Baldachin der Stille

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Text: Jeanette Kunsmann, Foto: Simone Bossi, Sebastian van Damme

Es ist schon an sich keine einfache Bauaufgabe und beinhaltet darüber hinaus auch noch ein durchaus komplexes Raumprogramm. Für das neue Krematorium im belgischen Aalst haben Kaan Architecten nicht nur die passende Form gefunden, sondern treffen auch den richtigen Ton für eine Architektur der Stille.

Mit einer Grundfläche von 74 mal 74 Metern zeigt sich das Crematorium Siesegem als beachtliches Monument – platziert in einer hügeligen Parklandschaft außerhalb der Stadt Aalst, keine 25 Kilometer von Brüssel. Neben dem Gebäudeteil für die Zeremonie, der sich in zwei Aussegnungshalle unterschiedlicher Größe gliedert, mussten die Rotterdamer Architekten weitere Funktionen wie Eingang, Erschließung und Café, Logistik und Verwaltung einplanen.

Außenansichten und Pläne. Foto: Simone Bossi
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Das Team von Kaan Architecten und der Landschaftsarchitekt Erik Dhont planen die inneren Raumfolgen so, dass sich jeder intuitiv zurechtfindet. Sie verbinden den puristischen Krematoriumsbau auf eine poetische Weise mit seiner Umgebung. Im Norden sammelt ein Teich aufgefangenes Regenwasser, während die sanften Hügel einen Urnengarten umschließen. Patios, eine Terrasse und Einschnitte lockern das Gebäude und bringen Tageslicht in das Innere. Bäume und Büsche verbinden sich mit der Architektur. Über allem ruht ein großes Dach: ein Baldachin aus Beton.

Auffällig sind an den Neubau die Höhe der Räume (6.40 Meter) sowie das gezielte Zusammenspiel von besonderen Materialien. Diese seien laut den Architekten von zentraler Bedeutung, um dem Ort eine ruhige Stimmung zu geben. Während die hellen Sichtbetonfassaden ein Gegengewicht zum zukünftig grünen Landschaftspark setzen, entwickelt sich im Inneren ein spannungsvoller Dialog aus italienischem Marmor, glattsamtigen Beton und Eichenparkett.

Innenräume. Foto: Simone Bossi
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Die Betondecken hingegen haben eine raue Oberflächenstruktur, um die Akustik zu verbessern und Ruhe in die Hallen zu bringen. Die Architektur soll den Übergang von einer belebten Außenwelt zu einem metaphorischen und physischen Innenraum, der von Ruhe und Zurückhaltung geprägt ist, begleiten, erläutern die Architekten ihren Ansatz für den Entwurf. Mit der Idee konnten sie sich 2012 in einem internationalen Wettbewerbsverfahren durchsetzen. 

 

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