Das Katzenhaus

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Text: Nina C. Müller
Foto: Alexandre Delaunay

Tierliebhaber wissen es längst. Aber es gibt auch Forscher, die behaupten, Hunde und Katzen machten glücklich. Und nicht umsonst heißt es ja, der Hund sei der beste Freund des Menschen. Die Beziehung zu Katzen ist da etwas anders geartet. Wer einen Stubentiger zuhause hat, fühlt sich bisweilen eher als geduldeter Mitbewohner denn als stolzer Halter. Spätestens, wenn das Bett zum Schlafplatz oder das Sofa zum Kratzbaum wird. Eine Pariser Familie ahnte es und schuf ein gemütliches Territorium für den flauschigen Hausherren – und ein durchdachtes Zuhause für sich selbst.

154 Quadratmeter sind ein seltener Luxus in Paris. Wohnraum ist in der Zwei-Millionen-Einwohner-Metropole bekanntlich begrenzt. Wer ihn hat, versucht das Beste oder zumindest etwas Ungewöhnliches daraus zu machen. Eine junge Familie beauftragte Alexandre Delaunay, der sich mit seinem in Paris und New York ansässigen Architektur- und Designbüro namens Sabo ein bemerkenswertes Ziel gesetzt hat. Sabo steht für Sabotage. Indem er die Substanz von Kultur- und Wohnbauten sabotiere, entwickle er ungewöhnliche Lösungen, sagt der mehrfach ausgezeichnete Architekt. Und er hat recht.

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Sowohl den Grundriss als auch die Gestaltung des Pariser Apartments dachte er von Grund auf neu. Das musste er auch, denn ursprünglich bestand es aus zwei identischen, sich überlappenden Wohnungen. Während der Architekt im unteren Geschoss private Räume wie Schlaf- und Arbeitszimmer ansiedelte, sah er die obere Etage als Gemeinschaftsbereich vor. „Im Wohnzimmer waren die Wände vollständig mit gelbem Stoff bedeckt“, erzählt er. Davon lässt sich inzwischen nichts mehr erahnen. Zudem entfernte er kleinere Trennwände und alle vorhandenen Schränke, Fliesen, Wandverkleidungen, Tapeten, Sanitär- und Beleuchtungskörper.

Trennen und verbinden
Mit einer einheitlichen Farb- und Formensprache verwandelte Delaunay die Küche sowie Ess- und Wohnbereiche in eine helle, harmonische Einheit mit fließenden Übergängen. „Dem jungen Paar gefiel die Idee, einfaches Material zu verwenden und auf Prunk zu verzichten“, so der Architekt, dem die Bauherren große Gestaltungsfreiheit ließen. Die Hauptebene ist als einzelner, offener Raum konzipiert, die von Birkensperrholz, weißem Kunstharz und Beton definiert wird.

Als verbindendes Element dienen neben den Farben und Materialien auch Steckwände in Eingangsbereich, Wohn- und Hauptschlafzimmer. Sie ermöglichen flexible Aufbewahrungslösungen und immer neue Wandgestaltungen. Gleichsam sorgte Delaunay aber auch für bedarfsweise Abschottungen. In die Küche integrierte er eine Schiebetür, die den restlichen Wohnraum abtrennt. Mit der Entscheidung, die Schlafzimmer in der unteren Etage anzusiedeln, werden die Bewohner vom Lärm der Nachbarn geschützt.

Über den Dächern von Paris
Als Zubringer nach unten integrierte Delaunay eine Wendeltreppe, ebenfalls  aus Birkenholz. Von einer konisch geformten Kuppel überdacht, verbindet diese nicht nur die beiden Ebenen, sondern holt auch den Himmel ins Innere. So wird sie zu einem echten Highlight im Zentrum der Wohnung, das nicht nur die Stufen und den gesamten oberen Stock mit natürlichem Licht flutet, sondern auch uneingeschränkte Blicke über die Stadt ermöglicht.

Das geschwungene Geländer der Treppe ragt aus dem Boden und setzt sich nach oben als Abgrenzung zum Umraum fort. Mit einer Tür versehen, ist es rundum verschließbar und schützt die Kinder vom Hinunterfallen. „Sie soll aber auch den Kater von den Schlafzimmern fern halten“, so Delaunay. Sein Reich ist der obere Wohnbereich. Und hier genießt er exklusive Zugänge. Bogenförmige Öffnungen in den hölzernen Wänden und Schränken der Küche gewähren ihm auch bei geschlossener Schiebetür Durchlass und einen ganz privaten Rückzugsort – das perfekte Retreat also für den schwarz-weißen Streuner.

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