Die fabelhafte Welt des Herrn Richard

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Text: Claudia Simone Hoff, Foto: Anja Nitz


Eine erotische Zeichnung von Pierre Klossowski war Ausgangspunkt für die Gestaltung des Restaurants Richard in Kreuzberg. Umgesetzt hat diese Idee Lisa Kadel vom Berliner Büro Linie Architektur. Das Interior des Lokals bringt gründerzeitliches Ambiente mit eigens für diesen Ort entworfenen, zeitgenössischen Elementen zusammen. So ist eine Atmosphäre entstanden, die Kunst und Gemütlichkeit vereint.


Erst gab es Weißen Spargel mit gebackenem Ei, dann Seeteufel mit Sauce riche von der Lotte-Leber. Als süßer Abschluss folgte eine Tarte von der Schokoladen-Ganache. Am liebsten möchte man das Restaurant Richard gar nicht mehr verlassen. Sein Namensgeber und Patron ist der Schweizer Hans Richard. Ein studierter Maler, der seine Passion fürs Kochen nun zusammen mit den Köchen Tino Scodeller und John Richter in Berlin auslebt.

Neben der Küche – die sich an der traditionellen und herzhaften Haute Cuisine, wie man sie in Paris liebt, orientiert – ist es das zeitlose und luftige Interior in einem üppig ausgestatteten Altbau, das lockt. Lisa Kadel ist es gelungen, dem historisierenden Ambiente mit wuchtiger Kassettendecke aus Holz, Buntglasfenstern und reich stuckierter Säule einen zeitgenössischen Touch zu verleihen. 

Die Kunst gibt den Ton an

Der tiefschwarze Fußboden und die rein weiß getünchten Wände sind wie eine leere Leinwand, vor denen Möbel, Kunst und Accessoires ihre Wirkung entfalten. 130 Quadratmeter misst der Gastraum, den man durch eine schwere Holztür betritt. Der Blick fällt auf einen streng rechtwinkligen, grauen Betontisch, der Empfang und Servicepunkt zugleich ist. Er ist umgeben von grau gepolsterten Sitzbänken, die sich wie eine horizontale Linie durch den gesamten Raum ziehen. Mit weißen Tischdecken und schlichtem Porzellan und Glas gedeckte Tische und filigrane Holzstühle mit hellen Polstern aus Kalbsleder wirken elegant-zurückhaltend und bilden eine Bühne für die Kunst. Denn hier hängen originale Werke von Raymond Pettibon, Nobuyoshi Araki und Almut Heise an den Wänden. Sie geben den Ton an.

Gekonnter Materialmix

Neben der Kunst sind es die Orientteppiche und mundgeblasenen, von der Decke hängenden Glasleuchten in Pastellfarben, dank derer man sich eher in einem privaten Wohnzimmer als in einem öffentlichen Restaurant wähnt. Ein weiterer Blickpunkt ist die freistehende Wand aus lichtbrechendem Kupfer, die auf der Rückseite als Bar dient. Daneben befinden sich rostfarbene, mit Stoff bespannte Paravents, die ebenfalls als Raumteiler fungieren. Lisa Kadel mischt in diesem Interior gekonnt verschiedene Materialien. Zwar unterscheiden sie sich in ihrer Haptik stark voneinander. Doch der Gleichklang der Farben ist das verbindende Element, ebenso wie die dem Material innewohnende Sinnlichkeit. „Wir möchten Sie erfreuen“, sagt Hans Richard zu seiner Idee von Restaurant. Das ist ihm gelungen.

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Hadid