Besser baden in Barcelona

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Text: Judith Jenner
Foto: David Zarzos

Offene Grundrisse sind keine Seltenheit. Esszimmer, Küchen, Wohnzimmer – in vielen modernen Wohnungen geht alles ineinander über. Dass aber auch das Bad mitspielen darf, ist eher ungewöhnlich. Aus einem verschachtelten Altbau gestalteten Raúl Sanchez architects ein modernes Loft, in dem das offene Bad im Zentrum steht. Es trägt zu dem luftigen Wohngefühl bei, das sich die Bauherren für ihre Wohnung über den Dächern von Barcelona wünschten.

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Bad im Zentrum
Das Projekt Atic Aribau von Architekt Raúl Sanchez im obersten Stockwerk eines Altbaus bildet da eine Ausnahme und stellt das Badezimmer in den Mittelpunkt. „Von Anfang an legten die Bauherren Wert darauf, dass ihr ‚Spa’, wie sie das Bad nennen, einen wichtigen Stellenwert hat”, sagt Raúl Sanchez. Weil das Paar zu zweit in dem Apartment lebt, spielt die Privatsphäre eine untergeordnete Rolle. „Das Badezimmer ist für sie einfach ein weiterer Raum zum Entspannen“, so der Architekt. In der Tür und Glaswand mit Rahmen aus lackiertem Eisen wechseln sich transparentes und geriffeltes Glas in vier gleich großen Einheiten miteinander ab. „Durch die Wiederholung entsteht eine schöne Komplexität – ich liebe solche Lösungen“, schwärmt Raúl Sanchez.


Schwarz trifft Rosa
Eine ovale freistehende Badewanne sowie ein Waschtisch aus Naturstein sind die dominierenden Objekte in dem mit Mikro-Mörtel in einem warmen Rosaton verputzten Bad. Im hinteren Teil des Badezimmers befinden sich zwei abgetrennte Kabinen, eine für die Toilette, die andere für die Dusche. „Ursprünglich sollte das Bad hauptsächlich grau werden, aber irgendwann kam die Klientin mit einigen Ideen für rosafarbene Elemente. Mir gefiel das und ich dachte, es könnte eine Möglichkeit für etwas wirklich Spezielles sein“, erinnert sich Raùl Sanchez. „Ich kombinierte also das Rosa mit schwarzem Granit, schwarzen Marmor-Leuchten, schwarzen Wasserhähnen und schwarz lackiertem Holz und dazu die Armaturen aus gebürstetem Kupfer, die einfach toll aussehen.“ Das fünfeckige Gästebad im vorderen Bereich der Wohnung ist hingegen streng in Schwarz und Weiß gehalten. Es hat eine Tür zu einem separaten Raum für die Katzentoilette mit einem eigenen Fenster und eigener Lüftung.


Neuer Grundriss, historische Details
Für den Umbau ließ Raúl Sanchez das komplette Objekt entkernen und den Grundriss neu um die tragenden Wände arrangieren. Historische Details wie die parallel zu den großen Fenstern angeordneten Wände blieben erhalten. Die einst dunkle, verschachtelte Wohnung wirkt jetzt hell und einladend. Das liegt unter anderem an den natürlichen Materialien: Parallel zur Außenmauer des Eckhauses verläuft eine Wand aus Eichenholz, hinter der sich großzügige Schränke, Service-Räume sowie das Schlaf- und Ankleidezimmer verbergen.


Rahmenlose Türen mit dezenten Messinggriffen lassen die Wand wie aus einem Guss wirken. Im Schlaf- und Wohnzimmer ist der Boden ebenfalls aus Eiche, jedoch in einem etwas helleren Farbton. Ein Teppich mit sechseckigen Mustern nimmt Bezug auf die Fliesen, die einst den Boden der Wohnung zierten. Im Mittelpunkt der offenen Küche stehen nicht etwa die fliederfarbenen Fronten oder der robuste Marmorblock, sondern eine Schaukel, die dem Raum trotz aller Gradlinigkeit etwas Verspieltes gibt.

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