Das Haus als Dorf: Turmhäuser in Südtirol

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Text: Jeanette Kunsmann, Foto: David Schreyer

Wohnen geteilt durch vier hoch drei: Diese Rechnung stammt von dem Wiener Architekturkollektiv feld72. Das Ergebnis ist ein Haus als Dorf und steht inmitten der norditalienischen Gemeinde Kaltern.

Die Architekten Anne-Catherine Fleith, Michael Obrist, Peter Zoderer, Mario Painter und Richard Scheich sind in Kaltern keine Unbekannten. Ihr Büro feld72 hat in den vergangenen zehn Jahren eine ganze Reihe verschiedener Projekte für die überschaubare Gemeinde an der Südtiroler Weinstraße erarbeitet und realisiert: darunter eine hübsche Anlage mit 25 Wohneinheiten, Spielstraße und Blick auf die Berge sowie ein Einfamilienhaus.

Da das beste Argument eines Architekten seine Gebäude sind, haben feld72 also die beste Werbung für sich im Ort. Der Auftraggeber dieser Wohntürme ist der jüngere Bruder der letzten Bauherrin aus Kaltern. Auch er wünschte sich seine eigenen vier Wände, die auf einem Grundstück in der Nähe des Eltern- und des Schwesternhauses entstehen sollten. Aber das Wiener Architektenquintett hatte eine andere Idee. Und schlug für Haus D einen Entwurf vor, bei dem sich vier Turmhäuser um eine Mitte gruppieren. „Das Haus als Dorf“ betiteln die Architekten dieses unkonventionelle Konzept.

Pläne
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Mit viel Mut und Vertrauen auf Seiten des Bauherrn und einer geschickten Planung der Architekten teilen sich die 185 Quadratmeter Wohnfläche auf dem kleinen Grundstück in vier einzelne Bauten mit unterschiedlicher Geschosshöhe, die nur als gemeinsames Ensemble funktionieren. Jeder Turm folgt dabei seiner Bestimmung: Die Nassräume befinden sich im sogenannten Wasserturm, die Treppen, die alle Ebenen miteinander verknüpfen, im Stiegenhaus und die anderen beiden Türme nehmen die Küche sowie Schlaf- und Kinderzimmer auf.

Während die Häuser im Erdgeschoss einen offenen Platz bilden, verbindet in der oberen Etage eine Brücke die vier Einheiten und deren Zimmer, die als Rückzugsräume gedacht sind. Das oberste Geschoss des höchsten Turmhauses führt zur Terrasse. Da die Raumhöhen alle etwas variieren, ergeben sich neue Raum- und Sichtsituationen zwischen den Türmen. Zur Straße zeigt sich das Wohnensemble mit seinen kleinen Burgfenstern fast etwas verkniffen – die großen Fenster haben die Architekten nach hinten ausgerichtet. Und da die vier Einheiten über Glasfugen zu einem Haus verschmelzen, bleibt es im Zentrum stets angenehm hell und das Licht kommt von allen Seiten.

Blick ins Schlafzimmer

Als kleines Gesamtkunstwerk haben feld72 auch den Innenausbau mit Schrankeinbauten und Möblierungen übernommen und die Fassadenfarbe ausgewählt. Und da die Architekten hier besonders konsequent arbeiten, findet sich der feine Pistazienton nicht nur außen, sondern auch im Inneren der Türme wieder.

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