Ein Hamam in Paris

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Text: Norman Kietzmann

In unmittelbarer Nähe der Champs-Elysées, in der Rue Pierre Charron, hat der Pariser Kosmetikhersteller Payot ein neues Spa der Luxusklasse eröffnet. Das Design des 1200 Quadratmeter großen Wohlfühltempels wurde von dem Bildhauer und Architekten Joseph Caspari übernommen, der alte römische und türkische Bäder aus Stein zum Vorbild nahm und sie auf überaus zeitgemäße Weise interpretierte.
Klares, minimalistisches Design ist nicht unbedingt das, was einem normalerweise bei der französischen Hauptstadt sofort in den Sinn kommt. Schließlich scheint vor allem in den eleganten Vierteln rund um die Champs-Elysées der Stil von Louis Quinze derart unauslöschlich zu sein, dass man fast meinen könnte, die Moderne hätte hier niemals stattgefunden. Dass Payot und sein Bauherr dem Architekten Joseph Caspari aber dennoch völlige Freiheit bei der Gestaltung gewährten und ihn ein betont „cleanes“ Spa entwerfen ließen, das jegliche Anklänge an Plüsch und Stuck vermied, erscheint an dieser Stelle daher keinesfalls selbstverständlich.
Von der Vernissage zum Spa
Dabei begann bereits der erste Kontakt zwischen dem Bauherren und dem Architekten auf ebenso unübliche Weise: bei einer Vernissage von Casparis Skulpturen. Der Bauherr erwarb eine von Casparis Arbeiten und die beiden freundeten sich nach und nach an. Als einige Zeit später das Projekt eines Spas in Angriff genommen wurde, zögerte der Bauherr nicht lange und vertraute dem gestalterischen Gespür seines Freundes. Sowohl für Caspari als auch für den Bauherrn war es das erste Projekt, das sie im Wellnessbereich realisierten. Am Anfang stand daher auch kein konkretes Briefing, sondern Carte blanche für den Architekten. Erst als sein Entwurf fertig war, wurde von dem später hinzuge- zogenen Kunden Payot die genaue Nutzung und Flächenaufteilung innerhalb des zweigeschossigen Spas festgelegt.
Steinerne Grotte
Was den Raumeindruck bestimmt, ist die durchgehende Verwendung von nur drei Materialien für Wände und Böden: weißer Marmor aus Carrera für das Erdgeschoss, grauer Granit aus Cardoso für das Untergeschoss sowie Eiche in verschiedenen Ausführungen. Wird das Erdgeschoss noch vom Tageslicht erhellt, das von der Straße hereinfällt, ist das Untergeschoss betont dunkel gehalten und erzeugt den Eindruck einer steinernen Grotte. Kernstück bildet hier das zentrale Schwimmbad mit einer Länge von 14 Metern und einer Breite von 6,5 Metern. Hinter verspiegelten Türen verbirgt sich der Saunabereich mit einem türkischen Bad, einem Hamam, das als einziges Element innerhalb des gesamten Spas nicht rechtwinklig sondern rund ist. Doch auch hier finden sich monumentale Elemente wie ein großer schwerer Block aus Marmor, der als Sitzbank oder Ablage gleichermaßen dient. Der Whirlpool ist als separater Raum mit quadratischem Grundriss ausgeführt und wird einzig durch eine indirekte Beleuchtung unter Wasser erhellt. Das Beleuchtungskonzept sieht zudem von den Kabinen über das Schwimmbecken bis hin zum Whirlpool die Steuerung durch verschiedenfarbige LEDs vor, die via Computer variiert werden können. Die Verwendung indirekter Beleuchtung sorgt zusätzlich für eine beruhigende Wirkung. Der Kosmetikbereich wird über einen separaten Gang erschlossen, von dem mehrere Einzelkabinen abgehen. Sie sind von außen mit kühlem Marmor verkleidet, überraschen von Innen jedoch mit einem Interieur aus warmer, heller Eiche. Die Einrichtung der Kabinen ist jeweils auf ihre Funktionen abgestimmt und berücksichtigt eine Vielzahl unterschiedlicher Behandlungen und Therapien. Allein für Massagen stehen hier acht weitere Räume zur Verfügung.
Ohne Kompromisse
Die eigentliche Herausforderung für das Projekt lag dabei vor allem in der baulichen Umsetzung. Schließlich ist das Gebäude, in dem das Spa untergebracht ist, ein typisch Hausmannscher Altbau aus dem 19. Jahrhundert, dessen Keller für eine solche Nutzung überhaupt nicht vorgesehen war. Um zusätzlich mehr Platz zu schaffen, wurde daher fast das gesamte Fundament abgetragen und durch eine neue Konstruktion ersetzt, die zudem drei Meter tiefer ins Erdreich reicht als die vorherige. Dass Caspari diesbezüglich kaum Kompromisse machen musste und auch in der Qualität der verwendeten Materialien und Details aus dem Vollen schöpfen konnte, verstärkt die gestalterische Qualität des Projektes, bei dem eine puristische Formensprache auf sinnliche Weise erlebbar wird. Doch der enorme Aufwand hat schließlich auch seinen Preis: 3600 Euro kostet die Jahresmitgliedschaft für den Besuch des Spa-Bereiches, Massagen und Kosmetikbehandlungen nicht inbegriffen. Ein Tagesticket gibt es bereits für 150 Euro.
Espace Payot
62, rue Pierre Charron
75008 Paris - France
Tel: +33 1 45 61 42 08
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