Aus einem Guss

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Text: Katharina Horstmann


Nur von einem einzigen Element gestützt, kragt der fensterlose Monolith aus Sichtbeton über einer kleinen Hangkante aus. Bei genauerer Betrachtung, beispielsweise einem Rundgang um das Gebäude oder besser noch aus der Vogelperspektive, mag der ein oder andere Besucher an ein vergrößertes Abbild eines Waschbeckens erinnert werden – insbesondere wenn er zudem den Namen über dem Eingang liest: Laufen. Der Schweizer Badspezialist hat am Firmensitz in Laufen im Baselland ein Besucher- und Präsentationszentrum errichtet, das wie ein Keramikgefäß gegossen wurde und anstatt Wasser die Produkte des Unternehmens umfasst.


Laufen war das erste Unternehmen in der Schweiz, das Keramik für den Sanitärmarkt produzierte und verarbeitet nun schon seit über 100 Jahren den ältesten plastischen Werkstoff der Menschheit zu Waschtischen, Toiletten und Bidets. 1985 legte es mit der Einführung des Hochdruckgusses die Grundlage für die Serienfertigung hochwertiger Designbäder. Kein Wunder also, dass die Keramik als Inspirationsquelle für das insgesamt 1.700 Quadratmeter große sogenannte „Laufen-Forum“ diente, das das Basler Büro Nissen & Wentzlaff Architekten zusammen mit dem Ingenieurbüro Walther Mory Maier entworfen hat.

Der herausfordernde Monolith

So wie Laufen ein Vorreiter in der Keramikherstellung ist, so wurde das Forum in seiner Materialität und Statik auch eine Herausforderung für die Planer und Baumeister. Um Fläche zu sparen, wurde das Bauwerk auf einer Steilböschung platziert und kragt zu zwei Dritteln über einen Parkplatz aus. Seine nahezu homogene Betonfassade wurde über beide Stockwerke hinweg in einer Schalung gegossen; das Dach mit seinen 48 eingebauten Lichtkuppeln folgte erst später in einem 14-stündigen Prozess, in dem die 44 Zentimeter dicke Spannbetondecke am Stück gegossen wurde.

Als Schale konzipiert

Das zweigeschossige Laufen-Forum wurde als eine Art Schale konzipiert, deren Inhalt die Badewelt des Sanitärherstellers darstellt. Betritt der Besucher das Gebäude, wird er von einem Informationsschalter empfangen. Diesem schräg gegenüber liegt der zentrale Gebäudekern, in dem Lagerung, Lift und Nebenräume untergebracht sind und den zwei offene, geschwungene Treppen umgeben, die auf eine Ausstellungsgalerie im Obergeschoss führen. Dort eröffnet sich dem Besucher die Badewelt von Laufen. In separaten Nischen werden Designbäder – wie zum Beispiel „Il Bagno Alessi“ oder auch „Living City“ – präsentiert; außerdem laden drei Testbäder zum Baden ein, denn der Besucher soll im wahrsten Sinne des Wortes in die Laufen-Welt eintauchen können.

Waschtische als Inspirationsquelle der Architektur

Im Erdgeschoss sind entlang der Außenwand weitere Ausstellungsnischen arrangiert. Das zentrale Atrium dient Veranstaltungen und Produktpräsentationen und wurde unter anderem mit den Sesseln „Dora“ von dem italienischen Möbelhersteller Zanotta ausgestattet. Diese haben die Architekten Ludovica und Roberto Palomba gestaltet, die seit Jahren eng mit Laufen zusammenarbeiten und für den Hersteller einige der organisch geformten Waschtische entwarfen, die – man wundere sich nicht – an die Gestalt des neuen Forums erinnern.

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