Aufstockung mit Außentreppe

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Foto: Brigida González, Henrik Schipper

Partner: Jung

Bauen im Bestand hat viele Gesichter. Im Fall dieses Rückgebäudes aus den Dreißigerjahren im Stuttgarter Heusteigviertel haben die Architekten ein vergleichsweise ungewöhnliches Konzept entwickelt. Ihr Ansatz: Eine hellgraue Fassade überzieht das gesamte Volumen inklusive Dach und Aufstockung und verleiht dem Stadthaus eine monolithische Erscheinung, die eine zeitliche Einordnung fast unmöglich macht.

Als das 2011 gegründete Büro g2o Architekten im gleichen Jahr mit den Planungen für das Haus in der Olgastraße startet, war die Liste der Aufgaben ebenso lang wie divers: Neubau, Umbau, Umnutzung, Aufstockung, energetische Sanierung sowie eine teilweise Möblierung und Innenraumgestaltung stehen auf dem Zettel der Stuttgarter Architekten Michele Grazzini und Stephan Obermaier und ihrem Team.

Familienbande
Diente der Bestand zuvor einem Modelleisenbahnbauer als Werkstatt und Wohnung, erkennt man davon heute so gut wie nichts mehr. Nach zweijähriger Bauzeit hat sich das Haus aus den Dreißigerjahren in einen zeitgenössischen, kompakten Hybrid zum Wohnen und Arbeiten verwandelt: OS66.1 lautet sein Name. Im Erdgeschoss haben die Architekten seit 2017 ihr Büro, in den Etagen darüber gibt es drei Wohneinheiten, in der unter anderem auch Stephan Obermaier mit seiner Familie lebt, während die zwei aufgesetzten Etagen, das Penthouse, Bauherr Hans-Peter Obermaier und Vater des Architekten bezogen hat.

Kompakter Monolith
Aus Überlegungen zu Statik, Logistik, Bauzeit und Nachhaltigkeit entscheiden sich  Michele Grazzini und Stephan Obermaier, die zulässige Aufstockung in Stahl- und Holzbauweise mit Deckenelementen in fertiger Oberfläche auszuführen. Da sich Dachflächen und Fassaden des polygonal geformten Baukörpers kaum unterscheiden, erscheint das graue Haus wie ein Monolith – die Architekten sprechen von einem Felsen. Dabei handelt es ich nicht um Sichtbeton: Eine hellgraue Polyurethanbeschichtung schützt den Dachaufbau, im gleichen Grauton RAL 7035 lassen Architekten auch die spiegelglatt verputzten Außenwände streichen.

Selbstragende Stahltreppe
Und weil die Treppe im Bestand ungünstig positioniert war, verlegt man diese kurzerhand nach außen – im Inneren erschließt ein neuer Aufzug die Wohnetagen bis hoch ins Penthouse. Unter dem Dach sind die Räume besonders hell und gut belichtet,  eine kleine Terrasse thront auf dem Aufbau und gibt den Blick frei auf die Stadt

Beste Ausstattung: LS 990, LS Zero und das JUNG KNX System wurden im Penthouse verbaut. Foto: Henrik Schipper
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Passende Technik
Um auch die technische Ausstattung der eleganten Architektursprache anzupassen, statten die Architekten das Penthouse mit den Designklassikern von Jung aus: darunter der LS 990, der mit F 40 Tastsensoren in der Gestaltung Les Couleurs® Le Corbusier die gesamte hausinterne Beleuchtung sowie Jalousien und Temperatur ansteuert.  Ergänzend dazu lassen sich Haus- sowie Multimediafunktionen mit der Gebäudesystemtechnik KNX miteinander vernetzten und zentral steuern, während die Gestaltung des LS ZERO als flächenbündige Variante des Jung Klassikers LS 990 den Wohnräumen einen Übergang zwischen Oberfläche und Bedienbarkeit verleiht.

Rotes Band
„Außen monolithisch und einfarbig, Innen individuell“, fassen die g2o Architekten ihre Idee zusammen. Dabei sie jede Einheit für die Bedürfnisse der jeweiligen Bewohner gestaltet. Alle Etagen haben einen
geschliffenen Estrichboden mit buntem Rheinkies: Er verbindet als rotes Band alle Nutzungen im Hybrid. Im Büro der Architekten sind die Backsteinwände sichtbar geblieben und bilden einen Kontrast zur Fassade. Es ist wie ein Schnitt. An den Ziegeln offenbart sich der Altbau: Hier kann man die bewegte Geschichte dieses mutigen Umbaus ablesen. 

 

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