Brotverkauf der etwas anderen Art

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Text: Claudia Simone Hoff
Foto: Matteo Piazza


Es duftet verführerisch nach frischem Brot. Jedoch ist nicht nur der Duft verführerisch, auch das Interieur spricht für sich. Im Gebäude des quirligen Turiner Bahnhofs Porta Nuova gelegen, können die Gäste der VyTA Boulangerie Italiana hier einkehren. So wird die Wartezeit auf den Zug in angenehmer Atmosphäre verkürzt bei einem Cappuccino, knusprigen Brot oder buttrigen Croissant. Die in Rom ansässige Architektin Daniela Colli zeichnet verantwortlich für die Gestaltung des Ladengeschäfts samt Café.


Zwar müssen die Kunden auch hier schnell bedient werden, doch hat das Interieur nur wenig zu tun mit der Unwirtlichkeit und Langeweile üblicher Imbisse. Daniela Colli, die bereits für die Dependancen der Boulangerie-Kette in Neapel und Rom verantwortlich zeichnete, hat die 150 Quadratmeter große Grundfläche des Geschäfts geschickt ausgenutzt.

Spiel der Gegensätze

Im Mittelpunkt der schmalen, langen Raumdisposition steht der L-förmige Tresen aus Corian, den der Kunde gleich beim Eintreten erblickt. Blockartig in seiner Form, ist er ganz in glänzendem Schwarz gehalten, was die unter Glas präsentierten Waren besonders gut zur Wirkung bringt. Das elegante Schwarz steht zudem im Kontrast mit dem anderen raumdominierenden Element: ein von der Decke abgehängtes, wuchtig anmutendes „Dach“, das sich genau über dem Tresen befindet. Die Wuchtigkeit wird allerdings abgemildert durch eine raffinierte Verschalung aus Eichenholz. Sie ist in ihren überlappenden Elementen so geformt, dass sich die Assoziation zu traditionellen Brotkörben ergibt.

Ebenfalls mit Assoziationen zum Thema Brot spielt die dreidimensionale Wandverkleidung. Diese benutzt die Rosetten-Form einer Brotart, die um 1700 traditionell von Arbeitern gegessen wurde. Das Material und die Form der aus Eichenholz gefertigten Elemente finden sich auch bei den Tischplatten wieder. Diese sind umstellt mit dem Stuhlmodell Tom Vac, den der in London ansässige Architekt und Designer Ron Arad 1999 für Vitra entworfen hat – hier in einer schwarzen Version der bequemen Sitzschale aus Kunststoff. Über den Tischen hängen die wie ein gestauchter Kegel geformten Leuchten Tropico von Giulio Iachetti, die der Designer für den italienischen Hersteller Foscarini entworfen hat.

Streng und schlüssig

Der Fußboden der Boulangerie ist mit hochwertigen großen Feinsteinzeug-Fliesen in poliertem Schwarz ausgelegt. Dazu passend ist die Wand, aus der die hölzernen Rosetten hervortreten in glänzendem schwarzem Polymer gehalten, und auch die Deckedes Raumes ist schwarz gestaltet. Das strenge, schlüssige Interiordesign korrespondiert mit der Philosophie der VyTA Boulangerie Italiana, setzt die Marke doch auf die einfache Zutaten – Wasser, Getreide und Feuer –, aus denen die hier verkauften Backwaren vorwiegend in Handarbeit hergestellt werden.
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