Drei Finger für den Adler

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Text: Tim Berge
Foto: Bruce Damonte

Alle guten Dinge sind drei! Ein Wohnhaus im kalifornischen Ukiah bietet seinen Bewohnern Ausblicke auf drei unterschiedliche Landschaftsformationen: einen Bergrücken, ein Tal und ein Weinanbaugebiet. Dazu teilten die Architekten das Gebäude – wie eine Hand – in verschiedene Finger auf, die sich jeweils einem der Naturerlebnisse zuwenden. Und dabei noch ganz nebenbei den Baumbestand des Grundstücks in die Architektur integrieren.  

Für das norwegisch-amerikanische Architekturbüro Mork-Ulnes war das Gebäude nicht nur aufgrund der landschaftlichen Einbindung eine spannende Aufgabenstellung. Das zur Verfügung stehende Budget war gering, weshalb sich die Bauherren einen nachhaltig geplanten und kostengünstigen Bau wünschten. 

Auf Adlerschwingen
Eagle Rock: Der Name der benachbarten Bergkette im Norden Kaliforniens klingt nach Geschichten von Cowboys und Indianern. Und großes Kino liefert auch das private Wohnhaus, das Casper Mork-Ulnes für die atemberaubende Landschaft entwarf. Von außen mit Streifen aus Stahlblech verkleidet, reflektiert das Gebäude Licht- und Schattenwürfe seines Umfelds und wird so trotz seiner kunstvollen Architektursprache zum Bestandteil der Landschaft. Auch die Formgebung des Hauses unterliegt ganz den Vorgaben aus der Natur: Ein Berg, ein Tal und ein Weinanbaugebiet liegen in Sichtweite, und der Eichenbestand auf dem Grundstück sollte erhalten bleiben. Die Architekten spreizten den Neubau dazu in drei fingerartige Gebäudeteile auf, an deren Ende eine Vollverglasung jeweils eines der Naturereignisse in den Fokus nimmt. Und auch für die Bäume bleibt genügend Platz zum Wachsen und Gedeihen. 

Berührungsängste
Die einzige Bodenberührung findet im Eingangsbereich statt: Für einen kurzen Moment touchiert das untere Treppenpodest die Erde und gewährt den Bewohnern Eintritt. Von hier aus führen die hölzernen Stufen hinauf zur aufgeständerten Wohnebene. Das Haus ruht auf schmalen Stahlstützen, um die Wurzeln der umliegenden Bäume nicht mit unnötigen Eingriffen ins Erdreich zu beeinträchtigen. Die ansteigende Hanglage sorgt dafür, dass das Gebäude mal meterhoch in der Luft zu schweben und mal knapp über dem Boden hinweg zu gleiten scheint. 

Holz in der Hütte
Um das Budget zu schonen, wurden ausschließlich Baumaterialien in Standardgrößen und aus Lagerbeständen verwendet: Im Innenbereich dienen unbehandelte Sperrholz- und OSB-Platten als Boden- und Wandbelag sowie als Werkstoff für sämtliche Einbauten. In einen monolithischen Block aus Birkenholz integriert, sieht dann auch eine IKEA-Küche exklusiv aus. Jedem der drei Finger – die vom Eingangsbereich abgehen – ist ein nach oben offener Kern zugeordnet, der Nutzungen wie Toiletten, Küche und Regale beherbergt. Außerdem dienen die Objekte als Anschlusspunkt für in den Wänden versteckte Türen. Bei der Einrichtung des Hauses gingen die Architekten auch mit der Anzahl von Möbeln sparsam um – in keinem Fall sollte das Domizil beengend wirken. Das Architekturbüro Mork-Ulnes hat es geschafft, der vielseitigen Landschaft und dem schwierig zu bebauenden Grundstück ein Gebäude hinzuzufügen, das sich auf seine Umgebung einlässt und mit ihr eine spannende Liaison eingeht.

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