Der Nebelfänger: Wie man Wasser aus der Luft gewinnt

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Text: Tanja Pabelick

Ein Bambusturm steht wie eine grazile Skulptur in der kargen äthiopischen Landschaft. Sein Skelett und seine zarte Haut wirken filigran und fremd. Er ist Landmarke, Dorfzentrum und Wasserquelle zugleich.

Die Geschichte des Nebelfängers Warka Water begann vor fünf Jahren mit einer Reise nach Äthiopien. Der Trip auf ein Hochplateau im Nordosten des Landes war für den italienischen Architekten und Künstler Arturo Vittori, wie er erzählt, „eine Begegnung mit einer dramatischen Realität“. „Die Dorfbewohner der ländlichen und isolierten Gemeinde lebten zwar in dieser fantastischen Landschaft, aber ohne fließendes Wasser, Duschen oder Toiletten.“ Das nächste Wasserbecken lag Meilen entfernt, die Frauen und Kinder füllten dort täglich ihre Kanister.

Bis zu 100 Liter sauberes Wasser sammelt ein Turm am Tag. Foto: © Warka Water

Die schwere Last zurückzutragen war anstrengend, das Wasser ein hygienisches Risiko. Arturo Vittori, der in Bomarzo das Studio Architecture and Vision führt, wollte eine Alternative entwerfen, die für die Bewohner der Dorze sozial, ökologisch und finanziell funktioniert. Noch im selben Jahr begann ein Projektteam des Büros mit dem Prototypenbau von Nebelfängern, 2015 stand der erste Testturm. Er ist 9,50 Meter hoch, wiegt gerade einmal 80 Kilo und holt täglich bis zu 100 Liter Wasser aus der Luft. Für die Konstruktion der tragenden Dreiecksstruktur haben die Architekten auf das leicht biegsame und stabile Naturmaterial Bambus gesetzt. Im Innern hängt ein Kunststoffnetz, in dem sich Tau und Nebel in Tropfen absetzen, die dann in einem zentralen Kollektor aufgefangen werden. Zusätzlich wurde ein umlaufender Baldachin installiert, der die Verdunstung des gesammelten Wassers verhindert, aber auch einen schattigen Gemeinschaftsort für die Dorfbewohner schafft.

Warka Water ist in erster Linie ein Architekturprojekt, es sollte nicht als die eine Lösung für alle Wasserprobleme verstanden werden“, erklärt Vittori. Als Werkzeug gegen Wassermangel sind die filigranen Türme aber nicht zu unterschätzen. Selbst wenige Liter können für nachhaltige Veränderungen sorgen. Die Dorze haben nun nicht nur sicheres Wasser, sondern auch Zeit und Raum für andere Aktivitäten.

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