Ein Haus für Grenzgänger

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Text: Nina C. Müller
Foto: Alessandro Magi Galluzzi

Inmitten einer hügeligen Landschaft, zwischen Blumenwiesen, Heuballen und Tannenwäldchen setzten die Planer von Simone Subissati Architects einen prägnanten Wohnbau mit extravagantem Spa und handgefertigten Möbelstücken. Das klingt exklusiv. Doch das Haus basiere auf einem simplen Konzept, sagen die Planer und zeigen, dass einfach keinesfalls einfallslos bedeutet. Mit wenigen Mitteln schufen sie eine wirklich facettenreiche Architektur, die wilde Naturerlebnisse ins Innere holt – und vervielfältigt.

In der ländlichen Region Italiens, zwischen Adria und Apennin, fällt dieser Wohnbau mit rot-weißer Fassade schon von weitem auf. Womit, das hängt allerdings davon ab, von welcher Seite man sich ihm nähert. Denn hier gleicht keine Fassade der anderen. Angelehnt an die traditionellen Wohnbauten der italienischen Le Marche Region, entwarf das Team von Simone Subissati Architects einen 33 Meter langen und 8,4 Meter breiten Riegel. Mit der Tradition hört es dann aber auch schon auf. Stattdessen ließen sich die Italiener – im wahrsten Sinne – keine Grenzen setzen.

Durchdachte Seitensprünge
Schon im Außenraum verzichteten sie bewusst auf eine Umzäunung. Vielmehr sollten sich Architektur und Natur möglichst nahekommen. Die Fassade aus rot lackiertem Eisen und weißem Putz interpretierten die Architekten daher auch mehr als Verbindungselement denn als Mauer. Mittels zahlreicher bodentiefer Fenster, Durchgänge und Pilaster auf beiden Längsseiten des Gebäudes schufen sie eine rhythmische Gliederung der Außenwände. Dadurch gewährt der lange und kompakte Körper die Aussicht zu seinen beiden Seiten. „Auf diese Weise symbolisiert er die Themen Grenze und Schwelle zwischen dem Innen und dem Außen, die hier maßgeblich für das Projekt wurden“, so das Team.

Tatsächlich verfolgen Simone Subissati Architects das Konzept konsequent im gesamten Entwurf. Für eine der längsseitigen Fassaden entwarfen sie eine Fläche aus verspiegelten Fenstern, die den Himmel, die umliegenden Felder und Pflanzen reflektieren. Der Clue: Die Anordnung der einzelnen Spiegel sorgt für einen Kaleidoskopeffekt, durch den man die gegenüberliegenden Hänge der Landschaft gleichzeitig betrachten kann. So gelingt ihnen ein Vexierspiel, bei dem Architektur und Natur förmlich verschwimmen.

Durchgängig durchlässig
Im Erdgeschoss der insgesamt 350 Quadratmeter großen Wohnfläche siedelten die Architekten Gemeinschaftsbereiche wie Wohnzimmer, Küche, Bad und Spa an. Die Vielzahl an räumlichen Verbindungen beleben die Atmosphäre und weisen auch klimatische Vorzüge auf. „Durch die weit zu öffnenden Glastüren wird der Innenraum zu einem überdachten Außenraum und der Wohnbereich zu einem geschlossenen Pavillon, der nicht nur in der Sommersaison genutzt werden kann“, so die Planer.

Das Obergeschoss beherbergt privatere Zonen und das Schlafzimmer. Während die beiden Etagen des Hauses von außen durch die Zweifarbigkeit klar voneinander abgetrennt werden, treten im Inneren zahlreiche Querverbindungen auf. Das gelingt durch vollflächige Verglasungen und Galerien zwischen den Geschossen. Sie lösen die strenge horizontale Gliederung auf und ermöglichen Blickbeziehungen. Das Konzept der Schwelle setzt sich damit auch hier fort.

Moderne Nomaden
Als Geländer wählten die Architekten einfachen Maschendrahtzaun. Wie eine feine Membran schützt er Galerien und Treppenaufgänge, ohne das permeable Wohngefühl zu stören. Gleichsam spiegelt das improvisierte Baumaterial aber auch eine weitere Idee wider. „Die Proportionen des Hauses erinnern an einen Bausatz, der den Montageprozess nachvollziehbar macht“, so die Planer. Tatsächlich vermitteln die einzelnen Blöcke und Balken etwas Transparentes und Konstruktives, das man auch im Mobiliar aus lackiertem Eschenholz wiederfindet. Es wurde speziell gefertigt und erinnert mit seinen rohen Formen an Campingmöbel.

Diese Anklänge waren beabsichtigt. Die Architekten wollten den Eindruck einer temporären, nomadischen Nutzung und einen flexiblen Raum ganz ohne Moden und Luxuslabels. Und sie hatten recht. Ist doch schon die Natur der pure Luxus.

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