Britisches Flair an der Waterkant

8

Text: Katja Neumann


Je stärker die Tradition, desto massiver die Gegenbewegung. Das erklärt, warum in Großbritannien einerseits Traditionen in einem an Schrulligkeit grenzendem Maße gepflegt werden, während sich andererseits immer wieder Subkulturen und Trends formieren, deren Kompromisslosigkeit ihresgleichen suchen. Tradition und Moderne koexistieren im Königreich mehr oder weniger friedlich und genau diese Gegenpole machen den Reiz den britischen Designs aus. Dieses Nebeneinander der Gegensätze nahm sich Kai Hollmann, Initiator der Hotels Gastwerk und 25 Hours und damit Erfinder des „Affordable Style“ in Hamburg, nun zum Vorbild bei der Konzeption des neuen Design-Hotels „The George“.

„New British“ nennt Hollmann die Designausrichtung, die sich stringent von der Raumaufteilung über die Inneneinrichtung bis zur Hotelbar durch zieht und die Gegensätze des britischen Designs ebenso widerspiegelt, wie die Gegensätze des Hotel-Standorts im Stadtteil St. Georg. Die ehemals düstere Bahnhofsgegend hat sich in den letzten Jahren zum Szeneviertel entwickelt, so dass heute angesagte Cafés und raffinierte Restaurants ebenso zu finden sind wie alteingesessene, zwielichte Bars.

„New British“ an der Alster

An der Barcastraße, nahe der Alster, befindet sich das Vier-Sterne-Hotel The George. Gebaut von den Hamburger Architekten GRS Architekturbüro Reimer + Partner verteilen sich auf sieben Etagen 118 komfortable Zimmer, fünf Juniorsuiten und zwei Suiten, die durch ihre scheinbar kontroverse Einrichtung bestechen: Unterschiedliche Nachttische und zweierlei Lampenschirme, champagnerfarbene Tapeten und bunte Saris als Bettüberwurf existieren neben modernen Flatscreen Fernsehgeräten und einer individuellen Lichtsteuerung. „Das Design soll Spaß machen“ so Projekt-Initiator Kai Hollmann, „und der eine oder andere Widerspruch darf durchaus für nachdenkliche oder schmunzelnde Gesichter sorgen.“ Unter dem Motto „New British“ gestaltete Sybille von Heyden von SynergyHamburg, die für das Interior Design verantwortlich war, die Innenräume mit viel Stoff, üppigen Tapeten und Leder-Möbeln, wobei klassische Schwarz- und Weiß-Töne das Hauptschema des Designs bilden. Besonderes Augenmerk legte Sybille von Heyden auch auf die Auswahl der passenden Schalter und entschied sich für Lichtschalter des Herstellers Berker. Lediglich die Standardfarbe Weiß passte nicht in von Heydens Konzept, sodass die Berker Manufaktur eigens für „The George“ Schalter im gewünschten Farbton Anthrazit herstellte. Der dunkle Holzboden unterstreicht die gemütliche Atmosphäre, die durch viel Glas, lichtdurchflutete Räume, edle Teppiche und bunte Plisséschirme aufgelockert wird. Interkulturelle Einflüsse aus Kolonialtagen mischen sich im gesamten Hotelbereich mit modernen Stilelementen.

Der in orientalischem Marrakesch-Stil gehaltene Spa-Bereich im siebenten Stock bietet dem Auge beruhigende Sandtöne neben knallbunten Spiegelornamenten und gratis dazu, von der hauseigenen, über 250 Quadratmeter großen Dachterrasse, eine besondere Aussicht auf St. Georg und die Alster. Den Hotelgästen steht zudem eine kleine Bibliothek zur Verfügung, in der wuchtige Chesterfield-Möbel und kleine Nischen zum Afternoon-Tea einladen.
Für das lokale Publikum bietet The George eine Bar sowie ein Restaurant. Die Bar, die durch ihr ausgesuchtes Sortiment an Whiskeys und Martini-Variationen glänzt, befindet sich an die Lobby angrenzend hinter einer ungewöhnlichen Sprossenwand aus Holz und Glas, wodurch sich eine rund 150 Quadratmeter große Lounge bildet. Das Restaurant hingegen bietet mediterrane Küche und einen angrenzenden Garten, in dem verwinkelte Nischen zu finden sind. Der Garten wird mit Kunstlicht nur leicht erhellt, Bäume werden von unten angeleuchtet, wodurch eine private Atmosphäre geschaffen wird.

Warme Beleuchtung, gezielt eingesetzt

Die Beleuchtung im The George Hotel entwickelte der Hamburger Lichtplaner Tom Schlotfeldt, der vor der Aufgabe stand, Konzept des „British Style“ auch in der Lichtplanung umzusetzen und die dunkle Gemütlichkeit mit dem Ambiente eines modernen Hotels zu verbinden. So ist das The George, mit der Anmutung eines britischen Membership Clubs, ein bewusst dunkel gehaltenes Hotel. Das Erdgeschoss ist an der Fassade schwarz angestrichen und wird von außen nicht wie sonst üblich flächendeckend angeleuchtet. Lediglich das Erd- und das oberste Geschoss werden angestrahlt, wobei den hellsten Punkt der Fassade der Schriftzug „The George“ darstellt, direkt neben dem durch zwei Bodenleuchten hervorgehobenen Eingangsbereich. Bereits von Weitem sichtbar sind die Stehleuchten auf den Eckbalkonen der Fassade, die zwar Außenleuchten sind, in ihrer Anmutung jedoch eher an Wohnleuchten erinnern. Zudem strömt durch bodentiefe Fenster warmes Licht aus dem Inneren nach außen.

Das Entree ist einem englischen Club nachempfunden. Der Eingangsbereich wird über Wandleuchten und in Deckengräben eingelassene und speziell für das The George angefertigte Downlights erhellt. Bei dieser Sonderanfertigung sind die Leuchtmittel sehr tief in der Leuchte angebracht, sodass das Licht stark von den Seiten des in einem dunklen Messing-Ton gehaltenen Gehäuses reflektiert wird. Das Ergebnis ist ein angenehm warmes Licht. Der Einsatz von Downlights in den vertieften Gräben in der Decke ist eines der Hauptmotive der Lichtkonzeption, da so Blendungen vermieden werden und die Grundbeleuchtung dennoch in der gewünschten Weise erzielt wird. Durch die Kombination verschiedenster warmer Lichtquellen, wie Beistellleuchten oder verdeckte Lichtleisten, entsteht schließlich ein angenehmes Licht- und Schattenspiel bei gleichzeitiger Betonung der einzelnen Bereiche.
Im Barbereich strömt indirektes Licht hinter den Regalen hervor, während im Restaurant ebenfalls Downlights im Deckenbereich eingesetzt wurden. Dominierende Lichtobjekte im Restaurant sind zweifellos die überdimensionalen Pendelleuchten mit schwarzem Plissé- und goldfarbenem Innenstoff, der eine besonders warme Lichtfarbe ermöglicht.
Zudem lässt eine analog zum Tageslichteinfall programmierte Lichtsteuerung verschiedene Lichtszenen zu: so wird beispielsweise die gesamte Beleuchtung zu den späteren Abendstunden automatisch abgedimmt.
Weitere Artikel 13 - 25 von 25 Steiles Dach: Holzhaus in Niederösterreich Rhythmische Eleganz in Hainan Drei Scheiben für Düsseldorf Aufstockung mit Außentreppe Wege des Lichts: <br />
Apartment in Den Haag Gezeichnete Lichtarchitektur Meditativer Lückenfüller Schauspielschule Ernst Busch: Grosses Theater    Minimal Rustikal: <br />
La Maison Gauthier James Turrell: Leuchten im Berg Tanzender Monolith von Marte.Marte Neobarock im Rampenlicht

Täglich neue Themen und Produkte aus Office, Living, Licht, Bad und Küche.