Berg, Bond und Beton: Alpine Spa in Bürgenstock

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Text: Tim Berge

Das Alpine Spa gehört zum exklusiven Schweizer Bürgenstock Resort, das im vergangenen Jahrhundert ein Anziehungspunkt für den internationalen Jetset war. 500 Meter oberhalb des Vierwaldstätter Sees sucht die Architektur den Bezug zur imposanten Landschaft auf nicht weniger spektakuläre Art. Verantwortlich für den Um- und Anbau der Wellnessanlage aus den Achtzigerjahren sind zwei Berliner Büros.

Ein tiefblauer Bergsee und steil aufsteigende Felswände bilden das James-Bond-artige Szenario, das sich den Besuchern des legendären Bürgenstock Resorts bei ihrer Anfahrt mit dem Schiff bietet. Und das ist erst der Anfang. Am Fuß des Berges angekommen, bieten sich zwei Möglichkeiten, den Höhensprung zum Resort zu überwinden: mit der Standseilbahn direkt in die Lobby des Hotels oder mit dem Hammetschwand-Lift, dem mit 153 Metern höchsten Außenaufzug Europas. Den hat auch schon der echte James Bond, Sean Connery, bei den Dreharbeiten zum 007-Klassiker Goldfinger genutzt.

Das Alpine Spa liegt im Zentrum des Resorts und wurde in den Achtzigerjahren als eines der letzten Puzzlestücke dem Hotelensemble hinzugefügt. Doch Wellnessanlagen haben eine kurze Halbwertzeit. Den internationalen Wettbewerb für einen Umbau gewannen die beiden Berliner Büros Patrik Dierks Norbert Sachs Architekten sowie plus4930 Sierig Geddert Krüger Architekten. Der von ihnen entworfene Anbau legt sich geschickt und feinfühlig um den Bestand herum und knüpft an dessen Gestalt an. Gleichzeitig integrierten die Planer den natürlichen Kontext in ihre minimalistische Gebäudeskulptur, die über Materialität und visuelle Einschnitte den Kontakt mit der Felslandschaft und dem naheliegenden See sucht. Die kantig-geometrische Silhouette des Anbaus und sein rauer Betonsockel nehmen unmittelbar Bezug auf den Berg.

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Die Architektur des Neubaus lebt von ihrem Spiel mit Offen- und Geschlossenheit, das sich an der Fassade ablesen lässt. Seine Basis aus Sichtbeton mit horizontaler Brettschalung aus lokalen Hölzern versteht sich als Fortsetzung des Bergmassivs. Hinter der dicken Hülle verbergen sich die Saunen und innenliegenden Schwimmbereiche – als Inbegriff von Geborgenheit. Im Kontrast dazu öffnet sich der darüberliegende Baukörper radikal zur Landschaft: Die großflächige Verglasung bietet den Besuchern des Spas atemberaubende Sichtbezüge zum See und den umliegenden Bergen. Gekrönt wird die Öffnung des Hauses durch den Infinity Edge Pool, der sich um eine der Gebäudekanten herumlegt und steil über den Abgrund ragt.

Als drittes Element fügten die Planer eine vertikal gegliederte, glänzende Fassadenhaut aus Kupferblechen hinzu, hinter der sich die Erschließungsbereiche verbergen – eine Reminiszenz an die Bestandsarchitektur, die bereits vor dem Umbau über eine metallene Außenhülle verfügte. Die Kupferelemente werden innerhalb der nächsten Jahre oxidieren und eine schwarzbraune Patina erhalten. Damit schließt der Um- und Neubau des Spas den Kreis zurück zum Original.

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Auch im Inneren und in dem umliegenden Spa Garden findet eine geschickte Verzahnung von bestehenden und neu hinzugefügten Elementen statt. Historisch wertvolle Orte wie der Kidney Shaped Pool aus den Fünfzigerjahren, in dem schon Sophia Loren und Audrey Hepburn badeten, und das rustikale Kaminrestaurant wurden vorsichtig saniert und strahlen nun wieder den Charme vergangener Tage aus. Die im Neubau verwendeten Materialien und Oberflächen sind zurückhaltend und elegant: Ausgesuchte Natursteine und Hölzer treffen auf Sanitärobjekte von Laufen und Dornbracht. Und auch die Türdrücker aus der FSB-1164-Serie von Hans Kollhoff zeichnen sich durch die gelungene Verbindung aus Tradition und Gegenwart aus. Durch ihre Eingriffe erzeugen die Berliner Planer eine kluge atmosphärische Verbindung zwischen Alt- und Neubau sowie traditioneller Grand-Hotel-Architektur und einzigartiger Baukunst.

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