Die Symmetrie der Nacht: Restaurant in Rom

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Text: Tim Berge, Foto: Antonino Cardillo

Ein dunkles Paradies aus Schatten, Spiegeln und Symmetrien. Mit seinem neuesten Bauwerk, einem Restaurant in Rom, schlägt Antonino Cardillo ein weiteres Kapitel in seiner epischen Architekturerzählung auf. Wieder einmal zieht er die Nutzer hinein in seine Gedankenwelt, die von Intimität, Illusion und Ordnung geprägt ist. Ein vorläufiger Höhepunkt in dem noch jungen Werk des Architekten.

Die Frage nach der Realität seiner Projekte stellt sich bei Antonino Cardillo nicht: Das Hier und Jetzt ist für den italienischen Architekten nur eine Ebene von vielen. Seine Bauwerke sind ein Konglomerat aus Mythen, Märchen und Vorstellungsbildern unterschiedlicher Epochen und Kulturen. Er will eine Architektur des Unbewussten schaffen, inspiriert von einem seiner großen Vorbilder, dem Schweizer Psychologen C. G. Jung.

Dringt man in den Off Club vor, ist es, als würde man sich auf eine geologische und zugleich sensorische Expedition begeben. Über drei große Türen gelangen die Besucher von der Via di Casal Bertone in das Restaurant, das gleichzeitig auch eine Bar ist. Wie schon bei seinen anderen Arbeiten, dem House of Dust oder der Specus Corallii, hüllt Cardillo seine Architektur in gefärbten Puzzolane-Putz, den er mit glänzendem Kupfer, dunklen Spiegeln und schwarzem Granit kontrastiert. Ein grenzenloses Spiel aus Licht und Schatten. Die vereinnahmende Wirkung dieses wundersamen Oberflächengemischs setzt beim Besucher sofort ein und zieht ihn hinein in die Welt von Antonino Cardillo.

© Antonino Cardillo

Der Gastraum bricht in seiner Mitte in zwei Hälften: Eine vertikale Verschiebung trennt Restaurant und Bar voneinander. Der Übergang gleicht einer tektonischen Bruchstelle, bei der ein Teil der Bodenplatte um einige Meter in die Höhe gestemmt wurde. Die Symmetrie bleibt selbstverständlich erhalten: Auf beiden Seiten bildet ein über sieben Meter langer Barren aus schwarzem Granit das räumliche Epizentrum. Ergänzt werden sie durch weitere geometrisch strenge Figuren – Bögen, Rhomben, Dreiecke und Scheiben leuchten, spiegeln und durchschneiden den Raum, als würden sie auf ein archaisches Ritual hindeuten. Wie kaum ein anderer schafft es Cardillo mit seiner Architektur, den Nutzer physisch wie psychisch in seine Gedankenwelt zu involvieren. Eine Reise in den Grenzbereich von Realität und Illusion – auf die es sich einzulassen lohnt.

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