Charta des Lichts - ein Masterplan für Wien

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Text: May-Britt Frank

Der Stadt Wien wurde am 11. November diesen Jahres, im Rahmen der LUCI- Vollversammlung in Shanghai, bei der Verleihung des international City People Award für repräsentative städtische Beleuchtungsprojekte der 1. Preis verliehen. Der Wettbewerb verfolgt das Ziel, Beleuchtungen weltweit zu einem zentralen Element der Stadtplanung, Architektur und des gesamten städtischen Lebens zu machen. Die fünf ausgezeichneten Projekte Wiens sind Teil eines strategischen Konzeptes, dem Masterplan LICHT, der seit Anfang 2006 erarbeitet wird. Damit reiht sich die österreichische Hauptstadt in eine noch junge Tradition zur Verbesserung des Beleuchtungsniveaus der europäischen Städte ein.
Aus den Erfahrungen, die bei Lichtplanungen im öffentlichen Raum in den letzten Jahrzehnten in Europa gemacht wurden, haben sich bis heute Handlungsansätze entwickelt, die bei der Umsetzung von Masterplänen Berücksichtigung finden. Dennoch, einen geregelten Handlungsablauf, wie ihn die HOAI beim Planungs- und Bauprozess eines Gebäudes vorgibt, gibt es noch nicht. Strategien im Vorgehen und der Planung werden deshalb von den Beteiligten immer wieder neu erarbeitet. Die Initiativen gehen meist von den Stadtplanungsämtern oder Geschäftsleuten aus, die feststellen, dass der öffentliche Raum unattraktiv ist und „Leute weg bleiben“ (Aus: Licht für Städte, Ulrike Brandi und Christoph Geissmar-Brandi, Birkhäuser, 2006, Seite 25). Vorbild und innoffizielle Lichthauptstadt Europas ist Lyon, das gemeinsam mit bedeutenden Lichtgestaltern Ende der 1980er Jahre erstmalig ein umfassendes Beleuchtungskonzept erarbeitet und im Verlauf der 1990er Jahre umgesetzt hat. Die dort entwickelten Maßnahmen dienten seither vielen Städten als wesentlicher Bestandteil der eigenen Planungen.
Der Masterplan LICHT für Wien
Als gesamtstädtische Dimension, mit dem Zentrum, den Flüssen und den umliegenden Grünbezirken soll das nächtliche Wien ein neues Gesicht bekommen, um die Schönheit der Stadt auch in der Nacht zu zeigen und deren Besonderheiten unter Berücksichtigung und Abstimmung des Gesamtensembles hervorzuheben. Der Masterplan LICHT für Wien soll eine solide Basis für eine offene Kooperation zwischen Planern, Künstlern, Denkmalpflegern, Historikern und der Stadt Wien bieten, die in regelmäßigen Abständen evaluiert und angepasst werden kann.
Die Makroebene - das gesamte Stadtgebiet
Zum einen wird ein gesamtstädtischer Maßstab angelegt um das Stadtgebiet aufgrund der Topografie, wie Berge oder Flussufer, nach ihren Haupt- und Nebenverkehrsadern und nach ihren historisch gewachsenen Strukturen zu analysieren. Die wichtigsten Landmarks werden auf ihre Fern¬wirkung und Bedeutung für die Orientierung in der Stadt untersucht und gegebenenfalls ergänzend be¬leuchtet. Dabei wird der aktuelle stadtplanerische Standard gemäß dem Stadtentwicklungsplan laufend in den Masterplan eingebunden und mit der Schaffung von neuen Maßnahmen auf Veränderungen reagiert.
Die Mikroebene - innere Strukturen
Parallel dazu werden in einem detaillierten Maßstab die einzelnen Gebiete anhand der Nutzungs¬strukturen – wie touristische Attraktionen, Sehenswürdigkeiten, bedeutende Bauwerke, Wohngebiete, Vergnügungsviertel, Kulturmeilen, Gastronomie, Industrie- und Erholungsgebiete etc. – untersucht. Für die Inszenierung der Charakteristika, die in Summe die Identität eines Stadtviertels ausmacht, eignet sich das Werkzeug Licht besonders gut. Sowohl vorhandene als auch verborgene historische Strukturen werden so sichtbar gemacht. Die Gewichtung von helleren und dunkleren Zonen sowie die Differenzierung von weißem, gelbem und farbigem Licht ermöglicht es, Schwerpunkte zu setzen und die Aufmerksamkeit zu lenken. So können auf intuitiver Ebene Informationen bzw. Inhalte vermittelt werden. Neben Sicherheit in der Dunkelheit, architektonischen Aspekten und dem Vermeiden einer in vielen Städten zu verzeichnenden Lichtverschmutzung stehen Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit im Vordergrund der zu realisierenden Projekte.
„Eine der häufigsten Schwierigkeiten bei der Umsetzung eines Licht-Masterplans liegt in der dafür erforderlichen Zeit. Fünf bis zehn Jahre beträgt das Minimum für die Realisierung aller entsprechenden Planungen. Allerdings nur in Städten, die bereits über eine nennenswerte Anzahl von Beleuchtungen bzw. Illuminationen verfügen.“ (Quelle: Stadtlicht, Alexander Schmidt und Martin Töllner, Fraunhofer IRB Verlag, 2006, Seite 56)
Die Stadt Wien hat für die Umsetzung des Masterplans einen gesunden Zeitraum von 10 Jahren gewählt und mit dem 1. Preis des International City People Award bereits bewiesen, dass die Umsetzung der konkreten Projekte eine hohe urbane Qualität aufweist. Wir können also gespannt sein, was die berühmte Stadt an der in den nächsten zehn Jahren noch an interessanten Projekten vorweisen wird.
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