Das bewegte Haus

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Text: Jeanette Kunsmann, Foto: Weisswert, Basel

Architektur aus dem Baukasten und für jeden Ort: Movable House nennen Shadi Rahbaran und Ursula Hürzeler ihren Prototypen für ein „bewegbares“ Wohnhaus. Das Pilotprojekt der beiden Basler Architektinnen befindet sich gerade in der Testphase: Eine vierköpfige Familie wohnt Probe, bevor die Produktion beginnen kann.

Vier Monate hat es gedauert, bis alle Bauelemente hergestellt waren, einen weiteren Monat nahm die Aufbauphase am ersten Standort in Riehen in Anspruch. Ursula Hürzeler und Shadi Rahbaran können zufrieden sein, sie warten nun auf die ersten Testergebnisse. Alle zehn Minuten messen Sensoren die Raumtemperatur sowie die Temperatur von Boden und Erdreich – auch der Verbrauch von Heizung, Strom und Wasser in dem Pavillon wird ermittelt. Verantwortlich für die Messdaten ist das Institut Energie am Bau der Fachhochschule Nordwestschweiz, die mit dem Studio Rahbaran Hürzeler Architekten für das Movable House zusammenarbeiten.

Die Idee hinter dem Projekt ist schnell skizziert. Ein privater Bauherr wünscht sich ein eingeschossiges Wohnhaus, das für keinen bestimmten Ort entworfen ist, sondern sich abbauen und woanders wiederaufbauen lässt. Die Schweizer Architektinnen standen damit vor der Herausforderung, eine Konstruktion zu finden, die leicht ist, sich gut aufbauen und transportieren lässt und dennoch einen lebenswerten Raum schafft. Technische Innovationen und energieeffiziente Systeme sollen das Movable House zu einer nachhaltigen Architektur machen.

Pläne
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Der kreuzförmige Grundriss gliedert die Fläche von knapp 100 Quadratmetern, wobei eine zentrale Rotunde alle Räume miteinander verbindet. Dieser kreisrunde Raum dient nicht nur als Flur, sondern ist ebenso Bibliothek und Rückzugsort. Shadi Rahbaran und Ursula Hürzeler ließen aus einer klugen Kombination von Beton und Holz verschiedene vorfabrizierte Fertigteile produzieren, die sich als Module vor Ort aufbauen lassen. „Im Vergleich zu herkömmlichen massiven Betondecke wurden bei der vorfabrizierten Rippendecke 70 Prozent Beton eingespart“, erklären die Architektinnen. Diese Materialeinsparung senke einerseits die Umweltbelastung und Investitionskosten auf ein Minimum und vereinfache andererseits auch gleich den möglichen Rück- und Wiederaufbau. Außergewöhnlich sei dabei die Kombination dieses neu entwickelten vorfabrizierten Deckensystems mit dem Holzelementbau. „Das Aufrichten der vorgefertigten Holzkerne und des Deckensystems vor Ort erfolgte in nur zwei Tagen“, erinnert sich das Duo.

Die auskragenden Dachelemente aus vorgespanntem Beton werden von vier Holzvolumen getragen. Auch wenn das Haus für keinen bestimmten Ort geplant ist, solle es sich durch die übereck verglasten Wohnräume zur jeweiligen Umgebung öffnen. Und obwohl kostengünstig gebaut werden sollte, erlaubt der reduzierte Materialeinsatz in Kombination mit dem vereinfachten Aufbau die Wahl hochwertiger Baustoffe wie zum Beispiel einem Furnierschichtholz aus Buche für die tragenden Kerne. Die Betonelemente bestehen aus Weißzement mit Zuschlägen von Carrara Marmor.

© Weisswert, Basel

Als nächster Schritt folgt die Produktion: Das Pilotprojekt soll dafür die Grundlagen sammeln. Das Team von Ursula Hürzeler und Shadi Rahbaran kann das Baukastensystem dann dementsprechend anpassen und auch erweitern. Zukünftige Auftraggeber erhalten so ein Fertighaus aus Architektenhand mit der Freiheit, weiterzuziehen. In Zeiten einer immer mobiler werdenden Gesellschaft ein praktischer Gedanke.

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