Digitaler Dampfer: FlowFactory in Dänemark

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Text: Tim Berge, Foto: Adam Mørk und Erik Brahl

Partner: Brunner

Mitten in dem alten Hafenareal von Hadersleben türmt sich ein eigenartig geformtes Gebilde aus drei übereinandergestapelten Geschossen mit einer Fassade aus gealtertem, rostrotem Cortenstahl in die Höhe. Es handelt sich hierbei jedoch nicht um einen gestrandeten Dampfer, sondern eine Schule für Technologie- und Internetvisionäre. Den Kern der Ausbildungsstätte bildet eine Arbeitslandschaft von Brunner.

Industrie und Gesellschaft befinden sich im Wandel: von der analogen hin zur digitalen Welt. Doch auch die neue Ordnung benötigt einen architektonischen Rahmen, der ihr Haftung verleiht und den Menschen die Möglichkeit gibt, sich mit ihr zu identifizieren. Nicht selten sucht sich die digitale Gesellschaft für ihr Handeln Orte, die eine starke historische Bindung besitzen. Der Hafen der dänischen Stadt Hadersleben ist so einer: Bei der FlowFactory hat man schnell erkannt, dass das Areal mehr als nur einen schönen Ausblick auf das Meer zu bieten hat. Die industrielle Hafenkulisse steht wie kaum eine andere städtebauliche Typologie für die Herstellung, Lagerung und Versendung von Produkten – das historische Pendant zu dem, was sich die Macher in naher Zukunft von ihren Studenten auf digitaler Ebene erwarten.

Zeitgenössische Dynamik
Die drei abgetreppten Geschosse ergeben das Bild einer auf dem Kai gestrandeten Yacht, deren Außenhaut durch die Meeresluft eine starke Patina entwickelt hat. Das Erscheinungsbild ist ein Zwitter aus Motiven klassischer Hafen- und moderner Büroarchitektur. Die versetzten Geschosse erinnern ebenso an den Schiffsbau wie der bei Teilen der Fassade verwendete Cortenstahl, der dem Neubau ein raues Element hinzuaddiert. Das dänische Architekturbüro Zeni wünschte sich eine „starke Referenz an das Hafenmilieu“ – dennoch sollte es unverkennbar moderne Architektur sein. Das gelingt ihnen durch die monolithisch-objekthafte Gesamtform des Hauses, die durch viele Schrägen eine zeitgenössische Dynamik besitzt. Den Körper durchbrechen die Architekten mit Glasflächen, die Innen- und Außenraum miteinander verbinden: Große Terrassen bieten zudem die Möglichkeit, den Unterricht, Besprechungen oder Veranstaltungen unter freiem Himmel anzubieten.

Das Loungesystem banc im Detail
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Modularität für Kreativität
Die FlowFactory versteht sich als Hort für Digital Natives und die Entwicklung digitaler Produkte. Dementsprechend sollte eine Büro- und Unterrichtswelt geschaffen werden, die einen lebendigen Treffpunkt bietet, der den Studenten als offener und flexibler Rahmen für selbstständiges und kreatives Arbeiten dient. Kern der Schule bildet eine Arbeitslandschaft, die auf dem modularen Loungesystem banc des deutschen Möbelherstellers Brunner beruht. Die Kollektion, die zusammen mit dem Stuttgarter Designbüro Jehs+Laub entwickelt wurde, besticht durch ihre Flexibilität und Anpassungsfähigkeit, deren Basis ein leichtes und elegantes Untergestell aus Aluminium bildet. Die Modularität, die auf Sitzelementen in drei verschiedenen Rückenhöhen beruht, ermöglicht zudem unterschiedliche Konfigurationen: vom offenen Kommunikationsraum bis zum abgeschirmten, konzentrierten Arbeitsbereich. Gleichzeitig lassen sich durch dieses Baukastensystem defekte Einzelteile einfach und kostengünstig austauschen oder neuen Anforderungen anpassen. Damit stellt das System den perfekten Partner für das Lehrkonzept der FlowFactory dar, das auf Vielseitigkeit, Dynamik und Flexibilität beruht.

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Yabu Pushelberg

Exklusive Interviews mit Newcomern und internationalen Stars der Design- und Architekturwelt.