff sanft in die Natur einfügt und nur von einer schmalen Aluminiumkante umfasst wird, laufen auch die Rahmen der Türen und Fenster zu einem dezenten Rand zusammen. Mit dem CMYK-Haus entstand so ein Komplex, der den Ort optisch neu beschreibt, sich aber ebenso gekonnt in die Landschaft integriert – eine Architektur, die es aufmerksamkeitsstark vermeidet, zum Fremdkörper ihres Umfeldes zu werden.

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