Büro auf kleinstem Raum

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Text: Judith Jenner

Designer: Stefan Diez, Partner: Hay

Nicht schlecht, wenn einer der angesagtesten Designer seiner Zeit zu den Dozenten einer Uni gehört. Die Studierenden der School of Industrial Design im schwedischen Lund hatten dieses Glück, gingen bei Stefan Diez in die Lehre und entwickelten mit ihm gemeinsam Produkte für das schöne Büro. Bei der Umsetzung war ihnen Rolf Hay, Mitbegründer der Firma Hay, behilflich.

Besonders kleine Arbeitsräume sollen von den innovativen Möbeln profitieren, die sich die Studierenden im Rahmen des Projekts Inouroffice ausdachten. Wo die Industrie überwiegend Produkte für Großraumbüros entwickelt, sollten gezielt junge Kreative, die sich in der Regel keine Büroetagen leisten können, als Zielgruppe ins Auge gefasst werden.

Entspannung und Arbeit
Auf kleinem Raum ist es naturgemäß besonders schwierig, das Nebeneinander verschiedener Bedürfnisse wie Austausch, Konzentration und Entspannung in Einklang zu bringen. Abhilfe soll der Raumteiler BRB von Fredrika Hansson schaffen. Er ermöglicht, ein Nickerchen zu halten, während parallel gearbeitet wird. Die Studentin erklärt: „Es ist toll, im gleichen Raum zu arbeiten, aber manchmal muss man einfach kurz für sich sein.“ Ihr geht es mit dem Entwurf darum, die eigenen Bedürfnisse im Büro zu berücksichtigen und es sich bei der Arbeit gut gehen zu lassen.

Ruhe und Kommunikation
Die Teeküche oder der Druckerraum sind in vielen Büros die Orte, an denen sich Kollegen begegnen und ins Plaudern kommen. Wenn der Raum knapp ist, dann bietet Coffee Corner von Anna Mattson und Isis Flote einen perfekten Treffpunkt. Der Wandtisch findet auch im kleinsten Büro seinen Platz und kann auch über Eck angebracht werden. Dafür, dass sich Kollegen von den Kaffeetrinkern nicht gestört fühlen, sorgt Fold. Die gefalteten Textilien bringen eine warme Atmosphäre in den Raum und dämpfen außerdem den Schall. Mit dem Wechsel zwischen konzentriertem Arbeiten und Kommunikation spielt auch der Sessel Zip It. Er hat eine hohe Seiten- und Rückenlehne, die Ablenkungen minimiert. Wenn aber ein Kollege kommt und eine Frage hat, lässt sich die Lehne dank eines Reißverschlusses öffnen. Im wahrsten Sinne des Wortes abgeschirmt sind die Arbeitenden unter Umbrella von Malin Yngvesson. Dieser Schirm wird am Schreibtisch befestigt und schützt vor Ablenkungen.

Raum und Licht
Mit der Frage, wie auf kleinem Raum möglichst viele Menschen einen Arbeitsplatz haben, beschäftigt sich der Entwurf von André Gunnarsson. Sein Bunk Desk ermöglicht es, ähnlich wie bei einem Doppelbett, auf zwei Ebenen zu arbeiten. Eine kleine Treppe führt nach oben. Ganz frei lassen sich die Schreibtische mit dem System Workaround anordnen. Es besteht aus transparenten Säulen, in die sich Arbeitsplatten einhängen lassen oder die sich durch „Deckel“ in Stehtische verwandeln. Die richtige Beleuchtung für flexibles Arbeiten bietet Plug & Play. Dank eines variablen Kabels findet die Leuchte ihren Platz dorthin, wo sie gebraucht wird. Auch die Schreibtischleuchten Spot on richten sich nach den Bedürfnissen des Nutzers. Sie  spenden Licht in drei verschiedenen Farbtemperaturen und docken mit ihren magnetischen Lampenschirmen an einer Metallstange an.

Die angehenden Designer geben mit ihren einfallsreichen Produkten dem Thema Office Design eine Leichtigkeit, die große Hersteller oft vermissen lassen. Viele Lösungen wirken so durchdacht und praxisrelevant, dass man sie sich durchaus im Sortiment einer etablierten Firma vorstellen kann. Andere werden wohl über den Status eines humorvoll-provisorischen Prototyps nicht hinauskommen. Aber dafür sind Studentenprojekte ja auch da.

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