Bitte Platz nehmen – der Bayerische Landtag München

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Text: Katrin Schamun

Das Maximilianeum in München ist nicht nur ein ehrwürdiges Gebäude sondern auch ein Ort mit bedeutender politischer Vergangenheit. Am 20. Mai 1949 stimmten die Abgeordneten des Bayerischen Landtags nach einer langen Verhandlungsnacht gegen die Verabschiedung des Grundgesetztes der Bundesrepublik Deutschland, das schließlich vier Tage später nach der Annerkennung durch alle anderen Bundesländer trotzdem in Kraft trat. Zur feierlichen Eröffnung des umgebauten Plenarsaales am 13. Dezember 2005 rief der Landtagspräsident Alois Glück in seiner Rede die Erinnerung an den Moment vor mehr als 55 Jahren wach.
Der Neugestaltung des bayerischen Landtags gingen jahrelange Debatten über den Neu- bzw. Umbau voraus. Eine Restauration war dringend notwendig, denn die gegebenen Arbeitsbedingungen hinsichtlich Ausstattung, Beleuchtung, Belüftung und Funktionalität der Abgeordnetenplätze entsprachen nicht mehr den Anforderungen, die heute ein moderner Sitzungssaal erfüllen muss. Das Berliner Architekturbüro von Volker Staab, der Gewinner des im Jahr 2000 ausgeschriebenen Wettbewerbs, war schließlich für den Umbau des Saals beauftragt worden und gab ihm ein völlig neues Gesicht. Die Planer sanierten nicht nur einen historischen Tagungsort, sondern entwickelten zudem eine intelligente Raumidee, die der beengten und geschlossenen Räumlichkeit entgegenwirkt und den Anforderungen an einen modernen Konferenzraum entspricht.
Mit Respekt vor dem historischen Bau und einer behutsamen Sanierung der alten Bausubstanz gestalteten Staab Architekten den historischen Saal in einen modernen Tagungsort um und statteten ihn mit einer gänzlich neuen Innenhülle aus. Die eigens eingebaute Glasdecke lässt den schmalen hohen Raum optisch abgeflacht sowie transparenter und freundlicher erscheinen und verbessert gleichzeitg die natürliche Belichtungssituation im Plenum. In den Saal hinein setzten die Architekten eine Holzschale, die sämtliche Stühle, Galerien und die Rückwand trägt.
Politiker brauchen Zeit, Ruhe und Sitzfleisch für den in Demokratien unumgänglichen Gremiensitzungen. Die vollständig neu gestaltete Sitzorganisation und Bestuhlung im umgebauten bayerischen Plenarsaal erfüllen ausnahmslos diese Voraussetzung für die Landespolitiker. Die Klappstühle aus der Nachkriegszeit ersetzen nun zeitgemäße Sitzmöbel aus dem Hause Sedus. Die Sitzreihen bestehen aus fest auf Schienen montierten aber beweglichen und drehbaren Stühlen. Dabei sind die Bürodrehstühle so angeordnet, dass die Abgeordneten bequem ihre Plätze einnehmen können, genügend Bewegungsfreiheit haben und nicht beengt nebeneinander sitzen müssen, wie alle Abgeordnetengenerationen vor ihnen in den alten festen Bankreihen des historischen Saals. „Mr. Charm“ heißt das komfortable Modell und wurde den technischen Bedingungen vor Ort auf den Leib geschneidert. Die mit rotem Leder bezogenen Drehstühle geben dem Sitzungssaal eine besonders elegante Erscheinung. Das Rot des Leders fällt sofort ins Auge und verbindet sich zu einem harmonischen Zusammenspiel mit der Inneneinrichtung.
Von der erhöhten Zuschauergalerie aus können Besucher, Ehrengäste und Journalisten die Tagungen des Bayerischen Landtags verfolgen. Der Plenarsaal hält einige elektronische Finessen bereit um die Öffentlichkeit über die Sitzungen des Landtags zu informieren. Moderne Medientechnik und vier fest integrierte Kameras für das Fernsehen erlauben Live-Übertragungen im Internet und geben den Bürgern unmittelbar Einblick in den politischen Alltag des Landes, dem hier endlich zumindest optisch ein zeitgemäßes Outfit verpasst wurde.
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