Die Ordnung der Dinge: eine Kanzlei in New York

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Text: Jeanette Kunsmann
Foto: Aviad Bar-Ness

Partner: USM

Architekten und Anwälte teilen einige Eigenheiten, darunter die tiefverwurzelte Vorliebe für Schwarz und Weiß. Das New Yorker Ghiora Aharoni Design Studio kleidet eine Kanzlei in Manhattan mit einem Interieur, das „wie ein sehr gut entworfener schwarzer Anzug“ sitzt. Dafür sorgen die schwarz funkelnden Systemmöbel von USM, die auch im Architekturbüro von Ghiora Aharoni an der Fifth Avenue im Mittelpunkt stehen.

Wer als Rechtsanwalt in Manhattan arbeitet, möchte ungern den Standort wechseln. So geht es auch dem Leiter einer renommierten New Yorker Kanzlei, die auf Kunst und Unterhaltung spezialisiert ist. Wenn die Anzahl der Mitarbeiter wächst, braucht man aber eines Tages schlichtweg mehr Platz. Das Büro im Hammacher Schlemmer Building in der 57. Straße, einem Hochhaus aus den Zwanzigerjahren, wollte trotzdem keiner der Anwälte verlassen.

An diesem Punkt kommt das Ghiora Aharoni Design Studio ins Spiel, sein Auftrag: die Büroetage neu zu planen, sodass die Kanzlei weiterhin an der gewohnten Adresse bleiben kann. Die Herausforderung war dabei der unbedingte Wunsch, die bisherige Raumaufteilung nicht aufzugeben. Die Rechtsanwälte arbeiten in separaten Büros mit Blick nach draußen, während die Verwaltungsangestellten in der Mitte der Etage sitzen.

Innenarchitekt Ghiora Aharoni antwortet mit einem Büroentwurf, der „wie ein sehr gut entworfener schwarzer Anzug“ aussieht und „eine bewusst einfache und doch betonte Eleganz aufweist“. Umgebaut und grundsaniert wurde dafür eine andere Etage im gleichen Gebäude. Durch die begrenzte Auswahl an Farben – Ghiora Aharoni Design Studio arbeitet hauptsächlich mit Schwarz und Weiß – und die Reduktion auf wenige Materialien entsteht eine klare Atmosphäre. Diese erweist sich nicht nur als perfekter Arbeitsort, sondern auch als ideale Bühne für die zeitgenössische Kunstsammlung der Kanzlei.

Die Büroetage präsentierte sich den Architekten wie eine leere Leinwand: eine 464 Quadratmeter große, leere Grundrissfläche. Um die räumliche Ausdehnung des Geschosses zu betonen, ließen die Interiorexperten die Tragebalken unverschalt. Gläserne Trennwände definieren den inneren Bürobereich für die Verwaltung, damit in diesen auch Tageslicht gelangt.

In den Mittelpunkt stellt das Team um Ghiora Aharoni das schwarze Systemmöbel von USM: Die abschließbaren Sideboards bieten ausreichend Stauraum und verbergen gleichzeitig die innenliegenden Arbeitsplätze, ohne den Raum zu brechen. „Wenn man aus dem Fahrstuhl kommt, wirkt es wie ein schlichtes, schwarzes Rechteck, das in der Mitte des Fußbodens schwimmt“, erklärt Ghiora Aharoni, der in seinem Architekturbüro an der Fifth Avenue ebenfalls die schwarzen USM-Module verbaut hat.

Der maßgeschneiderte schwarze Anzug der Rechtsanwälte erhält ein paar weitere Details: Das Rechteck wiederholt sich in den schwarzen Fliesen direkt unter dem USM-Möbel und in der darüber angebrachten Deckenleuchte. „Diese rechteckige Grundform wird überall in dem Büro verwendet: in der Glaswand und in den Türrahmen, im Tisch des Besprechungszimmers, in den Aktenschränken und in der maßgefertigten geriffelten Kirschholzvertäfelung im Eingangsbereich“, beschreibt der Innenarchitekt sein Konzept. So entstehe eine geometrische Ordnung und visuelle Kontinuität, die dem Raum eine gewisse Einheit verleihen.

Fehlt noch ein feiner, formaler Kontrast, der die Kanzlei ein wenig auflockert: Dafür sorgen weitere ausgewählte Designklassiker, wie zum Beispiel der Besuchersessel Monopod, den Jasper Morrison 2008 für Vitra entworfen hat. Mit seinem eleganten Schwung stellt er eine Skulptur im offenen Raum dar, die den notwendigen Komfort verspricht. Schließlich sollen in einer Kanzlei nicht nur die Anwälte, sondern auch die Mandanten gut sitzen.

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