Das Manga der Friseuse

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Text: Claudia Simone Hoff
Foto: Lee Pyo-joon


Ein von Lockenwicklern umrahmtes, rundes Gesicht: Permy ist das Maskottchen eines Friseursalons in Korea. Und Permy hat nur einen Wunsch: Sie möchte Menschen schöner machen. Gestaltet ist das Maskottchen und auch das Interieur des Salons in der bonbonhaften Ästhetik eines japanischen Mangas: reduziert auf das Wesentliche, farblich und grafisch klar umrissen – mit einem gewissen Schuss mädchenhafter Niedlichkeit.


Permy ist es auch, die die Kunden schon draußen begrüßt: als rundes Leuchtschild über der Eingangstür. Bereits die Fassade des nur 36 Quadratmeter großen Friseursalons fällt auf. Strahlend weiß, ist sie wie ein Modul vor die eigentliche, sehr gewöhnliche  Fassade aus bräunlichem Klinkerstein gesetzt. Mit einem Schrägdach, einem Fenster und einer Eingangstür versehen – fast wie ein alleinstehendes, einstöckiges Haus. Durch die große gläserne Eingangstür kann auch der rasch vorbei Eilende ein Blick in das Innere werfen.

Aus Mülleimern wird Licht

Für die Gestaltung des Interieurs zeichnet der Designer Young-sub Yoon des in Seoul ansässigen Büros m4 verantwortlich. Der Salon Permy-mi jang won besteht aus drei Räumen: Kundenbereich, Teeküche sowie Abstell- und Lagerraum. Wände und Möbeleinbauten leuchten in einem strahlenden Himmelblau, während die Decke vollständig von einer Lichtinstallation ausgefüllt wird. Hier bilden umgedrehte, weiß-durchsichtige Müllkörbe aus Kunststoff eng aneinander gedrängte Lampenschirme, die den gesamten Kundenbereich ausleuchten – so schön und praktisch zugleich kann Zweckentfremdung zuweilen sein.

Frischekick in Blau-Weiß

Das Dachdetail der vorgesetzten Fassade setzt sich im Inneren fort: als dachartiger Zugang zu den beiden hinteren Räumen. Hauptraum jedoch ist der Kundenbereich, den man direkt von der Straße aus betritt. Durch die weit gefasste Glastür und ein zusätzliches Fenster wird er ausreichend mit Tageslicht versorgt. Auf der linken Seite des nahezu quadratischen, mit weißen Fliesen ausgestatteten Raums stehen üppige Friseursessel vor hohen Spiegeln. Unter den abgerundeten Spiegeln mit türkisfarbenen Rahmen sind ebenfalls türkise Ablagecontainer mit weißen Türen angebracht. Dort kann all der in einem Friseursalon notwendige Kleinkram verstaut werden: egal ob Kämme, Bürsten, Föne oder Schönheitswässerchen. Und so fällt eines sogleich auf: die Aufgeräumtheit des Interieurs.

Alles in bester Ordnung

Nirgendwo gibt es hier ein zu viel – weder bei der Dekoration, noch bei den Accessoires oder den täglich genutzten Dingen; ein Eindruck, der durch die kühle Farbgebung Weiß-Himmelblau noch verstärkt wird. Doch gerade diese Aufgeräumtheit und durchgehende Farbbehandlung von Raumelementen wie Fußboden, Decken und Wänden sowie der Einbauten und Möbel lassen den doch relativ kleinen Friseursalon um einiges größer wirken, als er tatsächlich ist.

Neben den vor den Spiegeln angeordneten drei Friseursesseln steht im offenen Kundenbereich ein türkiser Tresen sowie ein ebenfalls türkiser, abgerundeter Tisch mit sechs weißen Stühlen. Die Wand hinter der kurzen Seite des Tischs ist mit ebenfalls türkisfarbenen, abgerundeten Regalen versehen – analog zum Design des Tischs. Hier stehen nicht, wie der praktisch denkende Europäer vermuten würde, Haar- und Hautwässerchen zum Verkauf aufgereiht, sondern weiße Henkeltassen. Und jetzt kommt wieder Permy ins Spiel, sind die Tassen doch mit ihrem Konterfei bedruckt. Mal ist sie glücklich, mal wütend, mal gelangweilt, mal trägt sie gar einen Schnauzbart. Permy ist als cartoonartige Figur neben der konsequent durchgehaltenen Farbgebung und der sparsamen Möblierung die gestalterische Konstante des Interieurs. Fragt sich nur noch, woher ihr Name stammt. Ganz einfach, ist der doch die Zusammenziehung von zwei englischen Wörtern: perm (Dauerwelle) und mommy. So einfach kann Corporate Design zuweilen sein.
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