Australische Datscha

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Text: Julia Bluth
Foto: Derek Swalwell

Je mehr wir über Nachhaltigkeit reden, desto größer scheint unser ökologischer Fußabdruck zu werden. Selbst reine Ferien- oder Wochenendhäuser gleichen zunehmend geräumigen Vorstadtanwesen, die keinen Komfort vermissen lassen. Einen bewussten Gegentrend setzen die Architekten von Austin Maynard mit ihrem nonkonformistischen Strandhaus unweit von Melbourne.

Endloser Sandstrand, Buschland und viel Einsamkeit: St. Andrews Beach ist zweifellos der perfekte Rückzugsort für gestresste Großstädter. Ein rund 8400 Quadratmeter großes Grundstück inmitten der Dünen nannte der Bauherr hier sein eigen. Er wünschte sich ein möglichst einfaches Wochenenddomizil, das wenig Spuren in der unberührten Umgebung hinterlassen sollte. Sein Vorbild: die neuseeländische „bach“, eine bescheidene Strandhütte oder Datscha, wie sie auf der Nachbarinsel traditionell zur familiären Auszeit genutzt wird.

Form follows function
Während die klassische „bach“ dem konventionellen Wohnraster folgt, entschieden die Architekten, einen Schritt weiter zu gehen. Eine Auszeit vom Alltag war für sie auch gleichbedeutend mit der Abkehr von alltäglichen Strukturen, von Korridoren und daran aufgereihten Funktionsräumen. Sie beschlossen, den Grundriss kreisförmig anzulegen und die zwei Geschosse über eine zentrale Wendeltreppe miteinander zu verbinden. Auf der unteren Ebene des zylinderförmigen Holzgebäudes befindet sich die offene Küche mit angrenzendem Ess- Wohnbereich und Badezimmer. Der offene Eingangsbereich dient gleichzeitig als innenliegende Terrasse, die optimal vor Sonne und Wind schützt.

Gemeinschaftlich schlafen
Auf der oberen Ebene liegt der etwas ungewöhnliche Schlafbereich. Vor allem hier zeigt sich die Abkehr der Planer von konservativen Wohnvorstellungen. Zwar gibt es das übliche Schlafzimmer mit Doppelbett und angrenzendem Badezimmer sowie einen zweiten Schlafbereich mit Hochbett. Beide Räume sind jedoch lediglich durch einen Vorhang voneinander getrennt. Der Zwischenraum kann als Spiel- und Entspannungszone genutzt werden oder dient als flexible Schlaffläche für Gäste. Sobald die Anzahl der Besucher steigt und der Raum keinen freien Platz mehr bietet, kann die angrenzende Düne kurzerhand in ein Zeltlager umfunktioniert werden.

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Nachhaltig entspannen
Mit einem Durchmesser von zehn Metern und gerade einmal 78 Quadratmetern Grundfläche hinterlässt das St.Andrews Beach House einen ungewöhnlich kleinen „Fußabdruck“ in der Dünenlandschaft. Alle Scheiben sind doppelverglast, Solarmodule mit Mikro-Wechselrichtern auf dem Dach sichern die Energie- und Wärmeversorgung. Ein großer Wassertank speichert Regenwasser, das für die Gartenbewässerung und Toilettenspülung genutzt wird. Austin Maynard haben das Konzept der Strandhütte generalüberholt und ein nachhaltiges Beispiel dafür geschaffen, wie Menschen in Harmonie mit der Natur leben können. „Ich habe eigentlich immer gerne gearbeitet“, erzählt der Bauherr, „aber jetzt kann ich es kaum erwarten, am Wochenende hier zu entspannen.“

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