Büro zum Anfassen

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Text: Nina C. Müller
Foto: Erik Undehn

In ihrem Portfolio findet man Interiorprojekte für Labels wie Acne Studios, Arket oder Byredo. Gerade kam ein weiteres schwedisches Unternehmen hinzu. Diesmal entwarfen Christian und Ruxandra Halleröd ein Interieur, das gleichsam als Büro, Lounge und Showroom dienen sollte. Mit einem Hintergrund in Handwerk, Design und Architektur, viel Feingefühl für Materialien und Licht sowie einer Leidenschaft für italienische Möbelklassiker, gelang dem Duo aus Designer und Architektin ein Konzept, das alle Sinne anspricht, und eine Architektur, die berührt.

Ein multifunktionaler Raum, der gleichsam als Arbeits-, Meeting- und Ausstellungsraum dienen sollte: So lauteten die Anforderungen an Studio Halleröd, das schon zuvor diverse Objekte für ihren Stockholmer Bauherren, ein Unternehmen für Schreibtafeln, Pinnwände und Schallabsorber, entworfen hatte. Auch diesmal loteten sie die Möglichkeiten in Sachen Optik, Akustik und Haptik aus. Und schufen ein stimmiges Ganzes.

Fließende Materialien
Die Räume im Erdgeschoss eines Familienhauses aus den Dreißigerjahren im zentral gelegenen Stadtbezirk Södermalm warteten mit besonderen Qualitäten auf. Deckenhöhen von vier Metern und große hölzerne Fenster, die viel natürliches Licht ins Innere lassen, legten es nahe, auf aufregende Gestaltungselemente zu verzichten. Stattdessen nahmen die Planer die architektonischen Aspekte ins Visier und setzten den Fokus auf die materiellen Eigenschaften der drei Bereiche.

„Wir wollten das Volumen und das Licht des Raumes in den Vordergrund stellen und haben die Raumaufteilung so sauber und klar wie möglich gestaltet, ohne störende Elemente“, sagen sie. Um die ungewöhnliche Höhe auszunutzen, wählten sie lange Leinenvorhänge und eine flottierende Deckenbeleuchtung aus Leuchtdioden. Die Wände verkleideten sie mit massiven, vertikal verlegten Zedernholzlatten, die den Raum zusätzlich optisch strecken und eine elegante, warme Stimmung im sonst reduziert gestalteten Umfeld verbreiten sollen. Dazu kombinierten sie Vorhänge aus Leinen, fein geschliffenen Estrich und handgeknüpfte Teppiche aus Nessel, Jute und naturgefärbter Wolle. Kontrast kommt durch dunkelblaue Wandfarbe, organisch geformte Kunstwerke und Grünpflanzen. Besondere Aufmerksamkeit schenkten sie aber dem Mobiliar.

Starke Charaktere
Auch hier kamen Naturmaterialien zum Einsatz: Regale und Tische aus Zeder und aus massivem Wallnussholz. Besondere Akzente setzten die Schweden mit italienischen Möbelentwürfen. Im Meetingbereich trifft man auf Stühle von Luigi Caccia Dominioni aus dem Jahr 1958, die das Duo durch ihren „starken Charakter“ überzeugten. In der Lounge sind es vor allem die Sessel von Paolo Deganello aus den Siebzigerjahren, die den Räumen eine experimentelle Formensprache und ein Gefühl von Leichtigkeit verleihen.

Durchgängig verkörpern Oberflächen, Objekte und Textilien ein Faible für Strukturen und Texturen, die im besten Sinne für die Unternehmensphilosophie der Auftraggeber steht. Alles in allem ein sensibles Spiel aus reizvollen Oberflächen, bei dem die Kakteen in der Lounge das Einzige sind, was man nicht berühren möchte.

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