Das introvertierte Haus

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Text: Katharina Horstmann
Foto: Hiroki Kawata

Im japanischen Sennan entwarf der Architekt Mitsutomo Matsunami ein Minihaus, das ganz nach innen ausgerichtet ist. Sein geschickt angelegter Grundriss schafft Zwischenräume, die zugleich Geschlossenheit und Offenheit suggerieren.

In den dicht besiedelten Gebieten Japans besteht die größte Herausforderung darin, geeignetes Bauland zu finden. In der Regel handelt es sich um Lücken mit eng angrenzenden Nachbarbauten. Ein weitschweifender Ausblick oder Platz für einen Garten bilden eine seltene Ausnahme. Viele japanische Architekten begegnen dieser Ausgangslage mit experimentellen Lösungen: Sie planen Häuser nicht von innen nach außen heraus, sondern von außen nach innen. Dabei verlegen sie Gärten in den Innenraum oder bauen, wie Mitsutomo Matsunami, Häuser in Häusern.

Aneckende Ausrichtung
Die Besonderheit seines nach außen hin eher unauffälligen Einfamilienhauses in Sennan zeigt sich schon an seiner Ausrichtung: Anstatt den Grundriss konventionell parallel zur Straße zu legen, eckt der 93 Quadratmeter große Bau am Nachbarsgrundstück an und schafft Gartenkeile, die den Lichteinfall begünstigen und den minimal vorhandenen Ausblick reizvoller gestalten. Im Innenraum schuf Mitsutomo Matsunami eine innere und eine äußere Hülle: Er platzierte in die Mitte des Hauses einen zweiten Bau, dessen Außenwände er mit Eichenholz verkleiden ließ – ein Material, das in den Fußböden des gesamten Entwurfs aufgegriffen wird und einen warmen Kontrast zu den weißen Wänden des Hauptgebäudes bildet.

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Geschlossene Offenheit
Während das elterliche Schlafzimmer im Untergeschoss liegt, beherbergt der innere Bau die beiden übereinanderliegenden Kinderzimmer, wobei das eine vom Erdgeschoss und das andere von der ersten Etage zugänglich sind. Ihre Außenwände sind mit fensterähnlichen Öffnungen versehen, die für natürliches Licht und Ventilierung sorgen und Ausblick auf die gemeinschaftlichen Bereiche in der Zwischenetage und im Obergeschoss freigeben. Der Zwischenraum windet sich über eine kleine Treppe vom Eingang nach oben in das Wohnzimmer und von dort über eine weitere kleine Treppe in das Esszimmer und die Küche. Auf Türen wurde hier gänzlich verzichtet. Somit wird gleichzeitig eine Offenheit erzeugt, die der Geschlossenheit des Einbaus entgegenwirkt und das Minihaus weit großzügiger wirken lässt als es tatsächlich ist.

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