Bilderrahmen aus Stahlbeton

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Text: Katharina Horstmann


„Schneeland“ wird die Region rundum Minami-Uonuma genannt, die in einem Tal in der Bergregion von Niigata auf der japanischen Hauptinsel liegt. Klimatisch ist das Städtchen durch große Temperaturunterschiede geprägt: Auf heiße, teils schwüle Sommer folgen kalte Winter mit heftigen Schneefällen – daher der Name.  Neben ausgedehnten Waldlandschaften rühmt sich Minami-Uonuma jedoch auch seiner zahlreichen heißen Quellen in der näheren Umgebung. Um den klimatischen Extremen zu trotzen, entwarf der japanische Architekt Satoshi Kurosaki ein aufgeständertes Wohnhaus aus Stahlbeton. Es besteht aus einem großen offenen Raum, in dem es keine wirklichen Unterteilungen gibt – nicht einmal im Badezimmer.
 
 
Das Haus liegt an einer Hauptstraße und wird an beiden Längsseiten von anderen Gebäuden flankiert. Es besteht aus einem torbogenartigen Baukörper, der ein abgehängtes Geschoss aus Stahlbeton aufweist und von einer Pfeilerkonstruktion gestützt wird. Unterhalb des schwebenden Volumens entsteht ein halbgeöffneter und überdachter Innenhof, der als Parkplatz fungiert und zudem Raum für die teilweise bis zu drei Meter hohen Schneemassen bietet.
 
Betonschachtel
 
Besteht das 16 Quadratmeter kleine Erdgeschoss auf dem hinteren Teil des Grundstücks nur aus einem Abstellraum und einem Treppenhaus, ist in der ersten knapp 80 Quadratmeter großen Etage der gesamte Wohnbereich untergebracht. Dieser ist offen gehalten und minimal gestaltet: Sichtbeton, Glas sowie dunkle Hölzer wechseln sich hier ab. Aufgrund der erschwerten Wetterkonditionen im Winter, bei denen große Schneemassen quasi eine Grenze zum Gebäude aufbauen, war es Satoshi Kurosaki von Apollo Architects wichtig, einen Ort zu schaffen, der immer mit seiner Umgebung in Verbindung steht und mit dieser „kommuniziert“. Deswegen gestaltete er einen Raum, der sich sowohl zur Straße als auch nach hinten zum Nachbargrundstück mit einer breiten Glasfläche öffnet und einen herrlichen, wie gerahmt wirkenden Ausblick auf die umgebende Berglandschaft bietet.
 
Offen und Privat
 
Im hinteren Teil des Gebäudes befindet sich der Schlafbereich, im vorderen der Wohnraum, in den die Küche aus dunklem Holz integriert ist. Sie steht vor einer großen hölzernen Schrankbox, die gleichzeitig als Sichtschutz dient. Hinter dieser befindet sich das Badezimmer, schräg gegenüber vom Treppenhaus. Die Außenwand ist mit Glasbausteinen versehen, so dass der Raum vor den Blicken der Nachbarn abgeschirmt ist und dennoch natürliches Licht in ihn gelangt. Von innen wird das Badezimmer von zwei halbhohen Glaswänden eingefasst, die es größer erscheinen lassen und mit weiterem Tageslicht versorgen. Der Raum selbst ist an den Wänden weiß gekachelt und mit anthrazitfarbene Bodenfliesen belegt. Aufgeteilt ist das Badezimmer in zwei Bereiche: Gegenüber einer Glastür, die sich hinter der Schrankbox befindet,  steht ein langer linear gestalteter Waschtisch aus Corian, über dem ein großer schlichter Spiegelschrank für die Unterbringung von Utensilien platziert wurde. Links davon – also direkt vor den Glasbausteinen – befinden sich die Toilette sowie der Bade- und Duschbereich – durch eine gläserne Wand vom vorderen Teil des Badezimmers abgetrennt.
 
Somit gibt es keine Geheimnisse in dem Haus und keine Hemmschwellen – wie so oft in der modernen japanischen Architektur –, was nicht nur das Bad, sondern den ganzen Hauskomplex zu einem offenen und dennoch privaten Ort macht, einerseits von der Umgebung abschirmt und andererseits mit ihr in Verbindung tretend.

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