Cafe Aalto: Silhouette in Seoul

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Text: Jeanette Kunsmann, Foto: Teo Yang Studio

Partner: Artek

Demut vor dem „Magus des Nordens“: Der koreanische Designer Teo Yang versteht sein Interior für das Aalto Café in Seoul ganz im Sinne des berühmten Namensgebers. Mit organisch-geschwungenen Formen, warmen Lichtreflexionen und edlem Birkenholz führt er die Ideen von Alvar Aalto fort. Und setzt damit gleichzeitig einen spannungsvollen Kontrast zu dem strengen Architekturkonzept von David Chipperfield.

Die Adresse müsste in Seoul längst bekannt sein: Der neue Hauptsitz für das südkoreanische Kosmetikunternehmen AmorePacific Corporation ist das erste Bauprojekt, das David Chipperfield Architects in Seoul realisiert haben. Der riesige Kubus mit seiner leichten Fassade aus weißstrahlenden Aluminiumstäben will ein dynamischer Ort in der wachsenden Metropole sein, und so ergänzen eine Reihe diverser Nutzungen wie ein Museum, eine Bibliothek, ein Auditorium und verschiedene Läden das Headquarter. Auch das Aalto Café im Erdgeschoss lockt immer mehr Besucher und Gäste an. Dafür dürften nicht nur das kunstvolle Gebäck der Konditorei sorgen, sondern auch das Interior, das von dem Teo Yang Studio behutsam im Geist des Namensgebers entwickelt wurde.

Indirektes Licht sorgt für die Gemütlichkeit – der zentrale Lesetisch bildet eine Insel, die sich in der Decke spiegelt.

Gehörten für Alvar Aalto Licht und Architektur stets zusammen, denkt auch der koreanische Gestalter den Raum im Zusammenspiel mit der Möblierung, den eingesetzten Materialien und einem ausgefeilten Lichtkonzept. Einen besonderen Blickfang bildet die freigeformte Aussparung in der Decke, die an die berühtme Silhouette der Savoy Vase erinnert: In ihr spiegelt sich das Treiben um den zentralen Tresen mit dem umlaufenden Lesetisch. Die eingebaute indirekte Beleuchtung verstärkt die Reflexion und sorgt gleichzeitig für ein warmes und gemütliches Licht. 

Begleitend dazu setzt Teo Yang auch die Artek-Leuchte Golden Bell ein, die Alvar Aalto 1936 ursprünglich für das Restaurant Savoy in Helsinki entworfen hatte. Für ihr besonders warmes Leuchten ist die „Goldglocke“ bis heute beliebt. Auch für die Bestuhlung greift auf Artek-Klassiker zurück und wählt passend zu den flankierenden Lamellenwänden aus heller Birke den Stool 60 und den Stool 66. Mit den hölzernden Wellen an der Wand und dem konisch zulaufenden Lesetisch fühlt man sich fast wie auf einem Schiff und taucht hinein in die Welten des finnischen Gestaltungspioniers Alvar Aalto, der liebendgern mit seinem Boot durch die Wellen fuhr.

Die Lamellenwände schlagen Wellen.

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